Dihydralazin
Handelsname: Nepresol®
Synonyme: Dihydralazinum u.a.
Englisch: dihydralazine
Definition
Dihydralazin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antihypertensiva und kommt zur Senkung bzw. Regulierung des Blutdrucks zum Einsatz.
Wirkmechanismus
Die Wirkung des Arzneistoffs beruht darauf, dass Dihydralazin die Gefäßmuskulatur relaxiert, was zur Gefäßerweiterung und damit zur Senkung des peripheren Widerstands führt. Der genaue pharmakologische Mechanismus auf molekularer Ebene ist bisher (2026) noch nicht vollständig aufgeklärt.
Pharmakokinetik
Dihydralazin weist eine Bioverfügbarkeit von 30 bis 50 % auf. Die Substanz unterliegt einem hohen First-Pass-Effekt in der Leber. Die Metabolisierung erfolgt hepatisch durch Acetylierung des Wirkstoffs. Die Plasmahalbwertszeit beträgt vier bis fünf Stunden. Der Arzneistoff wird überwiegend renal eliminiert.
Indikationen
Der Arzneistoff ist im Rahmen der Therapie der arteriellen Hypertonie indiziert.
Dihydralazin kann auch in der Schwangerschaft angewendet werden, da es die Plazenta- und Uterusperfusion bei sachgerechter Anwendung nicht negativ beeinflusst.
Zur Akuttherapie bei schwerer Hypertonie in der Schwangerschaft stehen in Deutschland Urapidil, Nifedipin und Dihydralazin zur Verfügung. Dihydralazin verursacht jedoch gegenüber Urapidil signifikant häufiger maternale Nebenwirkungen (z.B. starke Kopfschmerzen, Reflextachykardie), was die Abgrenzung gegenüber einer Progredienz der Präeklampsie erschweren kann. Es sollte daher nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.[1]
In der Langzeitbehandlung der Hypertonie bei schwangeren Frauen spielt Dihydralazin keine Rolle mehr, stattdessen wird α-Methyldopa oder retardiertes Nifedipin verwendet.[1]
Darreichungsformen
Das Arzneimittel wird in Form von Tabletten oder als Lösung appliziert.
Nebenwirkungen
- Überempfindlichkeit
- Schwindel, Hypotonie, Reflextachykardie, Kopfschmerzen
- allergische Hautreaktionen: Juckreiz, Hautrötung, Hautausschlag, Urtikaria
- Störungen des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Obstipation
- Ödeme
- Angstzustände, Depressionen, Missempfindungen
- Dihydralazinhepatitis
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff bzw. Hydralazin
- Herzklappenstenosen
- Hypertrophe Kardiomyopathie
- durch pulmonale Hypertonie bedingte Rechtsherzinsuffizienz
- Lupus erythematodes
- Aortenaneurysma
- Schwangerschaft im 1. Trimenon (unzureichende Datenlage)
Stillen ist nur als relative Kontraindikation zu werten, da bei gestillten Säuglingen in der Regel keine Auffälligkeiten auftreten. Es besteht jedoch die Möglichkeit einer Hypotension beim Säugling.
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen, abgerufen am 17.02.2026