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Rhabdoviridae

von altgriechisch: ῥᾰ́βδος ("rhabdos") – Stab
Synonym: Rhabdoviren
Englisch: rhabdoviruses

1. Definition

Als Rhabdoviridae bzw. Rhabdoviren wird eine Familie von Viren mit negativer, einzelsträngiger RNA bezeichnet.

2. Taxonomie

Rhabdoviren werden aktuell (2021) weiter unterteilt in 20 Gattungen mit jeweils verschiedenen Arten.[1] Zu den wichtigsten humanpathogenen Gattungen gehören:

Gattung Art
Ledantevirus Le Dantec-Virus
Lyssavirus
Vesiculovirus

Außerdem befallen einige Gattungen Fische (z.B. Novirhabdovirus, Perhabdovirus, Sprivivirus) oder weitere Wirbeltiere (z.B. Tupavirus), während andere Gattungen Pflanzen infizieren (z.B. Nucleorhabdovirus, Cytorhabdovirus).

siehe Hauptartikel: Virustaxonomie

3. Eigenschaften

3.1. Morphologie

Das Virion von Rhabdoviren ist 100 bis 460 nm lang, 45 bis 100 nm breit und häufig projektilförmig gestaltet. Das Nukleokapsid ist helikal geformt, innen von Matrixproteinen (M) sowie außen häufig von einer Virushülle umgeben.

Das Nukleokapsid besteht aus der genomischen RNA, dem Nukleoprotein (N), einer RNA-abhängigen RNA-Polymerase (L) sowie aus dem Polymerase-assoziiertem Phosphoprotein (P).[2]

Die Virushülle enthält Glykoproteine (G), die zu prominenten Spikes an der Oberfläche geformt sind. Diese interagieren über die Matrixoproteine mit dem Ribonukleoprotein-Komplex.

3.2. Genom

Das Genom der Rhabdoviren liegt in Form einer negativen, einzelsträngigen und meist nicht segmentierten RNA vor. Die Genomgröße beträgt ca. 10 bis 16 kbp. Das Genom der Rhabdoviren besteht aus mindestens 5 ORFs für folgende Proteine:

  • L: Komponente des Nukleokapsids, notwendig für die Proteinsynthese (Polymeraseaktivität)
  • G: bildet Heterotrimere auf der Virusoberfläche aus, bindet an die Wirtszelle und induziert die Endozytose
  • N: Hauptkomponente des Nukleokapsids, assoziiert mit der genomischen RNA
  • P: Cofaktor der viralen Polymerase
  • M: Protein im Inneren des Virions, das bei der Regulation der Transkription entscheidend ist; bindet an das Nukleokapsid und an die zytoplasmatische Domäne des Proteins G

Ähnlich wie bei Paramyxoviren existiert ein konserviertes Polyadenylierungssignal am Ende jedes ORFs.

4. Klinik

Die Virusübertragung hängt von der Virusart und auch vom Wirt ab, erfolgt jedoch meistens durch direkten Kontakt. Ein Beispiel hierfür ist das Rabiesvirus, das vor allem durch den Biss von Tieren übertragen wird. Außerdem werden Viren einiger Gattungen durch Arthropoden übertragen, z.B. Ledantevirus, Ephemerovirus, Hapavirus.

Die spezifischen Rezeptoren sind aktuell (2019) nicht bekannt, vermutet wird der nikotinerge Acetylcholinrezeptor sowie weitere Proteine (z.B. das neurale Zelladhäsionsmolekül NCAM1), wobei auch Phospholipide und Ganglioside eine wichtige Rolle spielen. Nach Bindung erfolgt eine Endozytose des Virus und eine Freisetzung der viralen RNA in das Zytoplasma der Wirtszelle, in dem i.d.R. auch die Transkription stattfindet.

Rhabdoviren verursachen u.a. folgende Erkrankungen beim Menschen:

5. Literatur

6. Quellen

  1. ICTV Taxonomie, abgerufen am 30.10.2019
  2. ictv report, abgerufen am 13.11.2019
Stichworte: RNA-Virus, Tollwut, Virus
Fachgebiete: Infektiologie, Virologie

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