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Cladribin

Handelsnamen: Litak®, Leustatin®, Movectro®
Synonyme: 2-Chlor-2′-desoxyadenosin, Cladribinium
Englisch: Cladribine

1 Definition

Cladribin ist ein Arzneistoff aus der Klasse der Nukleosidanaloga, der in der Onkologie als Zytostatikum zur Behandlung der Haarzellleukämie und der chronisch lymphatischen Leukämie (B-CLL) angewendet wird. Weitere Indikationen werden zur Zeit (2017) klinisch geprüft.

2 Chemie

Cladribin ist ein weißes, kristallartiges Pulver mit der Summenformel C10H12ClN5O3. Es ist sowohl in Wasser, als auch in Ethanol nahezu unlöslich.

3 Wirkmechanismus

3.1 Zytostatische Wirkung

Als chlorhaltiges Purinanalogon wirkt Cladribin durch Insertion in die DNA. Es wird anstelle des Nukleosids Desoxyadenosin eingebaut.

Der Wirkstoff wird mithilfe von Nukleosidtransportern in die Zelle eingeschleust und dort phosphoryliert. Durch den Einbau des veränderten Nukleosids enthalten die DNA-Stränge einen zwar passenden, aber dennoch fremden Baustein. Er führt zum Abbruch der Transkription, da die Polymerasen nicht mehr in der Lage sind, ihre Arbeit fortzuführen. Die Proteinbiosynthese wird unterbrochen, eine weitere Zellteilung unterbleibt. Die Folge ist die Apoptose der betroffenen Zelle.

3.2 Immunsuppressive Wirkung

Cladribin hemmt das Emzym Adenosin-Desaminase (ADA). Da ein ADA-Mangel zu einem Untergang bestimmter Lymphozyten führt, kann durch Cladribin eine Immunsuppression induziert werden. Sie soll bei der Multiplen Sklerose zu längeren schubfreien Intervallen führen. Allerdings wird dosisabhängig auch die normale Immunreaktion des Körpers unterdrückt.

4 Anwendung

In Deutschland und der Schweiz ist das Hauptanwendungsgebiet die Chemotherapie der Haarzellleukämie. Für die Zweitlinientherapie ist es in der Schweiz außerdem bei folgenden Krankheitsbilder zugelassen:

In der Testphase befindet sich derzeit der Einsatz von Cladribin als Therapeutikum bei weiteren Lymphom-Arten.

5 Anwendung gegen die Multiple Sklerose

In Russland und Australien erfolgte zunächst eine Zulassung von Cladribin als Medikament für die Behandlung von Multipler Sklerose. Es konnte eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs einer MS nachgewiesen werden. Durch die immunsuppressive Wirkung kam es jedoch auch zu einer höheren Anfälligkeit für bestimmte Virusinfektionen. Auch Malignome traten häufiger auf. Daher wurde der Zulassungsantrag in Europa für die MS-Therapie zurückgezogen. In Russland und Australien wurde Cladribin als MS-Medikament ebenfalls vom Markt genommen.

In 2016 wurde der Wirkstoff auf der Basis weiterer Ergebnisse klinischer Studien erneut bei der EMA zur Zulassung eingereicht.

6 Nebenwirkungen

7 Kontraindikationen

Cladribin ist teratogen und embryotoxisch. Es sollte daher nicht, bzw. nur nach gründlicher Nutzen-Risko-Abwägung in der Schwangerschaft verabreicht werden. Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist während der Therapie eine Kontrazeption empfehlenswert. Da Cladribin das Erbgut schädigen kann, sollten auch männliche Patienten während und sechs Monate nach der Therapie kein Kind zeugen. Weitere Kontraindikationen sind:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Akutstadium einer Infektionskrankheit

Ausreichende Erfahrungen zur Behandlung im Kindesalter liegen bisher nicht vor. Die Anwendung von Cladribin ist bei dieser Patientengruppe daher kontraindiziert.

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