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Gynäkomastie

Englisch: gynecomastia

1 Definition

Unter einer Gynäkomastie versteht man eine ein- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen, die vom Drüsenkörper ausgeht.

2 Einteilung

Man unterscheidet:

  • Echte Gynäkomastie: Vermehrung des Brustdrüsengewebes
  • Falsche Gynäkomastie: Einlagerung von Fettgewebe in den Drüsenkörper als Begleiterscheinung einer Adipositas. Sie wird auch als Adipomastie, Pseudogynäkomastie oder Lipomastie bezeichnet.

3 Ursachen

3.1 Physiologische Ursachen

Die Ursachen einer Gynäkomastie sind vielfältig. Physiologisch findet sich eine Gynäkomastie bei bis zu 90 % der Neugeborenen und bei 40-70 % der Personen während der Pubertät. Auch bei älteren Männern kommt eine Gynäkomastie häufig vor. Entsprechend differenziert man:

  • Neugeborenengynäkomastie: Eine passagere Gynäkomastie, die durch weibliche Geschlechtshormone der Mutter ausgelöst wird, die transplazentar auf das Neugeborene übertragen werden.
  • Pubertätsgynäkomastie: Sie entwickelt im Verlauf der Pubertät und bildet meist vollständig zurück. In einigen Fälle kann sie persistieren. Ursächlich ist eine vermehrte Expression des Insulin-like growth factor 1 (IGF-1) in Verbindung mit einem erhöhten Östrogen- und Testosteronspiegel.
  • Pseudogynäkomastie: Entsteht durch Fetteinlagerung in den Brustdrüsenkörper bei Adipositas ab einem Body-Mass-Index (BMI) von etwa 30.
  • Altersgynäkomastie: Sie ist durch den relativ höheren Fettgewebesanteil an der Gesamtkörpermasse älterer Menschen bedingt. Dadurch nimmt die Umwandlung von Androgenen in Östrogene zu, während die testikuläre Androgenproduktkion abnimmt.

3.2 Pathologische Ursachen

Als pathologische Ursachen kommen unter anderem in Frage:

Ursache Beispiele
Allgemeinerkrankungen
Kongenitale Erkrankungen
Maligne Erkrankungen
Endokrine Erkrankungen
Medikamente
Drogen
Weitere Ursachen

4 Pathogenese

Pathogenese Beispiele
Erhöhte Östrogenspiegel oder -wirkung (Hyperöstrogenismus)
Erniedrigte Androgenspiegel oder -wirkung (Hypogonadismus)
Multifaktoriell

5 Klassifikation

5.1 ...nach Hall

  • Grad I: klinisch nur palpatorisch feststellbare Vergrößerung des Drüsenkörpers
  • Grad II: inspektorisch feststellbare Vergrößerung
  • Grad III: entspricht weiblicher Brust

5.2 ...nach Tanner

  • B1: kein Drüsenkörper tastbar
  • B2: Warzenvorhof vergrößert, Drüse vorgewölbt
  • B3: Drüsenkörper größer als Warzenhof
  • B4: solider Drüsenkörper
  • B5: entspricht weiblicher Brust

6 Diagnostik

Zur Objektivierung einer Gynäkomastie gelten folgende Kriterien:[1]

  • horizontale Hautfalte unter Einschluss der Brustwarze von 2 cm (bei Adipositas 3 cm)
  • oder Durchmesser des Brustwarzenhofes > 3 cm.

6.1 Anamnese

  • Symptome, Beginn, Verlauf
  • Symptome eines Androgenmangels
  • Grunderkrankungen
  • Medikamente, Drogen

6.2 Körperliche Untersuchung

6.3 Labor

6.4 Bildgebung

6.5 Weitergehende Untersuchungen

7 Differenzialdiagnosen

Von der Gynäkomastie sind folgende Differenzialdiagnosen abzugrenzen, die meist einseitig lokalisiert sind:

8 Therapie

Bei einer Gynäkomastie sollten kausale Faktoren ausgeschaltet bzw. behandelt werden. Eine physiologische oder idiopathische Gynäkomastie kann aus kosmetischer Indikation oder bei Auftreten von Schmerzen therapiert werden. Im Falle einer Gynäkomastie während der Pubertät ist eine abwartende Beobachtung empfohlen, da mit einer spontanen Regression (auch Monate bis Jahre nach der Pubertät) zu rechnen ist.

8.1 Medikamentöse Therapie

In der Anfangsphase der Gynäkomastie (bis ca. 6 Monate) kann Tamoxifen (10-20 mg/d) verabreicht werden. Auch die Gabe von Clomiphen, Danazol, Aromatasehemmern (Testolacton, Anastrozol) sowie die lokale Applikation von Dihydrotestosteron ist möglich.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8.2 Operative Therapie

Besteht die Gynäkomastie bereits seit mehr als 6 Monaten, finden sich häufig fibrosierte Veränderungen, sodass lediglich eine chirurgische Korrektur möglich ist. Dabei existieren verschiedene operative Techniken (z.B. intraareolare oder submammäre Inzision, Entfernung des Drüsen- und Fettgewebes, Reduktionsplastik, zweizeitige Straffungsoperation).

9 Literatur

10 Quellen

  1. Seibel V et al. Die Inzidenz der Gynäkomastie bei dermatologischen Patienten, Hautarzt 1998; 49: 382-387.

Diese Seite wurde zuletzt am 21. Januar 2021 um 13:27 Uhr bearbeitet.

Warum kann eine Gynäkomastie sowohl beid- wie auch einseitig vorkommen? Es ist doch eigentlich ein systemisches Problem (Östrogenüberschuss, Androgenmangel, Medikamentenwirkung,...), sollte es also nicht generell immer beide Brustdrüsen betreffen?...
#1 am 13.03.2016 von Martin Josuweit (Heilpraktiker/in)

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