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Mammographie

(Weitergeleitet von Mammografie)

von lateinisch: mamma - weibliche Brust; griechisch: graphein - zeichnen
Synonym: Röntgenmammographie
Englisch: mammography, mastography

1 Definition

Die Mammographie ist eine radiologische Untersuchung der weiblichen Brust üblicherweise in zwei Ebenen (meist senkrecht von oben und schräg seitlich). Die in Weichstrahlentechnik hergestellten Aufnahmen ermöglichen Rückschlüsse auf krankhafte Prozesse des Mammagewebes und werden üblicherweise durch sonographische und palpatorische Befunde ergänzt.

Zur weiteren radiologischen Abklärung dienen die Galaktographie oder die Mamma-Szintigraphie mit 131J-markiertem Albumin.

2 Indikation

Die Mammographie ist bei Verdacht auf krankhafte Prozesse im Bereich der Brust indiziert, die sich durch andere Verfahren nicht abklären lassen.

Außerhalb dieser Indikation wird die Mammographie als Screeninginstrument im Rahmen der Brustkrebsvorsorge angewendet. In Deutschland können GKV-versicherte Frauen zwischen 50 bis 69 Jahren alle 2 Jahre eine kostenlose Mammographie in Anspruch nehmen. Sie dient der Sekundärprävention.

Ziel des Screenings ist es, die Lebenserwartung und die Lebensqualität von den an Brustkrebs-erkrankten Patienten zu verbessern, indem Karzinome frühzeitig erkannt und dadurch mit möglichst geringer Belastung therapiert werden können.

Jüngeren Frauen bringt die Vorsorge-Mammografie nach derzeitigem Wissensstand keinen Vorteil, zumal die höhere Gewebedichte der Brüste jüngerer Frauen vermehrt zu falsch positiven Befunden führt. Außerdem kommt es durch wiederholte Mammographien zu einer additiven Strahlenbelastung, die selbst karzinogen wirkt. Bei jungen Frauen ist die Mammasonographie eine gut geeignete Alternative.

Auch im Rahmen der Nachsorge wird Brustkrebspatienten empfohlen jährlich eine Mammographie durchzuführen, um lokale und lokoregionäre Rezidive sowie Karzinome der kontralateralen Brust frühzeitig zu erkennen.

3 Aussagekraft

Die Mammographie ist das am besten validierte Verfahren zur Früherkennung von Mammakarzinomen bei asymptomatischen Frauen. Die Sensitivität liegt zwischen 77 und 95%, die Spezifität zwischen 96 und 96%.[1]

Die Rate an falsch-positiven Befunden liegt für Patientinnen, die regelmäßig am deutschen Screeningprogramm teilnehmen bei ca. 2,4%. [2] Im Falle eines auffälligen Befundes in der Mammographie, steht zumeist eine ergänzende Sonographie sowie eine Vakuum- oder eine Stanzbiopsie des Befundes an nächster Stelle, um den Befund histologisch abklären zulassen.

Es wird angenommen, dass 5% der später diagnostizierten Karzinome im Rahmen eines vorherigen Mammographiescreenings als falsch-negativ befundet wurden. [3] Durch eine hohe Dichte der Mamma können Karzinome verschleiert und somit nicht in der Mammographie erkannt werden. Weitere Gründe für falsch-negative Befunde sind Karzinome, die eine ähnliche Dichte wie das gesunde Drüsengewebe aufweisen oder mangelnde Erfahrung bzw. eine schlechte Befundung seitens des Untersuchers.

Zur Qualitätssicherung sollten speziell ausgebildete Radiologen sowie spezialisierte Pathologen für die Krebsvorsorge zuständig sein. Ärzte, die die strengen Kriterien der EuRef-Norm für Mammographieuntersuchungen erfüllen, bekommen dafür ein Zertifikat verliehen, das jährlich erneuert werden muss.

4 Befundung

Mammographie-Anleitung zur systematischen Befundung (Skript)

5 Risiken und Kritik

5.1 Strahlenexposition

Die Strahlenexposition, durch die ionisierende Strahlung der Mammographie resultiert, ist ein nennenswertes Risiko dieser Untersuchung. Jedoch ist das theoretische Risiko für strahleninduzierte Karzinome infolge einer Mammographie sehr gering. Jedoch ist das Risiko strahleninduzierte Karzinome für Frauen jüngeren Alters höher, als für ältere Frauen.

