Impfstoff
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Vakzine, Vakzin
Englisch: vaccine
Definition
Ein Impfstoff ist ein Arzneimittel, das bei einer Schutzimpfung verabreicht wird und dazu dient, eine spezifische Immunität gegen Erreger von Infektionskrankheiten (oder gegen andere Zielantigene) zu erreichen.
Einteilung
...nach Vitalität
Als Impfstoffe können unter anderem abgeschwächte (attenuierte) oder inaktivierte Erreger, Proteine oder Nukleinsäuren (z.B. mRNA oder DNA, die für ein Antigen kodieren) verwendet werden. Klassisch werden zwei Formen unterschieden:
- Lebendimpfstoffe: enthalten lebende, aber abgeschwächte (attenuierte), vermehrungsfähige Erreger
- Totimpfstoffe: enthalten inaktivierte Erreger, Erregerbestandteile oder Toxoide. Sie lassen sich nach der Art der in ihnen enthaltenen Antigene weiter unterteilen (s.u.).
Genbasierte Impfstoffe wie mRNA-Impfstoffe und nicht replizierende Vektorimpfstoffe passen nicht eindeutig in dieses Schema. Sie enthalten keine vermehrungsfähigen Erreger und werden praktisch – etwa hinsichtlich Impfabständen – wie Nicht-Lebendimpfstoffe behandelt. Replizierende Vektorimpfstoffe gelten dagegen als Lebendimpfstoffe.[1]
...nach Erregerprofil
Nach ihrem Erregerprofil werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- Monokomponentenimpfstoffe enthalten Antigene eines Erregers.
- Kombinationsimpfstoffe enthalten Antigene mehrerer Erreger.
...nach Art der Antigene
Nach Art der Antigene bzw. der Antigenbereitstellung werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- Ganzpartikelimpfstoffe
- Teilpartikelimpfstoffe (Spaltimpfstoffe)
- Subunit-Impfstoffe
- Toxoidimpfstoffe
- RNA-Vakzinen
- Vektorimpfstoffe
- DNA-Impfstoffe (in der EU bislang nicht für den Menschen zugelassen)
...nach Galenik
Nach ihrer Galenik werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- Adsorbatimpfstoffe
- Konjugierte Impfstoffe
- Molecular-Clamp-Impfstoffe (experimentell)
...nach Funktion
Nach ihrer Funktion werden folgende Impfstoffe unterschieden:
- Prophylaktische Impfstoffe dienen der Vorbeugung von Infektionskrankheiten.
- Therapeutische Impfstoffe dienen der Behandlung bereits bestehender Erkrankungen, z.B. im Rahmen der Tumorimmuntherapie.
- Markerimpfstoffe ermöglichen die serologische Unterscheidung zwischen geimpften und natürlich infizierten Individuen. Sie werden v.a. in der Veterinärmedizin eingesetzt.
Wirkmechanismus
Impfstoffe lösen eine angeborene Immunantwort aus und führen über die Aktivierung antigenpräsentierender Zellen zur Ausbildung einer spezifischen adaptiven Immunantwort mit B- und T-Zell-Aktivierung, Antikörperbildung und der Entstehung von Gedächtniszellen.[1] Lebendimpfstoffe imitieren eine natürliche Infektion meist stärker und erzeugen häufig eine ausgeprägte, lang anhaltende Immunität. Totimpfstoffe, Subunit-, Konjugat- oder Nukleinsäureimpfstoffe benötigen dagegen in der Regel mehrere Dosen, Adjuvanzien oder Auffrischimpfungen, um einen vergleichbaren Schutz aufzubauen.[1]
Zusammensetzung
Impfstoffe enthalten als Wirkstoff das Impfantigen, also abgeschwächte oder inaktivierte Erreger, deren Antigene, Toxoide oder genetische Information zur Bildung eines Antigens.[1] Je nach Präparat kommen Adjuvanzien zur Verstärkung der Immunantwort sowie Hilfsstoffe wie Stabilisatoren, Verdünnungsmittel, Antioxidanzien oder antimikrobielle Konservierungsmittel hinzu.[1] Bei mRNA-Impfstoffen ist die mRNA typischerweise in Lipidpartikel verpackt.[1] Herstellungsbedingt können Spuren von Rückständen wie Hühnereiweiß, Antibiotika oder Formaldehyd enthalten sein, die in der Fachinformation aufgeführt sind.
