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Harnblasenkarzinom

Synonym: Blasenkrebs, Harnblasenkrebs, Blasentumor
Englisch: carcinoma of the bladder

1 Definition

Harnblasenkarzinome sind maligne, epitheliale Tumoren (Karzinome), die die Wand der Harnblase befallen.

2 Einteilung

Das mit Abstand häufigste Blasenkarzinom ist das Urothelkarzinom. Es liegt in ca. 95 % der Fälle vor. Die restlichen 5 % der Harnblasenkarzinome sind Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome und Urachuskarzinome.

3 Ätiologie

Die genauen molekularbiologischen Mechanismen, die zur Entstehung eines Harnblasenkarzinoms führen, sind noch weitgehend unbekannt. Allerdings existieren gesicherte Risikofaktoren. Dazu zählen:

Das Tabakrauchen erhöht das Risiko auf ein Harnblasenkarzinom etwa um den Faktor 2.

In diesem Zusammenhang ist eine berufsbedingte Exposition zu berücksichtigen. Harnblasenkarzinome finden sich bei Mitarbeitern der chemischen Industrie, Textilindustrie, Aluminiumindustrie und Druckindustrie häufiger als in der restlichen Bevölkerung.

Verschiedene Genmutationen sind bekannt, die vermutlich mit ursächlich für die Entwicklung eines Harnblasenkarzinom sein können. Darunter befindet sich z.B. FGFR3, das für den Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor 3 codiert. Diese Rezeptor-Tyrosinkinase reguliert die Proliferation und Differenzierung von Zellen, Mutationen führen zu einer überaktiven Form des Proteins.[1]

4 Epidemiologie

Das Harnblasenkarzinom macht etwa 3-4 % aller Krebserkrankungen aus. Der Altersgipfel für die Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms liegt im 6. Lebensjahrzehnt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

5 Symptomatik

Das häufigste Symptom eines Harnblasenkarzinoms ist die Hämaturie. Diese ist in der Regel schmerzfrei. In fortgeschrittenen Stadien kommt es zusätzlich zur Gewichtsabnahme und Anämie durch das verdrängende Wachstum zur Harnabflussstörung, die sich in Form von Flankenschmerzen bemerkbar machen kann.

Eine gefährliche Konstellation ist eine gleichzeitig zum Harnblasenkarzinom bestehende Zystitis oder Dysurie. Diese kann den Untersuchenden in falscher Sicherheit wiegen. Eine differenzierte Abklärung der Hämaturie, insbesondere nach schneinbar rezidivierenden Harnwegsinfektionen ist daher unerlässlich.

6 Diagnostik

Die Diagnostik setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die ergänzend zueinander sind:

Das Staging der Harnblasenkarzinome erfolgt nach der TNM-Klassifikation der Harnblasenkarzinome.

6.1 Differentialdiagnosen

Eine hämorrhagische Zystitis, Blasensteine, andere Tumoren mit Infiltration der Blasenwand und ein Morbus Crohn (Fistelbildung) sollten ausgeschlossen werden.

7 Therapie

Die Therapie des Harnblasenkarzinoms richtet sich nach dem Staging.

7.1 BCG-Instillation

Im Stadium des Carcinoma in situ (CIS) erfolgt primär eine BCG-Instillationstherapie der Harnblase mit attenuierten Mykobakterien (BCG). Nach 3-6 Monaten wird der Therapieerfolg via Biopsie kontrolliert. Bei Persistenz des Tumors kann eine erneute BCG-Instillation erfolgen. Sollte auch diese zu keiner Tumorfreiheit führen, wird nachfolgend eine radikale Zystektomie empfohlen.

7.2 Transurethrale Resektion

Tumoren, welche die Muskulatur der Blasenwand noch nicht infiltriert haben (pT1) können mit der transurethralen Elektroresektion (TUR) oder Laserkoagulation behandelt werden. Eine gründliche Resektion tief in die Blasenwand hinein ist zur Verödung dort verbliebener Tumorzellen sinvoll. Durch lokale Applikation von BCG und/oder Mitomycin kann die Rezidivquote gesenkt werden.

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass ein großer Teil (ca. 70%) der Harnblasenkarzinome multilokulär auftritt. Rezidive traten daher bei transurethraler Resektion in über 40 % der Fälle auf. Daher ist mit der transurethralen Resektion nur ein Teil der oberflächlichen Tumoren kontrollierbar. Zur Beurteilung der Ausbreitung sollten aus der Umgebung der Resektionszone Biopsien entnommen werden. Bei Verdacht auf inkomplette Resektion ist nach 1-4 Wochen eine Nachresektion durchzuführen.

7.3 Zystektomie

Bei fortgeschrittenen Befunden (> pT2) ist die transurethrale Resektion nicht ausreichend. In diesen Fällen ist zur kurativen Therapie eine radikale Zystektomie erforderlich. Im Anschluss an die Zystektomie muss eine geeignete Methode der dauerhaften Harnableitung (z.B. Ileum-Neoblase) gefunden werden.

7.4 Chemotherapie

Bei fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom wird vor oder nach der Zystektomie eine Polychemotherapie, z.B. nach dem MVAC-Schema, durchgeführt. Sie kann adjuvant oder neoadjuvant erfolgen.

7.5 Nachsorge

Wegen der Rezidivneigung sind bei behandelten Patienten regelmäßige (3-6-monatige) Kontrolluntersuchungen notwendig. Dabei kann bei Bedarf die komplette Diagnostik der Harnblasenkarzinome durchgeführt werden.

8 Quelle

  1. Genetics Home References, Eintrag Bladder cancer abgerufen am 10.6.2016

Fachgebiete: Onkologie, Urologie

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