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Arterielle Hypertonie

(Weitergeleitet von Bluthochdruck)

Synonym: Bluthochdruck
Abkürzung: aHT
Englisch: hypertension, arterial hypertension

1 Definition

Eine arterielle Hypertonie ist eine kardiovaskuläre Erkrankung, die durch systolische Blutdruckwerte ≥ 140 mmHg und/oder diastolische Blutdruckwert von ≥ 90 mmHg definiert ist.

2 Hintergrund

Die arterielle Hypertonie ist sowohl eine eigenständige Krankheitsentität, als auch ein bedeutender Risikofaktor für weitere Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und anderer Organe. Das Teilgebiet der Medizin, das sich speziell mit der arteriellen Hypertonie auseinandersetzt, ist die Hypertensiologie.

3 Epidemiologie

Die arterielle Hypertonie ist die häufigste internistische Erkrankung.[1] Die Prävalenz in Europa beträgt bei Erwachsenen ungefähr 30 %.[1] 2018 wurde bei 19 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland eine arterielle Hypertonie festgestellt. Dabei ergaben sich innerhalb von Deutschland regionale Unterschiede, insbesondere im Osten Deutschlands zeigten sich höhere Prävalenzen.[2]

Zudem ist ein Anstieg der Häufigkeit mit zunehmendem Alter zu beobachten.[3]

4 Einteilung

Die arterielle Hypertonie lässt sich nach sehr vielen verschiedenen Aspekten einteilen, die teils eher pathophysiologisch, teils eher klinisch geprägt sind.

4.1 Einteilung nach Ursache

Primäre Hypertonie: Hypertonie, die ohne erkennbare sekundäre Ursachen entsteht. Sie wird auch als essentielle oder idiopathische Hypertonie bezeichnet. Die primäre Hypertonie macht den überwiegenden Anteil der Hypertonie-Fälle bei Erwachsenen aus (ca. 90 %) und tritt meist erst nach dem 30. Lebensjahr auf.[1]

Sekundäre Hypertonie: Darunter versteht man eine Hypertonie, die als Folge einer anderen Grunderkrankung auftritt, bzw. von nachweisbaren Faktoren ausgelöst wird. Hinweise für das Vorliegen einer sekundären Hypertonie können beispielsweise ein junges Erkrankungsalter, das Nichtansprechen auf die antihypertensive Therapie oder eine fehlende (physiologische) Nachtabsenkung in der Langzeitblutdruckmessung ("Non-Dipper") sein.

Nur etwa 10 % der Erwachsenen leiden an einer sekundären Hypertonie, bei Kindern macht sie jedoch den Hauptteil der arteriellen Hypertonien aus.

Mögliche Ursachen sind:[1]

Nicht zur chronischen arteriellen Hypertonie werden vorübergehende Blutdruckerhöhungen gezählt, die u.a. durch folgende Ursachen ausgelöst werden:

4.2 Einteilung anhand der Blutdruckwerte

In der aktuellen Pocket-Leitlinie (Version 2019) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie wird die arterielle Hypertonie wie folgt klassifiziert:

Kategorie systolisch (mmHg) diastolisch (mmHg)
Optimaler Blutdruck < 120 < 80
Normaler Blutdruck 120–129 80–84
Hoch-normaler Blutdruck 130–139 85–89
Milde Hypertonie (Grad 1) 140–159 90–99
Mittlere Hypertonie (Grad 2) 160–179 100–109
Schwere Hypertonie (Grad 3) ≥ 180 ≥ 110
Isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90
  • Die isolierte systolische Hypertonie sollte in Abhängigkeit von der Höhe des systolischen Blutdrucks in drei Grade eingeteilt werden:
    • Grad 1: 140-159
    • Grad 2: 160-179
    • Grad 3: ≥180 mmHg
  • Bei isolierter systolischer Hypertonie ergibt sich bei auffällig niedrigem diastolischen Blutdruck (z.B. 60-70 mmHg) ein besonderes Risiko.

4.3 Weitere Einteilungen

  • Form der Blutdruckerhöhung[4]
    • Isolierte systolische Hypertonie
    • Isolierte diastolische Hypertonie
    • Kombinierte systolisch-diastolische Hypertonie
  • Zeitlicher Verlauf der Hypertonie[5]
    • Labile Hypertonie
    • Stabile Hypertonie

5 Pathogenese

Die Pathogenese der primären Hypertonie ist so komplex, dass sie bislang nicht vollständig geklärt werden konnte. Ein Grund dafür ist, dass der Blutdruck von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen unter anderem das zirkulierende Blutvolumen, die Blutviskosität, das Herzzeitvolumen, die Gefäßelastizität, der Gefäßquerschnitt und die hormonelle (Renin) und neuronale Stimulation des Gefäßtonus.

Pathogenetisch lassen sich folgende Formen differenzieren:

5.1 Herzzeitvolumenhochdruck

Hier wird das Herzzeitvolumen durch nicht vom Herzen ausgehende Einflüsse erhöht. Prominent ist der Herzzeitvolumenhochdruck bei der Hyperthyreose. Hierbei regen die Schilddrüsenhormone zur vermehrten Expression von beta-Rezeptoren an, wodurch der Angriff von Katecholaminen auf entsprechende Rezeptoren am Herzen (deutlich) vereinfacht wird.