Indikationen und Impfempfehlungen
Impfstoffe werden prophylaktisch zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten eingesetzt. Einzelne Impfstoffe werden auch therapeutisch im Rahmen einer bestehenden Erkrankung oder als Teil einer spezifischen Immuntherapie entwickelt. In Deutschland geben die jährlich aktualisierten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) den Rahmen vor.[2] Unterschieden werden:
- Standardimpfungen (Regelimpfungen) für alle Personen einer Altersgruppe
- Indikationsimpfungen bei erhöhtem individuellem Risiko (z.B. Grunderkrankung, Alter)
- Impfungen aufgrund eines erhöhten beruflichen Risikos
- Reiseimpfungen
- Postexpositionelle Impfungen (z.B. gegen Tollwut, Tetanus oder Hepatitis B)
Reiseimpfungen werden zusätzlich nach Reiseziel, Aufenthaltsdauer, Art der Exposition und individuellem Risiko erwogen.[2]
Darreichungsformen und Applikationswege
Impfstoffe werden je nach Präparat als Injektionslösung, Suspension, gefriergetrocknetes Pulver zur Rekonstitution, als orale Darreichungsform oder als Nasenspray angewendet.[1] Üblich sind die intramuskuläre, subkutane und intradermale Applikation. Einzelne Impfstoffe werden oral (z.B. gegen Rotaviren oder Cholera) oder intranasal (attenuierter Influenza-Lebendimpfstoff) verabreicht.[1] Der Applikationsweg richtet sich nach Impfstofftyp und Fachinformation.
Impfschema
Das Impfschema umfasst in der Regel eine Grundimmunisierung mit einer oder mehreren Dosen sowie je nach Impfstoff erforderliche Auffrischimpfungen.[2] Dosiszahl, Impfintervalle und die Notwendigkeit von Booster-Impfungen sind produktspezifisch festgelegt und richten sich nach Fachinformation und STIKO-Empfehlung.[1] Die empfohlenen Mindestabstände zwischen den Teilimpfungen einer Serie sollten nicht unterschritten werden. Längere Abstände sind bei den meisten Impfungen unproblematisch, verzögern jedoch den Aufbau des Impfschutzes.[2]
Nebenwirkungen
Häufige Impfreaktionen sind lokale Beschwerden wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle sowie vorübergehende Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen und Fieber. Sie treten meist innerhalb von 1 bis 3 Tagen auf und klingen folgenlos ab.[1] Nach Lebendimpfstoffen können zeitversetzt milde Symptome der Erkrankung auftreten (z.B. "Impfmasern" etwa 1 bis 2 Wochen nach MMR-Impfung).
Seltene schwerwiegende unerwünschte Wirkungen sind insbesondere anaphylaktische Reaktionen und, je nach Impfstoff, weitere spezifische Impfkomplikationen.[1] Der Verdacht einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung ist nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich an das Gesundheitsamt zu melden. Dieses leitet die Meldung an das Paul-Ehrlich-Institut weiter.[3]
Wechselwirkungen
Immunsuppressiva können die Immunantwort auf Impfstoffe vermindern. Bei Lebendimpfstoffen ist unter relevanter Immunsuppression besondere Vorsicht geboten.[2] Immunglobuline und bestimmte Blutprodukte können die Wirksamkeit parenteraler Lebendimpfstoffe (z.B. gegen Masern oder Varizellen) beeinträchtigen. Zwischen deren Gabe und der Impfung sind daher präparateabhängig Abstände von mehreren Monaten einzuhalten.[2]
Für die Abstände zwischen verschiedenen Impfungen gilt:[2]
| Kombination | Abstand |
|---|---|
| Lebendimpfstoff + Lebendimpfstoff | simultan möglich; sonst in der Regel mindestens 4 Wochen |
| Totimpfstoff + Totimpfstoff | kein Mindestabstand erforderlich |
| Totimpfstoff + Lebendimpfstoff | kein Mindestabstand erforderlich |
Abweichende Angaben in der jeweiligen Fachinformation sind zu beachten.
