Pollakisurie
von altgriechisch: πολλάκις ("pollakis") - häufig, oft; οὖρον ("ouron") - Harn
Synonym: Pollakiurie
Englisch: pollakiuria
Definition
Die Pollakisurie ist eine Form der Miktionsstörung. Sie zeichnet sich durch eine deutlich gesteigerte Frequenz der Blasenentleerung bei meist kleinen Harnmengen aus.
- ICD-10: F45.3
Abgrenzung
Die Pollakisurie ist von der Polyurie abzugrenzen, bei der die tägliche Urinausscheidung pathologisch erhöht ist (> 2.500 ml/24 h). Ein vermehrtes nächtliches Wasserlassen wird als Nykturie bezeichnet und kann isoliert oder zusammen mit einer Pollakisurie auftreten.
Hintergrund
Die psychogene Pollakisurie wird zu den somatoformen autonomen Funktionsstörungen gezählt.
Ursachen
Eine Pollakisurie tritt als Begleitsymptom zahlreicher urologischer und nephrologischer Erkrankungen auf. Häufige Ursachen sind:
- Harnwegsinfekte, z.B. Zystitis, Urethritis, Prostatitis
- Benigne Prostatahyperplasie mit subvesikaler Obstruktion und Restharnbildung
- Überaktive Blase bzw. Reizblase
- Blasentumoren
- Urolithiasis, insbesondere Blasensteine
- Interstitielle Zystitis
- neurogene Blasenfunktionsstörungen, z.B. bei Multipler Sklerose, Parkinson-Syndrom oder nach Schlaganfall
- Diabetes mellitus und Diabetes insipidus (meist mit begleitender Polyurie)
- gynäkologische Ursachen wie Descensus uteri, Zystozele oder Druck durch einen Uterus gravidus
- Einnahme von Diuretika
- psychogene Pollakisurie, z.B. durch Stress oder Angststörungen
Diagnostik
Im Rahmen der Abklärung sind folgende Maßnahmen relevant:
- Anamnese mit Miktionsprotokoll (Miktionsfrequenz, Einzelvolumina, Trinkmenge)
- Urinstatus und ggf. Urinkultur
- Sonografie von Harnblase, Prostata und Nieren einschließlich Restharnbestimmung
- bei V.a. funktionelle Störungen ergänzend urodynamische Untersuchung
- Zystoskopie bei unklarem Befund oder Verdacht auf Blasenpathologie
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Bei Harnwegsinfekten erfolgt eine gezielte Antibiotikatherapie, bei benigner Prostatahyperplasie werden u.a. Alphablocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer eingesetzt. Bei überaktiver Blase kommen Anticholinergika (z.B. Solifenacin, Trospiumchlorid) und Beta-3-Adrenozeptor-Agonisten (Mirabegron) sowie Verhaltenstherapie und Blasentraining infrage.