ALARA
Definition
Das Akronym ALARA bedeutet "As Low As Reasonably Achievable", übersetzt "so niedrig wie vernünftigerweise möglich" bzw. "so wenig wie mit vertretbarem Aufwand möglich".
Die ALARA-Regel ist ein grundlegendes Prinzip des Strahlenschutzes, wird aber auch in anderen medizinischen Zusammenhängen (z.B. bei der Einstellung der Blutdruckwerte) verwendet.
Hintergrund
Das ALARA-Prinzip fordert, die Strahlenexposition von Patienten, Personal und Bevölkerung unter Berücksichtigung medizinischer, technischer und wirtschaftlicher Aspekte so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar zu halten. Es entspricht dem Optimierungsprinzip des Strahlenschutzes. Das ALARA-Prinzip basiert auf der Annahme, dass auch niedrige Dosen ionisierender Strahlung mit einem Risiko für stochastische Strahlenschäden verbunden sein können (LNT-Modell). Daher soll jede unnötige Strahlenexposition vermieden und jede notwendige Exposition minimiert werden. Das Prinzip ist international etabliert und Bestandteil der Empfehlungen der International Commission on Radiological Protection (ICRP) sowie der gesetzlichen Regelungen im Strahlenschutzgesetz und in der Strahlenschutzverordnung.
Abgrenzung zur rechtfertigenden Indikation
Das ALARA-Prinzip ist eines von drei grundlegenden Prinzipien des Strahlenschutzes:
- Rechtfertigende Indikation: Anwendung nur bei medizinischem Nutzen
- Optimierung (ALARA): Dosis so gering wie möglich
- Dosisgrenzwert: Begrenzung für beruflich exponierte Personen und Bevölkerung
Das ALARA-Prinzip greift erst nach gestellter rechtfertigender Indikation.
Umsetzung
Die Umsetzung des ALARA-Prinzips erfolgt durch technische, organisatorische und anwendungsbezogene Maßnahmen:
Technische Maßnahmen
- Optimierung von Untersuchungsprotokollen (z.B. Röhrenspannung, Röhrenstrom)
- Einsatz moderner Detektorsysteme
- Verwendung von Filtration und Kollimation
Organisatorische Maßnahmen
- Schulung des Personals
- Einhaltung von diagnostischen Referenzwerten
- Qualitätssicherung
Anwendungsbezogene Maßnahmen
- Minimierung der Expositionszeit
- Vergrößerung des Abstands zur Strahlenquelle (Abstandsgesetz)
- Einsatz von Abschirmung (z.B. Strahlenschutzkleidung)
5A-Regel
Die praktische Umsetzung des Strahlenschutzes wird häufig durch die 5A-Regel veranschaulicht:
- Abstand: Vergrößerung des Abstands zur Strahlenquelle
- Abschirmung: Verwendung geeigneter Schutzmaßnahmen
- Aufenthaltsdauer: Minimierung der Expositionszeit
- Aktivität: Reduktion der Strahlenintensität
- Abschalten: Vermeidung unnötiger Strahlenexposition