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Zytostatikum

(Weitergeleitet von Zytostatika)

von griechisch: cytos - Zelle und lateinisch: stare - stehen
Synonym: Zellgift
Englisch: cytotoxic drug, cytostatic drug

1 Definition

Ein Zytostatikum ist eine toxische, chemische Substanz, welche in der Medizin als Arzneistoff - vor allem im Rahmen der Chemotherapie von Krebserkrankungen eingesetzt wird. Ein Zytostatikum stört, verzögert oder verhindert den Zellzyklus und verhindert somit, dass Tumorzellen sich teilen und verbreiten.

2 Prinzip

Zytostatika wirken auf verschiedene Weise. Die meisten von ihnen bewirken DNA-Schäden bzw. Chromosomenaberrationen oder behindern die Ausbildung des sog. Spindelapparates. Alle gemeinsam führen dazu, dass die Zielzellen in ihrer Teilung gebremst oder ganz ausgeschaltet werden.

Zytostatika greifen an proliferierenden, d.h. sich schnell teilenden und wachsenden Zellen an. Da sich Tumorzellen im Gegensatz zu gesunden Zellen besonders schnell teilen, wirken Zytostatika teilweise selektiv auf Tumorzellen.

3 Einteilung

Zur Gruppe der Zytostatika zählt eine große Gruppe verschiedener Substanzen, die chemisch eine sehr unterschiedliche Struktur haben. In der Literatur finden sich z.T. widersprüchliche Einteilungen.

3.1 ...nach Phasenspezifität

Zytostatika lassen sich nach dem Zeitpunkt ihres Wirkens im Laufe des Zellzyklus in phasenspezifische und phasenunspezifische Wirkstoffe einteilen. Letztere werden auch als zyklusspezifisch bezeichnet und sind in allen Phasen des Zellzyklus wirksam. Entscheidend ist dabei die Konzentration, sodass sie meist intermittierend höherdosiert verabreicht werden. Phasenspezifische Zytostatika wirken nur in bestimmten Phasen des Zellzyklus (S-Phase oder M-Phase), wobei die Dauer der Therapie für ihre Wirkung entscheidend ist.

Phasenunspezifisch
S-Phase-spezifisch
M-Phase-spezifisch

3.2 ...nach Wirkmechanismus

3.2.1 Alkylantien

Zu den Alkylantien gehören u.a.:

Stickstofflost-Derivate
Nitrosoharnstoff-Verbindungen
Alkylsulfonate
Hydrazine
Platinderivate
Thiotepa

3.2.2 Antimetabolite

Folsäureantagonisten
Pyrimidinanaloga
Purinanaloga
Ribonukleotidreduktase-Hemmer

3.2.3 Mitosehemmstoffe

Vincaalkaloide
Taxane

3.2.4 Topoisomerasehemmer

Topoisomerase-I-Inhibitoren
Topoisomerase-II-Inhibitoren

3.2.5 Antibiotika

3.2.6 Weitere Zytostatika

4 Abgrenzung

Neben den klassischen Zytostatika existieren zielgerichtete Wirkstoffe, die ebenfalls wachstumshemmend auf Tumorzellen wirken. Sie adressieren nicht die Zellteilung bzw. die DNA, sondern Proteine, die für das Überleben der Tumorzelle notwendig sind. Ihre Nebenwirkungen unterscheiden sich von den klassischen Arzneistoffen.

5 Nebenwirkungen

Da Zytostatika auch auf schnell teilende, gesunde Körperzellen wirken, zählen zu den möglichen Nebenwirkungen u.a. Knochenmarksdepression, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen) und Haarausfall, die je nach Substanzklasse unterschiedlich ausgeprägt sein können. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die relative Stärke der Nebenwirkungen:

Knochenmark Magen-Darm-Trakt Haarausfall Sonstige
Alkylantien +++ ++ ++ Zystitis
Antimetabolite +++ ++ +
Mitosehemmstoffe ++ ++ ++ neurotoxisch
Platinverbindungen ++ + + nephrotoxisch
Topoisomerasehemmer +++ ++ ++
Antibiotika +++ ++ +++ kardiotoxisch

6 Emetogene Potenz

Viele Zytostatika lösen einen intensiven Brechreiz aus. Diese Fähigkeit bezeichnet man als emetogene Potenz.

Hoch emetogen (>90%)
  • Anthracyclin/Cyclophosphamid-Kombination
  • Carmustin
  • Cisplatin
  • Cyclophosphamid (≥ 1.500 mg/m²)
  • Dacarbazin
  • Streptozotocin
Moderat emetogen (30-90%) 
  • Azacitidin
  • Bendamustin
  • Carboplatin
  • Clofarabin
  • Cyclophosphamid (< 1.500 mg/m²)
  • Cytarabin (> 1.000 mg/m²)
  • Daunorubicin
  • Doxorubicin
  • Epirubicin
  • Idarubicin
  • Ifosfamid
  • Irinotecan
  • Oxaliplatin
  • Temozolomid
  • Thiotepa
Gering emetogen (10-30%)
  • Bortezomib
  • Cabazitaxel
  • Capecitabin
  • Cytarabin (≤ 1.000 mg/m²)
  • Docetaxel
  • Etoposid
  • 5-Fluorouracil
  • Gemcitabin
  • Methotrexat (i.v.)
  • Mitomycin
  • Mitoxantron
  • Paclitaxel
  • Pemetrexed
  • Topotecan
  • Vinflunin
Minimal emetogen (<10%)
  • Bleomycin
  • Busulfan
  • Chlorambucil
  • Cladribin
  • Fludarabin
  • Hydroxyharnstoff
  • Melphalan
  • Methotrexat (p.o.)
  • Thioguanin
  • Vinblastin
  • Vincristin
  • Vinorelbin

siehe auch: Zytostatika-induziertes Erbrechen

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Fachgebiete: Onkologie, Pharmakologie

Diese Seite wurde zuletzt am 20. April 2021 um 17:18 Uhr bearbeitet.

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