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Totimpfstoff

Synonym: Totvakzine
Englisch: inactive vaccine, dead vaccine

1 Definition

Ein Totimpfstoff ist ein Impfstoff, der tote, d.h. nicht mehr reproduktionsfähige Krankheitserreger bzw. deren Bestandteile enthält.

2 Einteilung

Totimpfstoffe lassen sich grob in fünf Klassen einteilen:

2.1 Vollimpfstoffe

Vollimpfstoffe oder Ganzpartikelimpfstoffe enthalten ganze, inaktivierte Krankheitserreger (z.B. ganze Viren), die mittels einer kombinierten Anwendung chemischer Substanzen (z.B. Formaldehyd, beta-Propiolacton oder Psoralen) abgetötet wurden (Virusinaktivierung).

2.2 Spaltimpfstoffe

Spaltimpfstoffe sind Impfstoffe, die nur noch inaktive Teile des Krankheitserregers enthalten. Diese Fragmentierung wird durch Zerstörung der Erregeroberfläche mit Detergentien oder starken organischen Lösungsmitteln erreicht.

2.3 Subunit-Impfstoffe

Subunit-Impfstoffe enthalten nur spezifische Komponenten des Krankheitserregers, die aus ihm herausgelöst (z.B. Neuraminidase-Proteine) oder rekombinant hergestellt wurden. Ist die Subunit selbst kein Protein (z.B. ein Polysaccharid), kann die Immunogenität durch Konjugation an ein Carrier-Protein gesteigert werden ("Konjugatimpfstoff").

2.4 Toxoidimpfstoffe

Toxoidimpfstoffe enthalten inaktivierte Toxine der Erreger. Die Antigene und der damit verbundenen immunisierenden Effekt bleibt dabei jedoch erhalten.

2.5 Konjugatimpfstoff

Bei einem Konjugatimpfstoff ist das Antigen, zumeist bestehend aus Polysacchariden der Erregerkapsel, an ein Eiweiß (Proteinträgermolekül) gebunden.

2.6 Neuere Formen

Neuere Formen von Totimpfstoffen sind Peptidimpfstoffe, virale Vektoren oder RNA-Impfstoffe. Im letzteren Fall wird nicht das Antigen selbst verabreicht, sondern dessen RNA in Körperzellen eingeschleust. Die Körperzellen produzieren auf der Basis der genetischen Information dann selbst das Antigen, gegen das eine Immunantwort gewünscht wird. Auf dem gleichen Prinzip beruhen DNA-Impfstoffe, die jedoch zur Zeit (2020) nicht in der Humanmedizin eingesetzt werden.

3 Immunogenität

Totimpfstoffe lösen eine schwächere Immunantwort aus als Lebendimpfstoffe und müssen deshalb in der Regel nach einem bestimmten Schema in Form von Auffrischungsimpfungen mehrmals verabreicht werden. Die durch sie erreichte Immunität hält meist nur einen beschränkten Zeitraum an.

Im Rahmen der Immunreaktion auf die Impfung bilden die B-Lymphozyten zunächst IgM-Antikörper mit niedriger Affinität. Für diesen Prozess wird die Unterstützung von T-Helferzellen (CD4+) benötigt. Im weiteren Verlauf stellen die Lymphozyten dann auf die Synthese besser an das Antigen bindender IgG-Antikörper um. Die T-Zellen bilden als T-Gedächtniszelle ein Immungedächtnis, das bei erneuter Antigenpräsentation eine beschleunigte Immunantwort (Boosterung) ermöglicht.

Durch die Aktivierung der B-Lymphozyten sowie der T-Helferzellen wird eine humorale Immunantwort induziert, keine zelluläre Immunreaktion wie bei einer Lebendimpfung.

4 Adjuvanzien

Totimpfstoffe enthalten verschiedene Adjuvanzien als Hilfsstoffe, um die unspezifische Immunreaktion auf den Impfstoffen zu steigern. Beispiele sind Aluminiumverbindungen (z.B. Aluminiumhydroxid, Aluminiumphosphat) oder die Adjuvans-Systeme AS01, AS02, AS03 und AS04.

5 Anwendung

Totimpfstoffe werden per subkutaner oder intramuskulärer Injektion verabreicht. Sie können mit allen anderen Impfungen kombiniert und ohne Zeitabstand verabreicht werden.

6 Beispiele für Totimpfstoffe

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Oktober 2020 um 17:16 Uhr bearbeitet.

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