Rituximab
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LoslegenReferenzpräparat: MabThera®
Biosimilars: Rixathon®, Truxima®, Riximyo®, Blitzima®, Ruxience®, Ituxredi®
Synonym: Rituximabum
Englisch: rituximab
Definition
Rituximab, kurz RTX, ist ein chimärer monoklonaler Antikörper gegen das Oberflächenantigen CD20. Der Arzneistoff wird zur Therapie verschiedener Autoimmunerkrankungen sowie CD20-positiver B-Zell-Neoplasien eingesetzt.
Nomenklatur
Der Name des Antikörpers Ri-tu-xi-mab setzt sich nach der bis 2021 gültigen Nomenklatur für monoklonale Antikörper wie folgt zusammen:
Biochemie
Rituximab ist ein chimärer monoklonaler Antikörper der Immunglobulinklasse IgG1-kappa mit einem Molekulargewicht von etwa 145 kDa.
Das Targetantigen CD20 wird auf prä-B-Zellen und reifen B-Lymphozyten exprimiert, jedoch nicht auf hämatopoetischen Stammzellen oder Plasmazellen. Dadurch bleibt die Regeneration der B-Zell-Population nach Therapie grundsätzlich möglich.
Herstellung
Rituximab wird biotechnologisch in CHO-Zelllinien hergestellt. Die Zelllinie stammt ursprünglich aus dem Ovargewebe des chinesischen Hamsters (chinese hamster ovary cells), daher der Name CHO.
Wirkmechanismus
Rituximab bindet selektiv an das CD20-Antigen auf B-Lymphozyten und CD20-positiven Tumorzellen. Hierdurch werden verschiedene immunologische Mechanismen aktiviert:
- Antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC)
- Komplementabhängige Zytotoxizität (CDC)
- Antikörperabhängige Phagozytose
- Induktion der Apoptose
Die Therapie führt zu einer vorübergehenden B-Zell-Depletion.
Indikationen
Rituximab wird bei verschiedenen malignen und autoimmunologischen Erkrankungen eingesetzt.
Onkologische Indikationen
- Non-Hodgkin-Lymphom (NHL):
- Erstbehandlung des follikulären Lymphoms (Stadium III – IV) oder Erhaltungstherapie, ggf. in Kombination mit einer Chemotherapie
- CD20-positives diffus großzelliges B-Zell-NHL, zusätzlich zum CHOP-Schema (R-CHOP)
- Bei Kindern in Kombination mit einer Chemotherapie bei CD20-positivem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), Burkitt-Lymphom (BL) oder Burkitt-like-Lymphom (BLL)
- Chronisch lymphatische Leukämie (CLL): in Kombination mit einer Chemotherapie
Autoimmunerkrankungen
- Rheumatoide Arthritis nach Versagen anderer DMARDs, in Kombination mit Methotrexat
- Granulomatose mit Polyangiitis und Mikroskopische Polyangiitis: in Kombination mit Glukokortikoiden
- Pemphigus vulgaris
Darreichungsform
Das Originalpräparat (MabThera®) liegt als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung vor:
- Durchstechflasche mit 100 mg/10 ml Rituximab
- Durchstechflasche mit 500 mg/50 ml Rituximab
Zudem ist Rituximab als Lösung zur subkutanen Injektion verfügbar.
Dosierung
Die Dosierung richtet sich nach Indikation und Therapieschema. Im Rahmen onkologischer Therapien wird Rituximab häufig in einer Dosierung von 375 mg/m2 Körperoberfläche pro Behandlungszyklus gegeben. Bei Autoimmunerkrankungen werden indikationsabhängig andere Dosierungsschemata verwendet. Einzelheiten sind der Fachinformation des jeweiligen Präparates zu entnehmen. Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Anwendung
Die Applikation von Rituximab erfolgt intravenös oder subkutan. Die erste Gabe sollte intravenös unter einem engmaschigen Monitoring der Vitalparameter stattfinden.
Vor Therapiebeginn sollte ein Screening auf Hepatitis B erfolgen.
Um mögliche Nebenwirkungen abzumildern, wird vor jeder Gabe eine Prämedikation empfohlen:
- Antipyretikum und Analgetikum (z.B. Paracetamol)
- Antihistaminikum
- Glukokortikoide, falls diese noch kein Bestandteil der Therapie sind
Bei hoher Tumorlast oder ausgeprägter Lymphozytose besteht das Risiko eines Tumorlysesyndroms. In diesen Fällen werden ausreichende Hydrierung sowie ggf. Harnsäure-senkende Maßnahmen empfohlen.
