Bis zum 10. Januar steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
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Bis zum 10. Januar steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Autoren,

Wir sind auf der Suche nach Schnee in Richtung Nordpol gefahren. Deswegen steht das Flexikon vom 14.12. bis 10.01.2019 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 10. Januar könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben.

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Euer Flexikon-Team

Rabies

(Weitergeleitet von Tollwut)

Synonyme: Tollwut, Lyssa
Englisch: rabies

1 Definition

Tollwut ist eine durch RNA-Viren ausgelöste meldepflichtige Viruserkrankung, die das Nervensystem befällt, und unbehandelt in fast allen Fällen tödlich verläuft.

2 Erreger

Rabies-Viren sind RNA-Viren, die zur Ordnung Mononegavirales und zur Gattung der Lyssaviren gehören. Das Virus hat die Form eines an einer Seite abgerundeten Zylinders ("Patrone") und ist ca. 180 nm lang und 75 nm breit. Nach dem Eindringen in die Wirtszelle wird die Virushülle (Envelope) entfernt und die Virus-RNA freigesetzt.

3 Infektion

Die Übertragung der Tollwut erfolgt durch Wild- oder Haustiere, wobei in Europa die Übertragung durch Wildtiere im Vordergund steht. Der Erreger wird meist über eine Bisswunde weitergegeben. Der Kontakt von infektösem Speichel mit geringen Hautabschürfungen kann jedoch bereits eine Infektion verursachen.

Eine seltene Möglichkeit der Infektion besteht in der Inspiration von Aerosolen in Fledermaushöhlen. Fledermäuse scheiden die Viren mit dem Kot aus - so können sich z.B. Höhlenforscher infizieren.

Die Inkubationszeit ist sehr variabel und reicht von wenigen Tagen bis zu Jahren.

4 Pathogenese

Nach Eindringen der Viruspartikel über Hautdefekte kommt es zunächst zur Replikation in Muskel- oder Bindegewebe, ehe über Axone ein Zugang zu den Nervenzellen erfolgt. Dabei wandern die Viren die Axone entlang und sind in der Lage Synapsen zu überspringen. Die Viren nutzen unter anderem Acetylcholinrezeptoren zum Eindringen in die Nervenzellen.

Da sich die Viren im Nervensystem aufhalten, kommt es erst spät zu einer entsprechenden Immunreaktion. Geschädigt werden ZNS-Neurone. Typischerweise betrifft dies vor allem die Zellen im Cornu ammonis und im Kleinhirn. Erst bei weiterer Vermehrung können auch Großhirnrinde und Pons befallen sein.

5 Verlauf

Unbehandelt verläuft die Tollwut in drei charakteristischen Stadien:

  1. Prodromalstadium: Dieses Stadium dauert 1 bis 4 Tage und ist durch uncharakteristische Allgemeinbeschwerden (Übelkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Myalgien) gekennzeichnet. Des weiteren treten Parästhesien und Faszikulationen im Bereich der Eintrittspforte des Erregers auf.
  2. enzephalitisches Stadium: Hier kommt es zu gesteigerter motorischer Aktivität, Reizbarkeit, Speichelfluss, Verwirrtheit, Halluzinationen, Meningismus, Hydrophobie, Muskelspasmen, Angstzustände, Schlundkrämpfe und zunehmende Lähmungserscheinungen bis zur Ateminsuffizienz.
  3. Stadium der Hirnstammfunktionsstörung: Die aufsteigende Infektion äußert sich in Hirnnervenlähmungen, tonisch-klonischen Krämpfen, sowie Paresen der Muskulatur bis hin zu Atem- und Herzstillstand. Die Patienten sind oft bis zum Schluss bei vollem Bewusstsein.

6 Diagnostik

Post mortem lassen sich histopathologisch Negri-Körperchen im Gehirn nachweisen.

7 Therapie

Einzige wirkungsvolle Behandlung ist die Postexpositionsprophylaxe sofort nach Kontakt mit einem möglicherweise erkrankten Tier. Sie besteht in der Gabe von Tollwutimpfstoff an den Tagen 0, 3, 7, 14, 28 und 90 nach Exposition und am Tag 0 noch zusätzlicher passiver Immunisierung.

Zudem muss eine angemessene Wundbehandlung erfolgen. Diese beinhaltet das Exzidieren der Wunde, sowie das anschließende Spülen mit Detergenzien. Die Hälfe des Anti-Tollwut-Hyperimmunglobulins wird im Bereich der Wunde injiziert, die andere Hälfte intramuskulär.

Zur Sicherung der Diagnose sollte das Tier möglichst eingefangen und 8-10 Tage von einem Veterinär beobachtet werden. Da die Tiere in der Regel spätestens eine Woche nach Auftreten der Viren im Speichel symptomatisch auffällig werden, gilt ein nach 10 Tagen unauffälliges Tier als gesund. Bei einsetzender Symptomatik wird das Tier getötet und virologisch untersucht.

Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, bleibt nur eine symptomatische Therapie, z.B. die maschinelle Beatmung bei Atemlähmung.

8 Prognose

Ohne Therapie verläuft die Tollwut bis heute (2016) immer letal. Unter optimaler Behandlung kann die Letalität jedoch auf rund 30% gesenkt werden.

9 Prophylaxe

Eine effektive Vorbeugemaßnahme gegen Tollwut ist die Impfung. Sie wird vor allem für Personen empfohlen, die häufig in Kontakt mit Wildtieren (z.B. Jäger, Förster) oder Fledermäusen kommen. Darüber hinaus ist sie bei Fernreisen in Gebiete mit streunenden Hunden oder Naturgebiete mit möglichem Wildkontakt anzuraten. Zur aktiven Immunisierung gegen Tollwut stehen hochgereinigte Impfstoffe zur Verfügung, die im Rahmen der Tollwutimpfung angewendet werden.

10 Meldepflicht

Bereits der Verdacht auf Erkrankung eines Tieres und möglicher Infektion ist meldepflichtig. Dies gilt ebenso für den Erregernachweis, den Tod durch die Erkrankung sowie jeden direkten Kontakt mit erkrankten Tieren.

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