Tamoxifen
Handelsnamen: Ebefen®, Mandofen®, Nolvadex® u.a.
Synonym: (Z)-2-[4-(1,2-Diphenylbut-1-enyl)phenoxy]-N,N-dimethylethylamin
Definition
Tamoxifen ist ein Arzneistoff, der zu den selektiven Estrogenrezeptormodulatoren (SERM) gehört und vor allem zur Behandlung von Mammakarzinomen eingesetzt wird.
Chemie
Tamoxifen hat die Summenformel C26H29NO und eine molare Masse von 371,51 g·mol-1. Der Schmelzpunkt liegt bei 97 °C.
Wirkmechanismus
Tamoxifen blockiert die hormonbindenden Domänen beider zytoplasmatischer Östrogenrezeptoren (ERα und ERβ) über eine kompetitive Hemmung. Das führt zu einer Verringerung der Zellteilungsaktivität in östrogenabhängigen Geweben. Das Arzneimittel wirkt daher als Zytostatikum.
Pharmakokinetik
Das Prodrug Tamoxifen wird hauptsächlich durch CYP3A4 zu N-Desmethyl-Tamoxifen und anschließend durch CYP2D6 zu 4-Hydroxy-N-Desmethyl-Tamoxifen (Endoxifen) metabolisiert und dadurch aktiviert. Die Metabolite zeigen im Vergleich zu Tamoxifen eine erhöhte Affinität für Östrogenrezeptoren. Bei Vorliegen von Polymorphismen des CYP-2D6-Gens variiert daher das Ansprechen der Patienten auf eine Tamoxifen-Therapie. Patienten, die vermindert auf Tamoxifen ansprechen, bezeichnet man als Poor metabolizer (PM) und Intermediate metabolizer (IM).
Indikation
Tamoxifen wird vor allem bei hormonrezeptor-positiven Mammakarzinomen zur adjuvanten Therapie nach der Primärtherapie sowie zur Behandlung von metastasierenden Mammakarzinomen eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind:
- akute, reversible Gynäkomastie
- Retroperitonealfibrose (Morbus Ormond)
Darreichungsform
Tamoxifen wird in Form von Filmtabletten und Tabletten oral verabreicht.
Nebenwirkungen
Folgende Nebenwirkungen werden mit Tamoxifen in Verbindung gebracht:
- erhöhtes Thromboembolierisiko
- erhöhtes Risiko für Endometriumkarzinome
- Hitzewallungen
- vaginale Symptome
- Depressionen
- Gewichtszunahme
Selten kann es zu einer reversiblen Retinopathie oder einer Katarakt kommen.
Wechselwirkungen
- Hormonpräparate: Eine gegenseitige Wirkungsabschwächung ist möglich (z.B. orale Kontrazeptiva).
- Aromataseinhibitor Letrozol: Tamoxifen erniedrigt die Plasmakonzentrationen von Letrozol um ca. 37 Prozent.
- Thrombozytenaggregationshemmer: Es besteht Blutungsgefahr.
- Antikoagulantien vom Cumarintyp: Veränderung der Gerinnungsverhältnisse (Verlängerung der Prothrombinzeit)
- CYP3A4-Induktoren: Eine Reduktion des Tamoxifenplasmaspiegels ist möglich (z.B. Rifampicin).
- CYP2D6-Inhibitoren: Führt zur Reduzierung des Plasmaspiegels von Tamoxifen (z.B. Paroxetin, Fluoxetin, Chinidin, Cinacalcet, Bupropion)
Kontraindikation
Die Eingabe von Tamoxifen ist bei Kindern, während der Schwangerschaft und bei stillenden Müttern kontraindiziert.
Verordnungshinweis
Tamoxifen ist verschreibungspflichtig.
Quellen
- Regierer AC et al: Individualisierung der systemischen Therapie beim Mammakarzinom. In: Der Bayerische Internist 29 (2009). H.3, S.141-144.
- Shang Y: Molecular mechanisms of oestrogen and SERMs in endometrial carcinogenesis. Nat Rev Cancer. 2006 May;6(5):360-8.
- Shapiro CL, Recht A.: Side effects of adjuvant treatment of breast cancer. N Engl J Med. 2001 Jun 28;344(26)