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind eine akute behandlungsbedürftige Erkrankung sowie eine bekannte schwere Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Impfstoffs.[4] Bei akuter Erkrankung wird die Impfung nach Genesung nachgeholt. Lebendimpfstoffe sind bei schweren Immundefekten bzw. relevanter Immunsuppression und in der Schwangerschaft in der Regel kontraindiziert.[2] Bei Allergien, Immunsuppression und anderen Risikokonstellationen ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Keine Kontraindikationen (sog. falsche Kontraindikationen) sind u.a.:[2]
- banale Infekte, auch mit subfebrilen Temperaturen (< 38,5 °C)
- Kontakt zu Personen mit ansteckenden Krankheiten
- chronische Erkrankungen sowie stabile neurologische Erkrankungen
- Behandlung mit Antibiotika oder niedrig dosierten Glukokortikoiden
- Frühgeburtlichkeit (Impfung nach chronologischem Alter)
Cave: Postexpositionelle Impfungen (z.B. gegen Tollwut, Tetanus, Hepatitis B) dürfen auch bei akuter Erkrankung nicht verschoben werden.
Lagerung und Transport
Impfstoffe sind empfindliche biologische Produkte und müssen unter Einhaltung der Kühlkette gelagert und transportiert werden. In der Regel gilt eine Lagerung bei 2 bis 8 °C. Zusätzlich sind produktspezifische Vorgaben zu Lichtschutz, Tiefkühlung oder Nicht-Gefrieren zu beachten.[1] Angebrochene oder rekonstituierte Impfstoffe sind nach Maßgabe der Fachinformation zeitnah zu verwenden oder zu verwerfen.[1]
Anwendung
Impfungen werden von Ärzten unabhängig von ihrer Fachrichtung durchgeführt. Ein Großteil der Standardimpfungen entfällt auf das Säuglings- und Kindesalter. Vor jeder Impfung sind eine Aufklärung und eine Anamnese zu möglichen Kontraindikationen erforderlich. Jede Impfung wird mit Datum, Impfstoff und Chargennummer im Impfausweis bzw. einer Impfbescheinigung dokumentiert.[3]
Apotheker dürfen bereits seit 2022 gegen Influenza und COVID-19 impfen. Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das im Juli 2026 in Kraft getreten ist, wurde diese Befugnis auf alle Nicht-Lebendimpfstoffe bei Erwachsenen ausgeweitet.[5]
Impfungen gegen Gelbfieber dürfen nur in staatlich zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen durchgeführt werden.[6]
Rechtliche Rahmenbedingungen
Impfstoffe sind in Deutschland apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig.[7][8] Neue Impfstoffe werden in der Regel zentral über die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen. Zusätzlich muss jede Charge vor dem Inverkehrbringen in Deutschland staatlich durch das Paul-Ehrlich-Institut freigegeben werden.[7]
Ein direkter Versand durch den Hersteller oder den Großhandel an Krankenhäuser, Gesundheitsämter oder Ärzte ist laut Arzneimittelgesetz (AMG) nur zulässig für:
- Impfstoffe, die bei einer unentgeltlichen aufgrund des Infektionsschutzgesetzes durchgeführten Schutzimpfung angewendet werden,
- Impfstoffe, die zur Abwendung einer Seuchen- oder Lebensgefahr erforderlich sind.
Gelbfieberimpfstoffe dürfen außerdem direkt an die Gelbfieber-Impfstellen geliefert werden.[7]
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 FAQ – Häufig gestellte Fragen: Impfstoffe – Paul-Ehrlich-Institut, abgerufen am 27.10.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026. Epid Bull. 2026;4.
- ↑ 3,0 3,1 Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG), § 6 und § 22 IfSG, abgerufen am 27.10.2026
- ↑ Robert Koch-Institut. Kontraindikationen bei der Durchführung von Impfungen, abgerufen am 27.10.2026
- ↑ PTAheute. Apothekenreform 2026: Was sich für PTA jetzt wirklich ändert. 29.09.2026.
- ↑ Gesetz zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV-Durchführungsgesetz – IGV-DG), § 7 IGV-DG, abgerufen am 27.10.2026
- ↑ 7,0 7,1 7,2 Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz – AMG), § 32 und § 47 AMG, abgerufen am 27.10.2026
- ↑ Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), AMVV, abgerufen am 27.10.2026