5.2 Psychische und physische Belastungen

Weitere wichtige Risiken der Mammographie sind die körperlichen und psychischen Belastungen, die aus einen suspekten Befund resultieren können. Um dem entgegenzuwirken, wird empfohlen vor der Untersuchung ein, an den Patienten orientiertes Aufklärungsgespräch durchzuführen und weitere diagnostische Abklärungen zeitnah (möglichst innerhalb einer Woche) anzuschließen.

5.3 Überdiagnosen

Überdiagnosen sind ein weiteres Problem der Mammographie. Durch die Untersuchung werden Karzinome diagnostiziert, die weniger bösartig sind und/oder einen langsamen Wachstum aufweisen. Kritiker der Mammographie argumentieren, dass Patientinnen dadurch eine Reihe an Untersuchungen und Therapien erhalten, die nicht nötig seien, da sie wahrscheinlich nie durch den Krebs Beschwerden erlitten hätten. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Patientinnen letztlich an einer anderen Ursache verstürben.

5.4 Falsch-positive Befunde

Kritik wird auch an den falsch-positiven Befunden ausgeübt. Patientinnen würden psychische Belastungen erleiden und zumeist wird zum Ausschluss eines bösartigen Tumors eine Biopsie durchgeführt, die weitere Risiken birgt. Laut der aktuellen S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Februar 2020), werden 2% der gescreenten Frauen pro Screeningrunde im Anschluss sonographisch untersucht. Auf 20 Jahre Screening hochgerechnet sind es 20% der gescreenten Patienten, bei denen aufgrund suspekter Befunde weitere Bildgebung durchgeführt wird. Histologische Abklärung ihrer Befunde erfahren 0,6% der Patientinnen pro Screeningrunde bzw. 6% innerhalb von 20 Jahren.

5.5 Mortalitätsreduktion

Ein weiterer Diskussionspunkt stellt die Mortalitätsreduktion dar. Die Mammographie galt lange Zeit als einzige Früherkennungsmethode des Brustkrebs, die die Brustkrebsmortaliät gesichert reduzieren kann.
Jedoch gelten diese Studien, die dies belegen, als veraltet und es gibt einige Reviews, die diese These widerlegen. Andere Reviews hingegen, wie zum Beispiel das Review der United States Preventive Task Force von 2016, halten dagegen. Dieses Review gibt an, dass die Mortalitätsreduktion sich auf 8-33% beläuft, jedoch abhängig vom Alter der Patientinnen ist. Patientinnen, die zwischen 39 bis 49 bzw 70 bis 74 Jahre alt sind, erfahren keine so signifikante Mortalitätsreduktion, wie die von Patientinnen zwischen 50 bis 69 Jahren. [4]
Die akutelle intedisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Stand 2020) wertet die Mortalitätsreduktion des Brustkrebs durch die Mammographie als gesichert.

6 Quellen

  1. Turnbull LW et al.: Comparative effectiveness of MRI in breast cancer (COMICE) trial: a randomised controlled trial. Lancet 375:563-571. DOI:10.1016/S0140- 6736(09)62070-5
  2. Kääb-Sanyal, V et al.: Mammografie-Screening-Programm: Hohe Prozessqualität. Dtsch Arztebl 2017; 114(14): A-680 / B-590 / C-576
  3. Heywang-Koebrunner S et al. (2013) Mammography Screening – as of 2013. Geburtshilfe Frauenheilkd 73:1007–1016. DOI: 10.1055/s-0033-1350880
  4. Nelsen HD et al. Effectiveness of Breast Cancer Screening: Systematic Review and Meta-analysis to Update the 2009 U.S. Preventive Services Task Force Recommendation. Ann Intern Med. 2009;151:716-26. DOI:10.7326/0003-4819-151-10-200911170-00008

7 Literatur

  • Jørgensen, Gøtzsche: Overdiagnosis in publicly organised mammography screening programmes: systematic review of incidence trends. In: BMJ 339, 2009, b2587
  • K. Kerlikowske: Breast cancer screening. In: Women and Health M. B. Goldmann, M. C. Hatch (Hrsg.), New York: Academic Press, 2000, S. 895–906.
  • E. A. Nekolla u. a.: Einführung eines Mammographiescreeningprogramms in Deutschland. Erwägungen zu Nutzen und Risiko. In: Radiologe 45, 2005, S. 245–254

Fachgebiete: Gynäkologie, Radiologie

Diese Seite wurde zuletzt am 18. November 2020 um 09:35 Uhr bearbeitet.

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