5.2 Widerstandshochdruck

Dabei wird der Blutdruck durch Vasokonstriktion erhöht. Dies ist unter anderem bei Nierenerkrankungen der Fall, wo das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System verstärkt aktiviert wird.

5.3 Elastizitätshochdruck

Bei dieser Form des Bluthochdruckes liegt eine Abnahme der Elastizität im arteriellen System vor - bei normalem peripherem Widerstand. Der Volumenelastizitätskoeffizient des arteriellen Gefäßsystems ist vergrößert, seine Windkesselfunktion nimmt ab. Dadurch sinkt die Fähigkeit des Gefäßsystems, das Blutvolumen zu speichern. Klinisch zeigt sich das durch eine vergrößerte Blutdruckamplitude: Der systolische Blutdruck steigt, während der diastolische eher niedrig bleibt. Ein Elastizitätshochdruck liegt z.B. bei einer Arteriosklerose der Aorta und der großen Arterien vor.

5.4 Volumenhochdruck

Im Falle des Volumenhochdruckes steigt der Blutdruck in Folge einer Erhöhung des Blutvolumens innerhalb des Gefäßsystems. Das ist von den Ödemen abzugrenzen, bei denen sich Flüssigkeit extravasal ansammelt. Bei Nierenversagen kommt es z.B. in Folge der zunehmenden Unfähigkeit zum Flüssigkeitsabtransport (= Filterfunktion der Niere) zum Volumenhochdruck.

6 Risikofaktoren

7 Symptome

Eine Hypertonie verläuft meist asymptomatisch und verursacht bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten oft nur uncharakteristische Beschwerden:

Bei stark erhöhtem Blutdruck können hinzukommen:

Eine arterielle Hypertonie kann auch erst durch auftretende Komplikationen auffällig werden.[1]

8 Komplikationen

Wird die Hypertonie nicht frühzeitig entdeckt, macht sie sich häufig erst durch ihre Spätschäden bemerkbar (silent death).

Mögliche Komplikationen einer arteriellen Hypertonie sind:[1]

9 Diagnostik

9.1 Basisdiagnostik

Die Diagnose "Hypertonie" ergibt sich in erster Linie durch eine wiederholte Blutdruckmessung. Als Grenzwerte werden dabei, entsprechend der deutschen Gesellschaft für Kardiologie, für den systolischen Blutdruck ein Wert über 140 mmHg und für den diastolischen ein Wert von 90 mmHg angegeben.

Allerdings berechtigt eine einmalige Messung oberhalb dieser Normwerte noch nicht zur Stellung der Diagnose einer Hypertonie. Es wird empfohlen bei mehreren Praxisbesuchen des Patienten eine wiederholte Messung des Blutdrucks durchzuführen. Bei jeder Vorstellung sollte der Blutdruck dreimal, in einem Abstand von ein bis zwei Minuten, gemessen werden. Weitere Möglichkeiten sind eine Langzeit-Blutdruckmessung oder eine häusliche Messung durch den Patienten.[6]

Jede Messung des Blutdrucks sollte dabei in Ruhe erfolgen, d.h. der Patient sollte vor der Messung ca. fünf Minuten sitzen. Zu beachten ist außerdem, dass die beiden Arme auf Herzhöhe gelagert sind. Bei der ersten Untersuchung sollte der Blutdruck an beiden Armen gemessen werden.[6]

Blutdruckmessung

Des Weiteren umfasst das Basisprogramm der Hypertonie-Diagnostik:[6][1]

9.2 Erweiterte Diagnostik

Bei Verdacht auf das Vorliegen einer sekundären Hypertonie sollte eine ausführliche Umfelddiagnostik erfolgen. Die folgenden Tabelle dient der Übersicht:

Verdachtsdiagnose Diagnostik
Obstruktives Schlafapnoesyndrom
Renale Hypertonie
Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
Hyperkortisolismus (Cushing-Syndrom)
Hyperthyreose
Phäochromozytom
Primärer Hyperparathyreoidismus
Akromegalie
  • Anamnese und körperliche Untersuchung: typisches klinisches Bild
  • Bestimmung von Serum-STH (Wachstumshormon, pulsatile Sekretion) und IGF-1 (keine pulsatile Sekretion, Vermittlung der peripheren Wirkung von STH)
  • STH-Suppressionstest
Aortenisthmusstenose
  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Blutdruckdifferenz zwischen den Extremitäten mit typischer Klinik
  • Apparative Diagnostik (Röntgen-Thorax, Echokardiographie)

10 Therapie

Für die Therapie der arteriellen Hypertonie werden nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapiemaßnahmen eingesetzt.

