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Medikamenteninduzierter Lupus erythematodes

Synonyme: Pseudo-Lupus-erythematodes-Syndrom, Arzneimittelinduzierter SLE
Englisch: drug induced lupus erythematosus (DIL, DILE)

1 Definition

Als Medikamenteninduzierter Lupus erythematodes, kurz DIL, bezeichnet man eine Autoimmunerkrankung, die von bestimmten Medikamenten ausgelöst werden kann und sich nach Absetzen des Präparates zurückbildet.

2 Einteilung

Ähnlich wie beim idiopathischen Lupus erythematodes kann der DIL in folgende Formen unterteilt werden:

  • systemischer DIL (medikamenteninduzierter SLE)
  • subakut-kutaner DIL (medikamenteninduzierter SCLE)
  • chronischer-kutaner DIL (medikamenteninduzierter CCLE)

3 Epidemiologie

Der DRL tritt geschlechtsunabhängig, vor allem im höheren Lebensalter auf. Eine erhöhte Inzidenz besteht bei Patienten mit HLA-DR4 und Langsam-Acetylierern.

4 Ätiopathogenese

Viele verschiedene Medikamente, die in der Leber durch N-Acetylierung metabolisiert werden, können einen DIL verursachen. Dabei handelt es sich um eine idiosynkratische Reaktion, die meist erst Monate oder Jahre nach Medikamentenexposition entsteht und sich innerhalb von Wochen nach Absetzen zurückbildet.

Die genaue Pathogenese für die Entstehung des DIL ist ungeklärt. Die verursachenden Medikamente haben keine bestimmte pharmakologische Eigenschaft oder chemische Struktur gemeinsam, die man dafür verantwortlich machen könnte. Zu den wichtigsten Medikamenten zählen:[1]

hohes Risiko mäßiges Risiko geringes Risiko sehr geringes Risiko
Antiarrhythmika Procainamid (15-20%) Chinidin Disopyramid, Propafenon
Antihypertensiva Hydralazin (7-13 %) Methyldopa, Captopril, Acebutolol Clonidin, Enalapril, Labetalol, Minoxidil, Pindolol, Prazosin
Antipsychotika   Chlorpromazin Chlorprothixen, Lithium, Phenelzin
Antibiotika Isoniazid, Minocyclin Nitrofurantoin, Cefepim
Antikonvulsiva Carbamazepin Ethosuximid, Phenytoin, Primidon, Trimethadion
Thyreostatika Propylthiouracil
Entzündungshemmer D-Penicillamin, Sulfasalazin Phenylbutazon, NSAR
Diuretika Chlortalidon, Hydrochlorothiazid
Statine Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin
Protonenpumpenhemmer Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol
Chemotherapeutika   Taxane, Cyclophosphamid, Doxorubicin, 5-Fluoruracil, Anastrozol, Bortezomib
Gerinnungshemmer   Ticlopidin
Biologika Etanercept, Infliximab, Adalimumab, Interferon-alpha, Interferon beta-1b

5 Systemischer DIL

5.1 Auslöser

Bisher stehen über 80 Präparate in Zusammenhang mit dem systemischen DIL. Zu den wichtigsten auslösenden Medikamente gehören u.a.:

  • Hydralazin
  • Procainamid
  • Isoniazid
  • Methyldopa
  • Chinidin
  • Minocyclin
  • Chlorpromazin
  • Sulfadiazin

5.2 Klinik

Der systemische DIL ähnelt gewöhnlich einer milderen Form des systemischen Lupus erythematodes (SLE). Er ist gekennzeichnet durch Arthralgie, Myalgie, Fieber, Pleuritis und Perikarditis. Das zentrale Nervensystem und die Nieren sind i.d.R. nicht betroffen. Eine Hautbeteiligung ist weniger häufig und schwer im Vergleich zum SLE und äußert sich z.B. durch Photosensitivität, Purpura und Erythema nodosum. Weiterhin kann eine Urtikaria-Vaskulitis, eine Livedo reticularis sowie Ulzera auftreten.

5.3 Labor

Typische Laborbefunde umfassen:

6 Subakut-kutaner DIL

6.1 Auslöser

Der subakut-kutane DIL tritt meist nach Einnahme von folgenden Medikamenten auf:

6.2 Klinik

Der subakut-kutane DIL ist die häufigste Form des DIL und ähnelt klinisch, histopathologisch und immunologisch dem idiopathischen subakut kutanen Lupus erythematodes (SCLE). Leitsymptom sind symmetrische, nicht vernarbende, ringförmige, polyzyklische oder papulosquamöse Herde an lichtexponierten Stellen.

Beim medikamenteninduzierten SCLE finden sich mehr begrenzte Hautläsionen, die Beine sind eher betroffen und zeigen vaskulitische Hautläsionen. Weiterhin sind Schmetterlingserythem, bullöse Läsionen und Erythema multiforme-ähnliche Veränderungen häufiger anzutreffen. Eine systemische Beteiligung ist sehr selten.

6.3 Labor

Typische Laborbefunde sind:

7 Chronisch-kutaner DIL

Der chronisch-kutane DIL kommt selten vor und ist meist auf 5-Fluoruracil und NSAR zurückzuführen. Einige Fälle durch Pantoprazol und TNF-Hemmer sind beschrieben. Die Patienten zeigen diskoide Hautläsionen in lichtempfindlichen Bereichen.

Beim Lupus erythematodes tumidus (LET) handelt es sich um eine seltene Sonderform mit einzelnen, z.T. multiplen erythematösen, verhärtenden, urtikariellen Plaques mit glatter, nicht schuppender Oberfläche. Seltene Fälle sind medikamenteninduziert, z.B. nach Einnahme von TNF-Hemmern (Infliximab, Adalimumab), ACE-Hemmern oder Bortezomib.

8 Differenzialdiagnostik

Differenzialdiagnostisch muss insbesondere ein idiopathischer SLE abgegrenzt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bestimmte Medikamente auch bei einem zugrundeliegendem SLE die Symptome verschlechtern können, jedoch meist mit nur kurzer Latenzzeit. Weiterhin persistieren bzw. rezidivieren die Symptome nach Absetzen des Präparats.

9 Therapie

Bei Patienten mit stärkeren Beschwerden sollten die entsprechenden Medikamente, insofern diese als Auslöser identifizierbar sind, abgesetzt werden. In schweren bzw. refraktären Fällen sind systemische Glukokortikoide zu erwägen. Einige Patienten benötigen außerdem eine immunsuppressive Therapie (z.B. mit Azathioprin, Cyclophosphamid, Methotrexat oder Mycophenolat).

Bei DIL unter TNF-Hemmer-Therapie muss das Medikament nicht abgesetzt werden, wenn das klinische Erscheinungsbild gering ausgeprägt ist und gut toleriert wird.

10 Prognose

Die Prognose ist gut. Wenn das entsprechende DIL-verursachende Medikament erkannt und abgesetzt wird, kommt es rasch zu einem vollständigen Rückgang der Symptome.

11 Quellen

  1. Vedove CD et al. Drug-induced lupus erythematosus with emphasis on skin manifestations and the role of anti-TNFα agents, J Dtsch Dermatol Ges. 2012 Dec; 10(12): 889–897, abgerufen am 26.08.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 27. August 2020 um 12:58 Uhr bearbeitet.

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