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Rheumatoide Arthritis

(Weitergeleitet von Primär chronische Polyarthritis)

Synonyme: chronische Polyarthritis (CP), primär chronische Polyarthritis (PCP)
Laienbegriff: Rheuma
Englisch: Rheumatoid arthritis

1 Definition

Die rheumatoide Arthritis, kurz RA, ist eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung, welche die Innenhaut (Synovialis) der Gelenke befällt und dadurch das klinische Bild einer Polyarthritis hervorruft. Fakultativ können auch andere Organe betroffen sein. Die Erkrankung zeigt einen schubweisen, progredienten Verlauf, der zur Zerstörung der Gelenke und zu schwerwiegenden Behinderungen bis zur Invalidität führen kann.

2 ICD10-Codes

  • M05: Seropositive chronische Polyarthritis
  • M06: Sonstige chronische Polyarthritis

3 Epidemiologie

Die rheumatoide Arthritis hat eine Prävalenz von rund 1% und ist nach der aktivierten Arthrose die häufigste inflammatorische Gelenkerkrankung. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer und auch familiäre Häufungen sind zu beobachten. Der Manifestationsgipfel liegt für Frauen zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr, bei Männern tritt die Krankheit am häufigsten zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf.

4 Ursache

Die genauen Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind zum größten Teil ungeklärt. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der bestimmte körpereigene Gewebe (z.B. Gelenkknorpel) und Bindegewebe vom Immunsystem, nämlich von Antikörpern und Phagozyten angegriffen werden. Für die Erkrankung besteht eine genetische Disposition: Die rheumatoide Arthritis tritt familiär gehäuft auf und ist mit bestimmten MHC- bzw. HLA-Merkmalen assoziiert. Das Vorhandensein der genetischen Variante HLA-DRB1 ist dabei das wichtigste ausschlaggebende, prädisponierendes Merkmal.

5 Diagnostik

Die Basisdiagnostik bildet die klinische Untersuchung der betroffenen Körperpartien. Darüber hinaus stehen die Bildgebung und Laboruntersuchungen im Vordergrund.

5.1 Bildgebung

5.2 Labor

Der Nachweis von ACPA und RF in Kombination gilt als nahezu beweisend für eine rheumatode Arthritis.

6 Klinik

6.1 Initialphase

In der Initialphase zeigen sich Allgemeinsymptome:

6.2 Arthritis

Im weiteren Verlauf kommt es schließlich zu den typischen Manifestationen am Bewegungsapparat:

6.3 Extraartikuläre Manifestationen

Extraartikulär manifestiert sich die Erkrankung vor allem an:

7 Sonderformen

8 Diagnostische Kriterien

8.1 ACR/EULAR-Kriterien

Das American College of Rheumatology (ACR) hat 2010 gemeinsam mit der European League Against Rheumatism (EULAR) Klassifikationskriterien definiert, anhand derer die Diagnose "Rheumatoide Arthritis" mithilfe eines Punktsystems gestellt werden kann:

Punkte Gelenkbeteiligung Serologie Entzündungsparameter Symptomdauer
0 ≤ 1 großes Gelenk RF + APCA neg. CRP + BSG normal < 6 Wochen
1 2 - 10 große Gelenke CRP + BSG ↑ ≥ 6 Wochen
2 1 - 3 kleine Gelenke RF + APCA ↑
3 4 - 10 kleine Gelenke RF + APCA ↑↑
5 > 10 Gelenke, davon ≥ 1 kleines Gelenk

Die Interphalangealgelenke, Metacarpophalangealgelenke, Metatarsophalangealgelenke und Handgelenke werden dabei als kleine Gelenke, Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk als große Gelenke gewertet. In jeder Spalte wird dann der höchste erreichbare Punktwert vergeben. Eine RA liegt vor, wenn sich ein Punktwert ≥ 6 ergibt und gleichzeitig eine gesicherte Gelenkentzündung an typischer Stelle ohne andere erkennbare Ursache (z.B. Trauma, Arthrose) vorliegt.