Die subkutane Applikation sollte erst nach zuvor komplikationsloser intravenöser Gabe erfolgen.
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten möglichen Nebenwirkungen gehören:
- Infusionsbedingte Reaktionen
- Fieber
- Schüttelfrost
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö
- Dyspnoe
- Pruritus, Exanthem
- Fatigue
- Neutropenie
- Infektionen
- Kardiovaskuläre Ereignisse
Infusionsbedingte Reaktionen können u.a. mit Hypotonie, Bronchospasmen und Fieber einhergehen. Differenzialdiagnostisch ist insbesondere das Zytokin-Freisetzungssyndrom zu beachten; die anaphylaktische Reaktion tritt in der Regel bereits innerhalb von Minuten nach der Rituximab-Gabe auf.
Zu den seltenen, schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen:
- Reaktivierung einer vorbestehenden Hepatitis B
- progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML)
- Toxische epidermale Nekrolyse (TEN)
- Stevens-Johnson-Syndrom
- schwere opportunistische Infektionen
Langfristig kann es infolge der anhaltenden B-Zell-Depletion zu einer Hypogammaglobulinämie mit erhöhtem Infektionsrisiko kommen. Darüber hinaus ist eine verlängerte Immunsuppression möglich.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Rituximab oder einen Bestandteil des Präparates
- aktive, schwere Infektionen (insbesondere Hepatitis B, Tuberkulose oder HIV)
- schwere Immunsuppression
- Schwere Herzinsuffizienz oder unkontrollierte Herzerkrankung (indikationsabhängig)
Schwangerschaft und Stillzeit
IgG-Antikörper können die Plazentaschranke überwinden. Unter Rituximab-Therapie während der Schwangerschaft wurden bei Neugeborenen vorübergehende B-Zell-Depletionen und Lymphozytopenien beschrieben. Insgesamt sind nicht ausreichend Daten aus Studien bei schwangeren Frauen verfügbar. Rituximab sollte während der Schwangerschaft nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.
Die Datenlage zum Übergang von Rituximab in die Muttermilch ist derzeit (Stand 2026) begrenzt. IgG-Antikörper können grundsätzlich in die Muttermilch übertreten; bislang wurden jedoch nur sehr niedrige Rituximab-Konzentrationen nachgewiesen. Von der EMA wird empfohlen, während der Rituximab-Therapie und bis zu 6 Monate nach Therapieende nicht zu stillen.[1]
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie und bis 12 Monate nach Therapieende empfängnisverhütende Maßnahmen anwenden.
Impfungen
Im Rahmen einer Rituximab-Therapie sollte auf eine aktive Immunisierung mit Lebendimpfstoffen verzichtet werden. Totimpfstoffe können verabreicht werden, die Immunantwort kann jedoch infolge der B-Zell-Depletion reduziert sein. Bei einer geplanten Therapie ist somit eine frühzeitige Überprüfung und Aktualisierung des Impfstatus empfohlen, idealerweise mindestens vier Wochen vor Therapiebeginn.
Zulassung
Das Arzneimittel ist in den USA seit 1997, in der Europäischen Union seit 1998 zugelassen.
ATC-Code
- L01FA01 - Antineoplastische und immunmodulierende Mittel - Antineoplastische Mittel - Monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate - CD20 (Cluster of Differentiation 20) -Inhibitoren
Weblinks
- PharmaWiki - Rituximab, abgerufen am 04.03.2023
- Gelbe Liste Wirkstoffe - Rituximab , abgerufen am 17.09.2024
- Drugs.com - Rituximab, abgerufen am 04.03.2023
- ec.europa.eu – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, abgerufen am 18.09.2024
Literatur
- Selewski et al., Rituximab (Rituxan), AJNR Am J Neuroradiol, 2010
- Mo et al., Progress of rituximab in the treatment of systemic lupus erythematosus and lupus nephritis, Front Med, 2024
- Zhou et al., The Role of Complement in the Mechanism of Action of Rituximab for B-Cell Lymphoma: Implications for Therapy, The Oncologist, 2008
Quellen
- ↑ European Medicines Agency (EMA). MabThera® (Rituximab) – Summary of Product Characteristics (SmPC). Abschnitt 4.6: Fertility, pregnancy and lactation, abgerufen am 8.4.2026