10.1 Therapeutisches Vorgehen

Bei Patienten mit einer Hypertonie Grad 2 oder 3 sollte neben einer Lebensstil-Beratung eine sofortige medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

Liegt ein hochnormaler Blutdruck oder eine Hypertonie Grad 1 vor, sollte ebenfalls eine Lebensstil-Beratung erfolgen. Das weitere Vorgehen und die Einleitung einer medikamentösen Therapie sind von dem jeweiligen Risikoprofil des Patienten bzw. dem Vorliegen von bestimmten Begleiterkrankungen abhängig.[6]

10.2 Nicht-medikamentöse Therapie

Die nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Blutdrucksenkung werden in der aktuellen Leitlinie auch als "Lebenstiländerungen" bezeichnet. Diese wirken sowohl präventiv als auch therapeutisch. Sie sind bei allen Patienten mit einem hochnormalen Blutdruck oder einer Hypertonie indiziert und umfassen:[6]

Lebensstiländerungen können bei einer Hypertonie vom Grad 1 eine medikamentöse Therapie verzögern und ggf. sogar verhindern. Ein Problem ist allerdings die geringe Adhärenz der Patienten über längere Zeiträume.

10.3 Medikamentöse Therapie

Für die medikamentöse Blutdrucksenkung werden Antihypertensiva eingesetzt. Zur Anwendung kommen ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorantagonisten, Diuretika, Calciumantagonisten oder Betablocker. Vorliegende Kontraindikationen für den Einsatz der Medikamente und eventuell bestehende Begleiterkrankungen sollten vor Therapiebeginn berücksichtigt werden.

Die medikamentöse Basistherapie besteht meist aus einer Kombinationstherapie:[6] Die bevorzugte Inititaltherapie ist eine Zweifachkombination bestehend aus:

  • ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker ("Sartan") und
  • Calciumantagonist oder Diuretikum

Man beginnt zunächst mit einer niedrigen Dosis und erhöht diese schrittweise, bis der angestrebte Zielblutdruck erreicht wird. Ist dies unter der gewählten Zweifachkombination im Rahmen der zulässigen Höchstmengen nicht möglich, wechselt man auf eine andere Zweifachkombination oder steigt auf eine Dreifachkombination um.

Auf der zweiten Stufe der Therapie wird eine Dreifachkombination mit den folgenden Medikamenten eingesetzt:

  • ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker und
  • Calciumantagonist und
  • Diuretikum

Auf der dritten Stufe der Therapie (resistente Hypertonie) kommen Dreifachkombination und Spironolacton oder eine anderes Medikament zum Einsatz.

Die volle Wirkung einer antihypertensiven Therapie ist in der Regel erst nach 7 -14 Tagen zu erwarten, bei Betablockern und Thiaziddiuretika muss man sogar mit 2 bis 4 Wochen rechnen.

Falls eine spezifische Indikation für die Behandlung mit einem Betablocker vorliegt (z.B. Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Kontrolle der Herzfrequenz oder Zustand nach Myokardinfarkt) ist der Einsatz eines Betablocker, beispielsweise in Kombination mit einem Diuretikum eine mögliche Alternative.[6]

Eine Monotherapie sollte bei sehr alten bzw. gebrechlichen Patienten erwogen werden und falls eine Niedrigrisiko-Hypertonie Grad 1 besteht.[6]

10.4 Experimentelle Therapie

Ein interventionelles Verfahren für die therapieresistente arterielle Hypertonie ist die renale Sympathikusdenervation. Es ist erwiesen, dass der Blutdruck durch die Intervention gesenkt werden kann. Derzeit (2021) gibt es noch keine Leitlinien-Empfehlung für den Einsatz einer renalen Sympathikusdenervation.[7]

11 Therapieziele

Erstes Ziel der Behandlung ist den Blutdruck auf Werte unter < 140/90 mmHg zu senken. Falls der Patient die Behandlung gut verträgt, sollten Werte von 130/80 mmHg bzw. bei Patienten <65 Jahre systolische Blutdruckwerte von 120 bis 129 mmHg angestrebt werden. Bei Patienten >65 Jahre liegt der Zielblutdruck bei 130 bis 139 mmHg.[6]

siehe auch: Antihypertensive Therapie

12 Quiz

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13 Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Herold et al. Innere Medizin, 2019
  2. Holstiege et al. Diagnoseprävalenz der Hypertonie in der vertragsärztlichen Versorgung - aktuelle deutschlandweite Kennzahlen. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 20/01, Berlin 2020.
  3. Pocket-Leitlinie 2013, abgerufen am 11.11.2021
  4. Holzgreve. Auch der diastolische Blutdruck ist ein behandlungsbedürftiger Risikofaktor, CardioVasc volume, 2019
  5. Hypertonie, essenzielle – Dorsch - Lexikon der Psychologie, abgerufen am 12.11.2021
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 6,7 6,8 ESC/ESH Pocket Guidelines Management der arteriellen Hypertonie, abgerufen am 11.11.2021
  7. Weber. Renale Sympathikusdenervierung –Neue Aspekte 2021, Journal für Kardiologie, 2021

14 Literatur

15 Weblinks

Diese Seite wurde zuletzt am 28. April 2022 um 09:02 Uhr bearbeitet.

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