Labetalol
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LoslegenHandelsname: Trandate®
Englisch: labetalol
Definition
Labetalol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antihypertensiva, der als Alpha- und Betablocker wirkt. Er wird zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, von hypertensiven Krisen und von Hypertonie in der Schwangerschaft eingesetzt. Der Arzneistoff ist derzeit (2026) in Deutschland nicht verfügbar.
Chemie
Labetalol hat die Summenformel C19H24N2O3 und eine molare Masse von 328,4 g/mol. Das Molekül enthält zwei Stereozentren und liegt daher als Gemisch von vier Stereoisomeren vor, die sich in ihrer Rezeptoraffinität unterscheiden. Pharmazeutisch wird Labetalol-Hydrochlorid eingesetzt.
Wirkmechanismus
Labetalol wirkt als kompetitiver Antagonist an Beta-Adrenozeptoren (β1 und β2, unselektiv) sowie an postsynaptischen, selektiv blockierten α1-Adrenozeptoren. An den β2-Rezeptoren besitzt es eine geringe intrinsische sympathomimetische Aktivität (partiell agonistische Wirkung). Das Blockadeverhältnis β:α beträgt bei oraler Gabe etwa 3:1, bei intravenöser Gabe etwa 7:1.
Die Blutdrucksenkung beruht vor allem auf der α1-vermittelten Vasodilatation mit Senkung des peripheren Widerstands. Die β-Blockade dämpft die reflektorische Tachykardie, sodass Herzfrequenz und Herzzeitvolumen nur gering abfallen.
Pharmakokinetik
Nach oraler Gabe wird Labetalol rasch resorbiert (Tmax ca. 1–2 h). Die Bioverfügbarkeit ist wegen eines ausgeprägten First-Pass-Effekts variabel. Die Plasmaproteinbindung liegt bei etwa 50 %. Der Wirkstoff tritt in die Plazenta und in geringem Umfang in die Muttermilch über. Die Metabolisierung erfolgt hepatisch, überwiegend durch Glucuronidierung, ohne aktive Metabolite. Die Metabolite werden renal (ca. 55–60 %) und fäkal ausgeschieden. Die Halbwertszeit beträgt oral etwa 6–8 h, intravenös etwa 3–4 h.
Indikationen
Die Anwendungsgebiete umfassen:
- Essenzielle und sekundäre Hypertonie
- Hypertensiver Notfall (i.v.)
- Hypertonie in der Schwangerschaft, u.a. bei Präeklampsie
- Perioperative Hypertonie
Darreichungsformen
Labetalol ist als Filmtablette zur oralen Anwendung sowie als Injektionslösung zur intravenösen Anwendung verfügbar.
Dosierung
Die orale Therapie beginnt mit 100 mg 2-mal pro Tag und wird im Abstand von 2–3 Tagen gesteigert. Die Erhaltungsdosis liegt meist bei 200–800 mg/Tag, verteilt auf 2–3 Einzeldosen.
Intravenös werden 50 mg langsam über mindestens 1 min in liegender Position verabreicht. Bei Bedarf kann die Gabe nach 5 min wiederholt werden.[1] Die Gesamtdosis darf 200 mg nicht überschreiten.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Schwangerschaft und Stillzeit
Labetalol wird neben Urapidil, Methyldopa und Nifedipin als Antihypertensivum zur Akut- und Langzeittherapie bei hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft empfohlen.[2] Beim Neugeborenen sind Bradykardie und Hypoglykämie möglich. In der Stillzeit geht nur wenig Wirkstoff in die Muttermilch über, sodass die Anwendung als vertretbar gilt.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Herz-Kreislauf: Orthostatische Hypotonie, Bradykardie, selten Verschlechterung einer Herzinsuffizienz
- Respiratorisch: Bronchospasmus
- Neurologisch: Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit
- Gastrointestinal: Übelkeit
- Hepatisch: Anstieg der Leberenzyme, selten Leberfunktionsstörung bis Leberschädigung
- Sonstige: verstopfte Nase, Erektile Dysfunktion, Raynaud-Symptomatik
Kontraindikationen
Labetalol ist in folgenden Situationen kontraindiziert:
- Asthma bronchiale und andere obstruktive Atemwegserkrankungen
- AV-Block II° und III°, Sinusknotensyndrom (ohne Herzschrittmacher)
- Kardiogener Schock, dekompensierte Herzinsuffizienz
- Ausgeprägte Bradykardie und Hypotonie
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Wechselwirkungen
Andere Antihypertensiva und Diuretika verstärken die Blutdrucksenkung, ebenso Anästhetika (additiver Effekt). In Kombination mit Verapamil oder Diltiazem drohen Bradykardie und AV-Überleitungsstörungen. Bei gleichzeitiger Gabe von Antidiabetika oder Insulin können Hypoglykämiezeichen (Tachykardie, Tremor) maskiert werden, während NSAR die blutdrucksenkende Wirkung abschwächen können.
Zulassung
In Deutschland ist der Wirkstoff nicht im Handel. Erhältlich ist Labetalol u.a. in Österreich und der Schweiz.
Quellen
- ↑ BASG: Fachinformation Trandate 100 mg-Ampullen, Stand Februar 2026, abgerufen am 11.10.2026
- ↑ AWMF - S2k-Leitlinie: Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES), AWMF-Registernummer 015/018, Version 7.0, Stand 2024