8.2 Ältere ACR-Kriterien

Die älteren, nicht mehr gültigen ACR-Kriterien von 1987 legten die Diagnosekriterien wie folgt fest:

  1. Morgensteifigkeit von mindestens 60 Minuten Dauer
  2. Gelenkschwellungen oder Gelenkerguss an mindestens 3 Gelenkregionen
  3. Arthritis der Hand- und/oder Fingergelenke
  4. Symmetrischer Befall derselben Gelenke beider Körperhälften
  5. Vorliegen von Rheumaknoten
  6. Positiver Rheumafaktor und/oder ACPA im Serum
  7. Gelenknahe Osteoporose oder Erosionen im Röntgen

Eine rheumatoide Arthritis lag demnach vor, wenn ein Patient mindestens 4 von 7 Kriterien erfüllte. Die ersten 4 Kriterien mussten über einen Zeitraum von mindestens 4 - 6 Wochen bestehen.

9 Therapie

9.1 Wirkstoffe

Die medikamentöse Therapie der RA kann mit folgenden Wirkstoffen erfolgen:

9.2 Vorgehen

Im akuten Schub wird die RA symptomatisch mit NSAIDs oder Coxiben behandelt. Zusätzlich erfolgt die systemische Gabe von Glukokortikoiden, um die Entzündungsaktivität zu reduzieren. Bei sehr starker Symptomatik können Glukokortikoide auch intraartikulär injiziert werden.

Die langfristige Therapie basiert auf der Gabe von DMARDs. Ihr Wirkeintritt dauert einige Wochen, so dass diese Zeit mit NSAID und/oder Glukokortikoiden überbrückt werden muss. Das Mittel der Wahl bei mittelschwerer bis schwerer RA ist Methotrexat (initial: 15 mg/Woche). Alternativ kommen u.a. Leflunomid und Sulfasalazin in Frage. Wenn unter dieser Therapie nach 4-6 Wochen keine Besserung erzielt wird, werden Kombinationen verschiedener DMARDs eingesetzt (z.B. MTX + LEF oder MTX + SSZ + HCQ). Als weitere Eskalationsstufe kommt nach weiteren 3 Monaten der Einsatz von Biologika in Betracht.

9.3 Sonstige Maßnahmen

Additiv werden physikalische Therapieoptionen genutzt:

Vor allem in der Frühphase kann eine Synovektomie den Krankheitsbeginn günstig beeinflussen. Als weitere Therapieoptionen können die Durchführung einer Radiosynoviorthese sowie chirurgische Rekonstruktionen (z.B. Arthrodese, Arthroplastik) in Betracht gezogen werden.

10 Prognose

Bei Patienten mit einer RA ist nach längerer Erkrankung ein hoher Grad an Erwerbsunfähigkeit sowie eine Verkürzung der Lebenszeit um drei bis zwölf Jahren beschrieben. Eine rechtzeitige und adäquate Therapie kann dem jedoch entgegen wirken.

Fixed
#3 vor 27 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Hallo Herr Dr. Gansweid, vielen Dank für Ihr waches Auge. Das Flexikon ist ein offenes Lexikon, an dem sich jeder beteiligen kann. Daher würden wir uns (und alle künftigen Leser des Artikels) sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen und den Artikel selbst auf den neuesten Stand bringen würden. Dazu müssen Sie lediglich bei DocCheck registriert sein. Wenn Sie eingelogged sind, können Sie jederzeit über den roten "Bearbeiten"-Button Änderungen am Text vornehmen. Sollten Sie Fragen zum Medmachen haben oder Hilfe bei der Bearbeitung brauchen, können Sie sich gerne an mich wenden. Viele Grüße
#2 am 05.05.2017 von Falk Müllner (Mitarbeiter von DocCheck)
Die ACR Kriterien von 87 wurden 2010 von den ACR/EULAR Kriterien abgelöst. Müsst man mal überarbeiten;).
#1 am 05.05.2017 von Stefan Gansweid (Arzt)

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