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Präeklampsie

Synonym: Spätgestose, Schwangerschaftsvergiftung
Englisch: preeclampsia

1 Definition

Als Präeklampsie bezeichnet man das Auftreten einer Hypertonie und Proteinurie in der Schwangerschaft. Die Präeklampsie ist eine Vorstufe der Eklampsie und muss deshalb so früh wie möglich erkannt werden.

ICD10-Code: O14

2 Symptomatik

Die Kardinalsymptome der Präeklampsie sind:

  • Hypertonie (> 140/90 mmHg bzw. Anstieg um 30 mmHg systolisch und 15 mmHg diastolisch)
  • Proteinurie (> 0,3 g/d im 24-Stunden-Sammelurin)

Neben dem Begriff der Präeklampsie besteht auch die nach neuen Klassifikationen veraltete Krankheitsbezeichnung einer EPH-Gestose, die zusätzlich die Ödembildung als Symptom führt.

2.1 Weitere Organbeteiligung

Die Präeklampsie ist ein komplexer pathophysiologischer Prozess, bei dem im Grunde alle Organsysteme der Mutter betroffen sein können.

Die Nieren sind durch eine Abnahme der GFR um bis zu 50% des Ausgangswertes betroffen, was sich durch eine Oligurie äußern kann. Als wichtiger Verlaufsparameter zur Beurteilung der Nierenbeteiligung dient die Serumkonzentration der Harnsäure. Ein übermäßiger Anstieg (> 6 mg/dl) ist ein ungünstiges Zeichen. Die Retentionswerte verbleiben meistens im Referenzbereich.

In einem Teil der Fälle kommt es zur Beteiligung der Leber und zur Ausbildung von Gerinnungsstörungen. Mögliche Veränderungen sind eine Hämolyse, Erhöhung der Transaminasen, Thrombozytopenie und Verbrauchskoagulopathie mit Hypofibrinogenämie und Erhöhung der D-Dimere. Ein Teil dieser Komplikationen ist unter dem Begriff des HELLP-Syndroms (Hemolysis, Elevated Liver Enzymes, Low Platelets) zusammengefasst.

Mögliche fetale Komplikationen der Präeklampsie umfassen Wachstumsstörungen, eine vorzeitige Plazentalösung und im schlimmsten Fall den Tod des Ungeborenen.

Die Präeklampsie kann unvermittelt in eine Eklampsie mit maternalen Krampfanfällen übergehen. Bei einer Eklampsie ist die kindliche und mütterliche Prognose nochmals erheblich verschlechtert.

3 Diagnostik

3.1 PIGF und sFlT-1

Bei Frauen mit Präeklampsie finden sich veränderte Serumspiegel für PlGF, den "placental growth factor", und sFlt-1 (soluble fms-like tyrosine kinase-1), auch VEGF-Rezeptor-1 genannt. Darüber hinaus kann durch den Nachweis der PlGF- und sFlt-1-Konzentrationen im Blut eine normale Schwangerschaft von einer mit Präeklampsie einhergehenden Schwangerschaft noch vor dem Auftreten der klinischen Symptome eingegrenzt werden.

In einer normalen Schwangerschaft steigt der pro-angiogenetische Faktor PlGF während der ersten beiden Trimester an und fällt gegen Ende der Schwangerschaft ab. Im Gegensatz dazu bleibt der anti-angiogenetische Faktor sFlt-1 während des frühen und mittleren Stadiums der Schwangerschaft gleich. Danach steiget er bis zum Ende der Schwangerschaft ständig an.

Bei Frauen, die eine Präeklampsie entwickeln, konnten höhere sFlt-1-Konzentrationen und niedrigere PlGF-Konzentrationen festgestellt werden, als bei normal verlaufenden Schwangerschaften. Dabei ist der sFlt-1/PlGF-Quotient ein besserer Prädiktor für Präeklampsie als die jeweilige Bestimmung der Biomarker für sich alleine.

4 Therapie

Bei einer Eklampsie in der Spätschwangerschaft ist eine Entbindung angezeigt. Diese kann durch Weheninduktion als normale Geburt oder durch Kaiserschnitt erfolgen.

Tritt eine Präeklampsie vor der 32. SSW auf, kann nach Krankenhausaufnahme eine Blutdruckeinstellung (Betablocker, Alpha-Methyldopa) angestrebt werden. Eine sorgfältige Flüssigkeitsbilanzierung ist zur Verhinderung eines Lungenödems unerlässlich. Eine fetale Lungenreifungstherapie mit Glukokortikoiden (induziert Surfactantbildung) sollte zwischenzeitlich ebenfalls erfolgen. Eine Prophylaxe von Krampfanfällen kann durch die intravenöse Gabe von Magnesiumsulfat unter engmaschigen klinischen Kontrollen (Muskeleigenreflexe, Atemfrequenz) und Serumspiegelbestimmungen erfolgen.

Bei Auftreten jeglicher Komplikationen ist jedoch auch in diesen Fällen eine Entbindung zu befürworten. Durch Fortschritte in der Neonatologie hat sich die Prognose bei Frühgeburten erheblich verbessert.

Fachgebiete: Geburtshilfe

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