Procarbazin
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LoslegenHandelsname: Natulan®
Synonyme: Procarbazinium
Englisch: procarbazine
Definition
Procarbazin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Alkylanzien, der in der Onkologie als Chemotherapeutikum zur Behandlung verschiedener Malignome eingesetzt wird. Es handelt sich um ein Prodrug, d.h. erst nach Aufnahme in den Organismus erfolgt die Metabolisierung in die therapeutisch wirksame Substanz.
Chemie
Procarbazin ist ein Hydrazin-Derivat mit einer N-Methylhydrazin-Gruppe. Der chemische Name lautet N-Isopropyl-4-[(2-methylhydrazino)methyl]benzamid. Das Molekül besitzt einen Benzolring mit einer N-Isopropylcarboxamid-Gruppe und einer dazu in para-Stellung angeordneten Methylhydrazinomethyl-Gruppe. Die Summenformel der freien Base ist C12H19N3O. Die molare Masse beträgt 221,30 g/mol.[1]
Pharmazeutisch wird Procarbazin als Hydrochlorid eingesetzt. Es liegt als weißes bis schwach gelbliches kristallines Pulver vor, das in Wasser gut, in Ethanol nur wenig löslich ist. Das Hydrochlorid schmilzt bei etwa 223 °C unter Zersetzung.[2]
Wirkmechanismus
Procarbazin wird durch oxidative Metabolisierung über Azoprocarbazin zu zytotoxischen Metaboliten aktiviert, darunter Methylazoxy- und Benzylazoxyverbindungen. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt.
Die aktiven Metaboliten schädigen die DNA durch Alkylierung, insbesondere durch Übertragung von Methylgruppen. Dabei entstehen DNA-Läsionen und Einzelstrangbrüche, welche die DNA-Replikation beeinträchtigen. Darüber hinaus hemmt Procarbazin die RNA- und Proteinsynthese. Die Schäden hemmen die Zellproliferation und führen zur Apoptose.[3]
Zusätzlich wirkt Procarbazin als schwacher Hemmer der Monoaminooxidase (MAO). Diese Wirkung ist insbesondere für Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen und tyraminreichen Lebensmitteln relevant.[3]
Pharmakokinetik
Als Prodrug erfolgt nach oraler Aufnahme eine Metabolisierung zu Azoprocarbazin. Diese findet in der Leber und in den Erythrozyten statt.
Indikationen
Procarbazin wird im Rahmen von Kombinationschemotherapien wie dem COPP-Schema, dem BEACOPP-Schema oder dem LCV-Schema eingesetzt. In Deutschland ist es für folgende Anwendungsgebiete zugelassen:
- Hodgkin-Lymphom bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis 18 Jahren, in Kombination mit anderen Zytostatika nach einem geeigneten Therapieprotokoll
- anaplastische oligodendrogliale Tumoren bei Erwachsenen, in Kombination mit Lomustin und Vincristin zusätzlich zur Radiotherapie im Rahmen der Primärtherapie.[4]
Darreichungsformen
Die Verabreichung erfolgt in Form von Hartkapseln
Nebenwirkungen
Quellen
- ↑ PubChem. Procarbazine, CID 4915. Abgerufen am 13.10.2026.
- ↑ Ministry of Health, Labour and Welfare. The Japanese Pharmacopoeia, 18th Edition: Procarbazine Hydrochloride. 2021; S. 1586.
- ↑ 3,0 3,1 Leadiant. Fachinformation Natulan. Stand November 2024, Abschnitt 5.1.
- ↑ Leadiant. Fachinformation Natulan. Stand November 2024, Abschnitt 4.1.