Inhibitor
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von lateinisch: inhibere - anhalten, aufhalten
Synonyme: Blocker, Hemmer, Hemmstoff
Englisch: inhibitor
Definition
Ein Inhibitor bremst oder verhindert eine chemische oder biochemische Reaktion. Im hämostaseologischen Kontext bezeichnet ein Inhibitor einen Autoantikörper oder Alloantikörper gegen Gerinnungsfaktoren, auch als Hemmkörper bezeichnet (Hemmkörperhämophilie).
Einteilung und Wirkungsweisen
Inhibitoren lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. Die wichtigste Unterscheidung betrifft die Reversibilität der Hemmung:
Reversible Inhibitoren binden nicht kovalent an ihr Zielmolekül und können wieder dissoziieren. Sie umfassen:
- Kompetitive Inhibitoren konkurrieren mit dem Substrat um die Bindungsstelle am Enzym. Die Hemmung kann durch eine Erhöhung der Substratkonzentration überwunden werden.
- Nichtkompetitive Inhibitoren binden an eine andere Stelle als das Substrat und verändern die Konformation des Enzyms. Die maximale Reaktionsgeschwindigkeit wird herabgesetzt.
- Unkompetitive Inhibitoren binden nur an den Enzym-Substrat-Komplex und stabilisieren diesen. Dadurch wird die Produktbildung gehemmt.
- Gemischte Inhibitoren binden mit unterschiedlicher Affinität sowohl an das freie Enzym als auch an den Enzym-Substrat-Komplex. Die maximale Reaktionsgeschwindigkeit sinkt, während sich die Substrataffinität verändert.
- Allosterische Inhibitoren binden an eine regulatorische Stelle außerhalb des aktiven Zentrums und bewirken eine Konformationsänderung.
Irreversible Inhibitoren gehen eine kovalente Bindung mit dem Zielmolekül ein und inaktivieren es dauerhaft.
Neben Enzyminhibitoren gibt es Rezeptorantagonisten, die an Rezeptoren binden und deren Aktivierung verhindern, sowie andere Hemmstoffe wie Ionenkanalblocker oder Transporterinhibitoren.
Hämostaseologische Bedeutung
In der Hämostaseologie spielen Inhibitoren gegen Gerinnungsfaktoren eine wichtige klinische Rolle. Man unterscheidet:
- Alloantikörper können bei Patienten mit Hämophilie nach wiederholter Substitutionstherapie mit Faktor VIII oder Faktor IX entstehen. Etwa 20–30 % der Patienten mit schwerer Hämophilie A entwickeln solche Hemmkörper.
- Autoantikörper treten bei der erworbenen Hämophilie auf, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Das Immunsystem richtet sich dabei gegen körpereigene Gerinnungsfaktoren, meist Faktor VIII.
Der Nachweis erfolgt mittels Bethesda-Assay oder der modifizierten Nijmegen-Bethesda-Methode, die die Inhibitoraktivität in Bethesda-Einheiten quantifiziert. Klinisch führen Hemmkörper zu schwer beherrschbaren Blutungen, da die normale Substitutionstherapie unwirksam wird. Bei substitutionsbedingter Hemmkörperhämophilie können spezielle Bypass-Präparate oder eine Immuntoleranztherapie erforderlich sein. Bei erworbener Hämophilie erfolgt zusätzlich eine immunsuppressive Therapie.