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Finasterid

Handelsnamen: Prosmin, Propecia, Crinormin, Alofın, Androfin, FinaHAIR, Finascar, Finural, Prezepa, Finasterax, Finastad, Finamed, Proscar
Synonyme: Finasteridum
Englisch: Finasteride

1 Definition

Finasterid ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der 5-Alpha-Reduktasehemmer zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH), sowie zur Therapie der androgenetischen Alopezie. Es fungiert als hochselektiver Hemmer des Enzyms Steroid-5α-Reduktase.

2 Chemie

Der Wirkstoff hat die chemische Summenformel

  • C23H36N2O2

und liegt bei Zimmertemperatur als weißes, kristallines Pulver vor. Nach der chemischen Nomenklatur nennt sich das Molekül N-tert-Butyl-3-oxo-4-aza- 5α-androst-1-en- 17β-carbamid. Der Schmelzpunkt von Finasterid liegt bei 252 – 255 °C. In Wasser, sowie den Alkoholen Methanol, Ethanol, 1-Propanol, sowie in Methylenchlorid ist die Substanz leicht löslich. In Salzsäure, Natronlauge und Propylenglycol ist es dagegen kaum zu lösen.

3 Wirkungsmechanismus

Finasterid ist ein Inhibitor der Steroid-5α-Reduktase und nimmt über diese Funktion Einfluss auf die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). DHT hat eine höhere Rezeptoraffinität und längere Verweildauer am Androgenrezeptor als Testosteron und besitzt damit eine stärkere androgene Wirkung. Es ist fünfmal potenter als Testosteron.

DHT greift wahrscheinlich in den Wachstumszyklus der Haare ein: Es hemmt den Übergang von telogener in anagene Phase und beschleunigt damit den Haarausfall. Da die Sensitivität der Haarfollikel gegenüber Androgenen auf der Kopfhaut unterschiedlich ausgeprägt ist, kommt es zum typischen Bild des Haarausfalls: im Scheitelbereich befinden sich vermehrt Androgen-sensitive und an den Kopfseiten und am Hinterkopf vermehrt Androgen-unsensitive Follikel. Über seine hemmende Wirkung auf die Steroid-5α-Reduktase reduziert Finasterid die Umwandlung des Testosterons in das fünfmal potentere DHT. Dadurch wirkt es der blockierenden Wirkung des DHTs auf den Wechsel der telogenen in die anagene Phase der Haarfollikel entgegen, was ein Fortschreiten des Haarverlustes verzögern kann.

Bei der BPH stimuliert DHT das Wachstum der Epithelzellen und trägt somit zur Vergrößerung des Prostatavolumens bei. Auch hier wirkt Finasterid über Inhibition der Steroid-5a-Reduktase und somit über Verhinderung der Umwandlung von Testosteron in das potentere DHT.

4 Anwendung

Verabreichung in Form von Tabletten.

  • 5 mg/Tag bei der BPH
  • 1 mg/Tag bei Haarausfall

5 Indikationen

  • benigne Prostatahyperplasie (BPH)
  • hormonell bedingter Haarausfall bzw. Wachstumsstop

6 Kontraindikationen

Streng kontraindiziert ist Finasterid während der Schwangerschaft, da es zu Entwicklungsstörungen der äußeren männlichen Geschlechtsorgane beim männlichen Fötus kommen kann. Selbst der geringste Kontakt einer schwangeren Frau mit dem Arzneimittel kann schon zu genannten Störungen führen. Ebenso sollte auf eine Einnahme verzichtet werden, wenn der Patient unter häufigem Harndrang leidet. Prinzipiell sollte Finasterid nicht von Personen unter 18 Jahren eingenommen werden, da hierzu keine Studien vorliegen.

7 Nebenwirkungen

In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017, in der 11.909 Behandlungsfälle aufgearbeitet wurden, entwickelten 1,4% der mit Finasterid behandelten Männer eine persistente erektile Dysfunktion (PED). Jüngere Männer, die länger als 205 Tage mit Finasterid behandelt wurden, hatten gegenüber kürzer behandelten Männern ein etwa 5fach erhöhtes Risiko für eine PED.[1]

8 Dopingmittel

Bis vor wenigen Jahren galt Finasterid als Dopingmittel. Das Medikament selber besitzt zwar keinerlei leistungssteigernden Effekt, jedoch konnten durch seine Wirkung keine anabolen Steroide nachgewiesen werden. Mittlerweile sind die Analyseverfahren so genau, dass dieser Effekt heute nicht mehr relevant ist.

9 Quellen

  1. Kiguradze T et al.: Persistent erectile dysfunction in men exposed to the 5α-reductase inhibitors, finasteride, or dutasteride, PeerJ March 9, 2017

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