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Verteilungsvolumen

Synonyme: Scheinbares Verteilungsvolumen, apparentes Verteilungsvolumen, Vd, VD
Englisch: volume of distribution

1 Definition

Das Verteilungsvolumen, kurz Vd, ist ein in der Pharmakokinetik gebräuchlicher Parameter. Er gibt Auskunft darüber, wie stark sich ein Arzneistoff aus dem Blut in andere Körperkompartimente bzw. Gewebe verteilt. Vd wird in Liter oder l/kgKG angegeben.

2 Nomenklatur

Die Größe des Verteilungsvolumens ist eine hypothetische Größe, da die tatsächlichen Größen der Verteilungsräume (Kompartimente) nicht bekannt sind. Daher ist die Bezeichnung Scheinbares Verteilungsvolumen treffender.

3 Pharmakologie

Das Verteilungsvolumen hat einen Einfluss auf die Aufsättigung, Verteilung und Elimination bzw. Clearance eines Arzneistoffs. Wenn das Verteilungsvolumen eines Arzneistoffs groß ist (z.B. Chloroquin), befindet sich nur ein kleiner Anteil des Wirkstoffs im Blut, der Rest in anderen Körperkompartimenten. Arzneistoffe, die länger im Blutplasma verbleiben (z.B. monoklonale Antikörper), haben hingegen ein kleines Verteilungsvolumen.

Bei lipophilen Wirkstoffen hat das Fettgewebe, bei hydrophilen Wirkstoffen der Wasseranteil des Körpers einen großen Einfluss auf das Verteilungsvolumen. Bei jüngeren Kindern müssen z.B. bei wasserlöslichen Medikamenten höhere Dosierungen pro kgKG verabreicht werden, da - im Vergleich zum Erwachsenen - ein größerer Anteil ihres Körpers aus Wasser besteht.

Weitere Parameter, welche das Verteilungsvolumen eines Wirkstoffs beeinflussen, sind seine Plasmaproteinbindung und sein Ionisationsgrad. Vereinfacht lässt sich sagen, dass lipohile Arzneistoffe mit geringer Plasmaproteinbindung und geringer Ionisation eine höheres Verteilungsvolumen haben als hydrophile, ionisierte Arzneistoffe mit hoher Plasmaproteinbindung.

Das Verteilungsvolumen ist bei manchen pathologischen Zuständen verändert. Bei Nieren- oder Leberversagen ist es erhöht, bei Dehydratation vermindert.

4 Einteilung

In der Pharmakologie unterscheidet man:

  • VC: Zentrales Verteilungsvolumen, in das sich ein Medikament nach Aufnahme im Körper schnell verteilt
  • VP: Peripheres Verteilungsvolumen
  • Vd(SS): Verteilungsvolumen im Steady State, das nach der Verteilung des Arzneistoffs im Körper eingenommen wird
  • VZ: Verteilungsvolumen in der terminalen Phase der Elimination

5 Beispiele

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über das Verteilungsvolumen gängiger Arzneistoffe:[1]

Vd [l/kgKG] Arzneistoffe
100 Chloroquin
10 – 100 Amilorid, Amiodaron, tri­zyklische Antidepressiva, SSRIs, Doxepin, Flunitrazepam, Itraconazol, Phenothiazine, Butyrophenone, Spironolacton, Tamoxifen
1 – 10 Carbamazepin, Clarithromycin, Clonidin, Codein, Ciclosporin, Diazepam, Digoxin, Diphenhydramin, Enalapril, Felodipin, Ketoconazol, Lorazepam, Methadon, Metoprolol, Midazolam, Morphin, Propranolol, Risperidon, Triazolam, Verapamil
0,5 – 1 Atenolol, Ciprofloxacin, Erythromycin, Fluconazol, Isoniazid, Nifedipin, Oxazepam, Phenobarbital, Phenytoin, Prednison, Sulpirid, Tacrolimus, Theophyllin
< 0,5 Acetylsalicylsäure, Aminoglycoside, Cephalosporine, Furosemid, Kumarine, Penicilline, Sulfonamide

6 Quellen

  1. Greiner C: Verteilungsvolumen: Wie sich Substanzen im Körper verteilen. Neurotransmitter 3 (2011)

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Januar 2022 um 15:31 Uhr bearbeitet.

Habe den Artikel mal überarbeitet und eine Übersicht ergänzt
#4 am 28.01.2022 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Ab wann ist ein Verteilungsvolumen hoch? Ich habe das zu Clonidin gerade nachgesehen und kann die Zahl nicht einordnen. Gibt es da eine Einteilung?
#3 am 28.01.2022 von Katja Adriany (Student/in der Humanmedizin)
Danke für die Ergänzung.
#2 am 14.01.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gemäß Wiki: Verteilungsvolumen ist das fiktive Volumen eines menschlichen oder tierischen Körpers, in das sich ein bestimmter Wirkstoff oder Arzneistoff verteilen müsste, um die beobachtete Konzentration im Blutplasma zu erklären. Das bedeutet: Ist das Verteilungsvolumen groß, so befindet sich nur ein kleiner Anteil des Wirkstoffs im Blut, der Rest in anderen Körperkompartimenten. Dies spricht bspw. für eine hohe Fettlöslichkeit des Wirkstoffes. Andersherum gesagt: Lipophile Wirkstoffe haben ein großes Verteilungsvolumen.
#1 am 05.01.2019 von Adrian Meyer (Student/in der Humanmedizin)

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