Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Virushülle

Synonym: Envelope
Englisch: virus envelope

1 Definition

Die Virushülle ist die äußere Struktur einiger Viren. Sie besteht aus Fetten (Lipiden) und darin eingelagerten Virusproteinen.

2 Hintergrund

Die Virushülle umschließt häufig das so genannte Kapsid, in das wiederum die virale Nukleinsäure verpackt ist. Abhängig von der Virusart entsteht die Virushülle aus der äußeren Zellmembran oder aus Membranbestandteilen des endoplasmatischen Retikulums (ER) bzw. des Golgi-Apparats der Wirtszelle. Die Virushülle ist ein wichtiges Kriterium bei der Taxonomie der Viren. Man unterscheidet behüllte Viren von unbehüllten, "nackten" Viren. Unbehüllte Viren verlassen die Wirtszelle immer durch Zerstörung der Zelle. Viren mit Hülle können ohne eine Lyse der Wirtszelle freigesetzt werden.

3 Aufbau

Eine Virushülle besteht aus einer Lipid-Doppelmembran der Wirtszelle, in welche die viralen Hüllproteine eingelagert werden. Die Einlagerung der Hüllproteine vollzieht sich bereits während ihrer Synthese an den Ribosomen. Die regulären Membranproteine der Zelle werden dabei durch die Virusproteine verdrängt, so dass nur die Basisstruktur der Lipidmembran für die Virussynthese Verwendung findet.

Die Anzahl eingelagerter Hüllproteine ist bei einigen Viren (z.B. den Hepadnaviridae) so hoch, dass der Lipidanteil an der Virusoberfläche an keiner Stelle frei liegt. Das Immunsystem hat also keinen direkten Zugang zur Lipidhülle. Auch gegenüber Umwelteinflüssen und Detergenzien sind diese Viren resistenter als andere behüllte Viren.

Hüllproteine lagern sich in der Regel zu Oligomeren aus mehreren gleichen oder verschiedenen Proteinen zusammen. Sie werden dann unter dem Elektronenmikroskop als sogenannte Spikes sichtbar.

3.1 Lipidkomponente

Der Aufbau des Lipidanteils der Virushülle entspricht im Wesentlichen der Zellmembran der Wirtszelle. Er besteht aus Phospholipiden, Sphingomyelinen und Cholesterin. Das Verhältnis der beteiligten Komponenten ist davon abhängig, ob für die Bildung der Virushülle die Zellmembran oder intrazelluläre Membranen genutzt werden. Zusätzlich scheinen die viralen Membranproteine die Zusammensetzung dadurch zu beeinflussen, dass sie bestimmte Phospholipide bevorzugt in die Lipidhülle aufnehmen.

3.2 Proteinkomponente

DIe Hüllproteine sind in die Lipidmembran des Virus eingelagert wie zelluläre Transmembranproteine. Man unterscheidet demnach außen und innen liegende Domänen sowie eine oder mehrere Transmembrandomänen (TMDs).

Die nach innen gerichtete Domäne wird auch Ankerdomäne genannt. Sie trägt bei den meisten viralen Hüllproteinen den C-Terminus. Die Domäne ist hydrophil und bindet an weiter innen liegende Matrixproteine oder direkt an das Kapsid. Durch die Wechselwirkung mit diesen Proteinen wird die äußere Form der Virushülle bestimmt.

Die Transmembrandomäne besteht aus einer lipophilen α-Helix. Ihre genaue Länge ist von der Dicke Lipidmembran abhängig. Viren mit cholesterinreicher Hülle benötigen für die α-Helix mehr Aminosäuren als Viren, die sich aus choesterinärmeren intrazellulären Membranen (z.B. rER) bilden.

Die außen liegenden Domänen der Hüllproteine sind meist mehrfach glykosyliert. Diese Oligosaccharide sind für Bindung an Rezeptoren der Wirtszellen, für die Fusion mit deren Zellmembran und für die immunologischen Eigenschaften des Virus relevant. Um die Immunabwehr des Wirts zu umgehen, weisen die äußeren Domänen der Hüllproteine häufig hypervariable Regionen (HVR) auf. Durch Mutationen kann das Virus so die Bindung von Antikörpern unterlaufen.

4 Immunologische Bedeutung

Die Virushülle spielt eine große Rolle für die Stabilität des Virus gegenüber Umwelteinflüssen und erschwert seine Entdeckung durch das Immunsystem. Durch Variation der Virushülle können Viren die Immunabwehr des Wirtes leichter unterlaufen.

Tags:

Fachgebiete: Virologie

Diese Seite wurde zuletzt am 11. Februar 2019 um 00:07 Uhr bearbeitet.

Sorry, die Kommentarfunktion dient der Verbesserung der Artikel, wir können leider nicht auf alle Verständnisfragen eingehen.
#6 am 07.12.2021 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Danke für ihre Antwort Frau Dr. rer. nat. Nolte. Woher die Membran kommt, war einer der Fragen, die ich nie klären konnte. Meine zweite Frage (Reaktion auf Fett) bezog sich auch nicht auf die Zerstörung des Virus (Sorry). Sondern mehr auf das Verschleimen von Viren. Die Nase nutzt ihren, Schleim um Viren unschädliche zu machen. Auch weiß ich das Corona durch die Rachenschleimhaut muss damit es in Zellen eindringen kann. Das alles macht doch nur dann Sinn, wenn die Lipidmembran in gewisser Weise mit Fett agiert (aufnimmt, anlagert, anhängt). Bestimmt ist meine Wortwahl wissenschaftliche inkorrekt. Aber für mich als Laien, ist das doch der Grund warum es mehr als nur ein Virus braucht, um uns zu infizieren. Es brauch ein gewisses Mengen an Viren Material um das natürliche Filter System der Schleimhäute zu überwinden. Deshalb die Masken. Meine Frage: Agiert das Fett aus dem Öl ähnlich wie der Nasenschleim mit der Membran und verschleimt das Virus oder liege ich völlig falsch.
#5 am 07.12.2021 von jan Juhnke (Nichtmedizinischer Beruf)
Die Membran der Coronaviren hat intrazellulären Ursprung. Das Virus-Assembly findet am ERGIC (Endoplasmic Reticulum-Golgi Intermediate Compartment), einem Übergangsorganell zwischen ER und GOLGI statt. Die Virusmembran kann durch Alkohole (Ethanol und Propanol) sowie Detergenzien und Seifen zerstört werden. Bezüglich des Olivenöls haben wir keine Informationen.
#4 am 06.12.2021 von Dr. rer. nat. Janica Nolte (DocCheck Team)
Danke für diese Einfache und kurze Einführung.. Mal ne Frage.. Corona hat doch einen Lipidmembran.. Woher kommt die Coronamembran genau (Zellmembran oder intrazelluläre Membranen).. Und kann man abschätzten wie diese auf Fett wie z.B. Olivenöl reagiert.. Danke Danke..
#3 am 05.12.2021 von jan Juhnke (Nichtmedizinischer Beruf)
Sind sie aber nicht, da - wie im Text steht - der Proteinanteil der Hülle bei manchen Viren so hoch ist, dass die Detergentien nicht an die Lipidhülle kommen.
#2 am 08.02.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Behüllte Viren sollten weniger resistent gegen Detergenzien sein, da diese die Lipidhülle zerstören und so verhindern, dass das Virus Zellen infizieren kann.
#1 am 02.02.2019 von Gast (Medizinjournalist/in)

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

8 Wertungen (3.5 ø)

34.194 Aufrufe

Copyright ©2022 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: