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Thioguanin

Handelsname: Lanvis®
Synonyme: 6-Thioguanin, Tioguanin, Tioguaninum
Englisch: tioguanine

1 Definition

Thioguanin, kurz 6-TG, ist ein zytostatisch wirkender Arzneistoff aus der Gruppe der Antimetabolite. Er wird zur Therapie von Leukämien eingesetzt.

2 Chemie

Thioguanin ist ein 6-Thiol-Analogon von Guanin. Die Summenformel lautet C5H5N5S, die molare Masse beträgt 167.2 g/mol.

3 Wirkmechanismus

Thioguanin ist ein Sulfhydrylanalogon der Purinbase Guanin und verhält sich wie ein Purinantimetabolit. Es wird zu seinem Nukleotid, der Thioguanylsäure, aktiviert. Die Thioguanin-Metaboliten hemmen de novo die Purinbiosynthese und Purinnukleotid- Interkonversionen. Ferner wird Thioguanin als 6-Thioguanosintriphosphat und als 6-Thio-2-desoxyguanosintriphosphat in Nucleinsäuren und in die DNA eingebaut. Daraus resultiert eine antiproliferative Wirkung auf die sich besonders rasch teilenden Tumorzellen.

4 Pharmakokinetik

Nach oraler Gabe beträgt die mittlere absolute Bioverfügbarkeit von Thioguanin 20 bis 30%. Nach oraler Gabe von 100 mg/m2 wurden maximale Plasmakonzentrationen nach 2 bis 4 Stunden in der Größenordnung von 0,03 bis 0,94 nmol/ml mittels HPLC gemessen. Die Plasmaspiegel werden durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme oder bei Auftreten von Erbrechen verringert.

5 Indikation

6 Darreichungsform

Thioguanin ist in Form von Tabletten erhältlich.

7 Dosierung

Die Gabe darf aufgrund der zytotoxischen Wirkung nur von einem in der Onkologie erfahrenen Arzt erfolgen. Die Tabletten müssen nüchtern und mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden. Die Dosierung richtet sich nach Art und Dosis der anderen Zytostatika, die im Rahmen der Kombinationstherapie im Rahmen des jeweiligen Behandlungsprotokolls verabreicht werden.

Achtung: Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion soll eine Dosisverringerung in Betracht gezogen werden.

7.1 AML

  • Induktionstherapie: Üblicherweise wird Thioguanin im Rahmen des sogenannten TAD-Schemas, bestehend aus Thioguanin, Ara-C (Cytarabin) und Daunorubicin, verabreicht. Die übliche Thioguanin-Dosis beträgt 100 mg/m2 alle 12 Stunden. Die Therapiedauer richtet sich nach dem jeweiligen Behandlungsprotokoll.
  • Konsolidierung: Üblicherweise wird Thioguanin erneut im Rahmen des TAD- Schemas verabreicht. Die optimale Zahl an Zyklen wurde noch nicht bestimmt.

7.2 ALL

  • Konsolidierung/Intensivierung: Üblicherweise beträgt die Dosierung 60 mg/m2/Tag, die Anzahl der Therapietage richtet sich nach dem jeweiligen Behandlungsprotokoll.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Nebenwirkungen

9 Kontraindikation

10 Hinweise

Bei Anwendung des Wirkstoffes sollten regelmäßige Kontrollen des Blutbildes, der Leberwerte und der Nierenwerte erfolgen. Bei ersten Anzeichen eines ungewöhnlich starken Abfalls der Leukozyten oder Thrombozyten sollte die Therapie umgehend unterbrochen werden. Eine Knochenmarkssuppression ist bei rechtzeitigem Absetzen reversibel.

Darüber hinaus reagieren Patienten mit einem Thiopurinmethyltransferase-Mangel (TPMT-Mangel) ungewöhnlich empfindlich auf die myelosuppressive Wirkung von Thioguanin. Bei Patienten mit Lesch-Nyhan-Syndrom (HGPRT-Mangel) kann es aufgrund geringerer Umwandlung in den aktiven Metaboliten hingegen zu einer Wirkungslosigkeit von Thioguanin kommen.

Da Thioguanin potentiell teratogen ist, müssen wie bei allen zytostatikahaltigen Chemotherapien entsprechende kontrazeptive Maßnahmen ergriffen werden, wenn einer der Partner Thioguanin erhält.

11 Literatur

  • Arzneimittel Fachinformation [1] abgerufen am 17.11.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 26. November 2020 um 18:38 Uhr bearbeitet.

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