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Fibrinogen

Synonyme: Plasma-Fibrinogen, Faktor I, Gerinnungsfaktor I
Englisch: fibrinogen, factor I

1 Definition

Fibrinogen ist ein Glykoprotein, das in der Leber produziert wird. Es spielt eine zentrale Rolle in der Blutgerinnung.

Fibrinogen ist außerdem ein Blutprodukt, das zur Gerinnungssubstitution verwendet werden kann (Fibrinogen-Konzentrat).

2 Biochemie

Fibrinogen ist ein Proteinkomplex in Form eines Hexamers, das aus je zwei α-, β- und γ-Untereinheiten besteht. Das Molekulargewicht beträgt ca. 340 kDa. Die Untereinheiten sind über Disulfidbrücken miteinander verbunden. Der N-Terminus aller Untereinheiten bildet das Zentrum des Komplexes, die so genannte E-Domäne, von der die einzelnen Monomere als Coiled-Coil-Struktur wegführen. Die C-Termini an der Außenseite werden D-Domäne genannt. Die vereinfachte Schreibweise lautet "D-coil-E-coil-D".

Fibrinogen kann Heteropolymere mit Fibronectin bilden.

3 Physiologie

Pro Tag werden in der Leber ca. 1,5 bis 5 g Fibrinogen synthetisiert. Die Halbwertszeit beträgt 3-5 Tage.

Fibrinogen wird unter dem Einfluß von Thrombin proteolytisch gespalten und damit zu Fibrin umgewandelt. Hierbei werden von den α-Ketten zwei Fibrinopeptid-A-Fragmente und von den β-Ketten zwei Fibrinopeptid-B-Fragmente abgespalten.

Aus den Fibrinfäden und den zellulären Elementen des Blutes bildet sich ein Thrombus (Blutpfropf). Hierbei lageren sich die Fibrin-Monomere zunächst zum löslichen Fibrin S (S = soluble) zusammen, durch Einwirkung des Faktor XIII wird dieses zu Fibrin I (I = insoluble) quervernetzt.

4 Messmethode

Die Fibrinogen-Konzentration im Plasma kann auf unterschiedliche Weise bestimmt werden. Am meisten verbreitet ist die Methode nach CLAUSS. Hierbei wird das Patientenplasma verdünnt und mit Thrombin im Überschuß zur Gerinnung gebracht. Die Gerinnungszeit ist umgekehrt proportional zur Fibrinogenkonzentration. Das Reagenz enthält einen Heparin-Inhibitor, so dass auch unter Heparintherapie korrekte Werte erzielt werden.

Außerdem kann Fibrinogen mittels Immunassay bestimmt werden.

5 Präanalytik

Fibrinogen ist im Vergleich zu anderen Gerinnungsfaktoren relativ stabil; bei Raumtemperatur ca. 8 Stunden, gekühlt mehrere Tage.

6 Referenzbereich

Der Normalwert von Fibrinogen im Plasma liegt zwischen 200-400 mg/dl. Fibrinogen ist ein Akute-Phase-Protein und kann dann sehr viel höhere Werte erreichen.

Aufgrund genetischer Polymorphismen treten beim Fibrinogenspiegel individuell unterschiedliche Werte auf.

7 Klinik

Bei Fibrinogenkonzentrationen unter 100 mg/dl ist von einem erhöhten Blutungsrisiko auszugehen. Bei Operationen oder schweren Traumen werden deutlich höhere Fibrinogenkonzentrationen angestrebt.

Dysfibrinogenämien sind seltene, angeborene Varianten des Fibrinogens. Abhängig von der jeweiligen Mutation können sowohl eine Blutungsneigung als auch ein erhöhtes Thromboserisiko resultieren.

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