Mitotan
Handelsname: Lysodren®
Synonyme: Choditane
Englisch: Mitotane, o"p"-DDD
Definition
Mitotan ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der Zytostatika und Adrenostatika und für die Behandlung von Tumorerkrankungen geeignet. Dabei ist seine Wirkung auf sich schnell teilende Zellen im Bereich der Nebennierenrinde (NNR) beschränkt. Mitotan wird sowohl in der Humanmedizin beim nicht operablen Nebennierenkarzinom, als auch in der Veterinärmedizin zur Therapie des Cushing-Syndroms eingesetzt.
Chemie
Die Summenformel von Mitotan lautet C14H10Cl4. Die chemischen Bezeichnungen für Mitotan sind:
- (RS)-1,1-Dichlor- 2-(2-chlorphenyl)- 2-(4-chlorphenyl)ethan
- (RS)-2-(o-Chlorphenyl)- 2-(p-chlorphenyl)- 1,1-dichlorethan
Es handelt sich dabei um einen weißen, in Ethanol, Isooktan und Tetrachlormethan löslichen Feststoff. Der Schmelzpunkt von Mitotan liegt bei etwa 75–78 °C.
Wirkmechanismus
Der genaue Wirkmechanismus von Mitotan ist bis heute nicht vollständig geklärt (2026). Mitotan wirkt selektiv adrenolytisch bzw. zytotoxisch auf die Nebennierenrinde und führt zu einer ausgeprägten, oft lang anhaltenden Schädigung mit Atrophie, insbesondere der Zona fasciculata und reticularis. Als wichtiger molekularer Angriffspunkt gilt die Sterol-O-Acyltransferase 1 (SOAT1); ihre Hemmung stört die Cholesterinesterifizierung und trägt wahrscheinlich über Lipidakkumulation und Zellstress zur Zellschädigung und verminderten Steroidbildung bei. Darüber hinaus beeinträchtigt Mitotan die mitochondriale Funktion und hemmt mehrere an der adrenokortikalen Steroidbiosynthese beteiligte Enzyme, darunter CYP11A1 und CYP11B1; auch Effekte auf CYP11B2 werden beschrieben.
Indikation
... in der Humanmedizin
Mitotan ist in der Humanmedizin als Orphan-Arzneimittel zur symptomatischen Therapie des bereits metastasierenden, rezidivierenden, inoperablen und bereits weit fortgeschrittenen Nebennierenrindenkarzinoms zugelassen.
... in der Veterinärmedizin
In Bereich der Veterinärmedizin wurde Mitotan als Mittel zur Behandlung des primären (adrenokortikalen) oder sekundären (hypophysären) Cushing-Syndroms eingesetzt. Seit 2000 wurde es mittlerweile fast vollständig durch das kürzer wirksame Trilostan verdrängt; ein Einsatz erfolgt heute nur noch in Einzelfällen (Off-Label-Use des humanmedizinischen Produkts).
Vorsichtsmaßnahmen
Durch seine stark zytotoxische Wirkung sind bei der Anwendung von Mitotan Handschuhe zu tragen. Behandelte Tiere sollten von Schwangeren ferngehalten werden.