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Fieber

(Weitergeleitet von Fieberschub)

Lateinisch: febris
Synonym: Pyrexie
Englisch: fever

1 Definition

Unter Fieber, auch Pyrexie genannt, versteht man eine Erhöhung der Körperkerntemperatur über die normalen täglichen Variationen hinaus aufgrund einer Erhöhung des hypothalamischen Sollwerts. Die genaue Grenztemperatur variiert in der Literatur. Das Gegenstück zum Fieber ist die Anapyrexie.

2 Referenzbereich

Gesunde, 18 bis 40 Jahre alte Personen zeigen eine mittlere oral gemessene Temperatur von 36,4 - 37,2 °C. Dabei ist die orale Temperatur um 6 Uhr morgens niedriger (maximal 37,2 °C), zwischen 16 und 18 Uhr höher (maximal 37,7 °C). Diese Werte definieren das 99-%-Perzentil für gesunde Personen. Entsprechend bedeutet eine morgendliche oral gemessene Temperatur über 37,2 °C oder eine nachmittägliche Temperatur über 37,7 °C Fieber.

Die normale zikardiane Temperaturschwankung beträgt typischerweise 0,5 °C, jedoch ist zu beachten, dass diese Variationsbreite bei der Genesung von febrilen Erkrankungen auch über 1,0 °C betragen kann. Bei Frauen ist die morgendliche Temperatur in den 2 Wochen vor Ovulation niedriger, um dann um ca. 0,6 °C anzusteigen.

Weiterhin ist die Definition des Fiebers abhängig vom Messort. Die oral gemessene Temperatur liegt meist 0,4 °C unter der rektal gemessenen, vermutlich aufgrund der Mundatmung. Die axilläre Messung liefert in der Regel sogar 0,5 - 1,0 °C niedrigere Werte als die rektale Messung. Eine tympanische Messung erfordert eine anschließende Korrektur mittels Normogramm. Die tympanische Temperatur ist im Vergleich zur rektalen Temperatur um 0,8 °C niedriger. Die untere Ösophagustemperatur stimmt ziemlich genau mit der Kerntemperatur überein.

Zuletzt ist zu berücksichtigen, dass Neugeborene, ältere Patienten, Personen mit chronischer Leber- oder Niereninsuffizienz sowie Patienten mit Einnahme von Glukokortikoiden oder anderen antipyretischen Medikamenten eine abgeschwächte Fieberreaktion aufweisen können. Bei Patienten mit einer Neutropenie wird eine Körpertemperatur > 38,0 °C als Fieber bezeichnet.

Weiterhin findet neben den oben erwähnten Temperaturen weitere Definitionen, u.a.:

  • rektale Körpertemperatur über 37 °C, 38 °C oder > 38,3 °C
  • sublinguale Körpertemperatur > 37,5 °C
  • axilläre Körpertemperatur > 37,7 °C

2.1 Subfebrile Temperatur

Der Begriff der subfebrilen Temperatur wird ebenfalls unterschiedlich definiert. Während einige Autoren bereits ab einer Körpertemperatur von über 37 °C von subfebril sprechen, wird zu Teil auch der Bereich von 38 bis 38,5 °C als subfebril bezeichnet.

2.2 Hyperpyrexie

Ab einer Temperatur von 41,5 °C spricht man von einer Hyperpyrexie. Dieses besonders hohe Fieber kann zwar bei schwersten Infektionen auftreten, findet sich jedoch am häufigsten bei Blutungen im zentralen Nervensystem.

3 Ursachen

Fieber ist ein Allgemeinsymptom, das eine Vielzahl verschiedener Ursachen haben kann. Die wichtigsten Auslöser von Fieber sind:

Grundsätzlich sollte ein artifizielles Fieber erwogen werden. Dieses künstlich vom Patienten herbeigeführte Fieber entsteht z.B. durch die intravenöse Injektion von kontaminiertem Wasser. Aber auch eine Manipulation am Thermometer bei bestehender Normothermie ist denkbar.

Eine Erhöhung der Körpertemperatur, deren Ursache nicht bekannt ist, bezeichnet man häufig als Fieber unklarer Genese (FUO). Jedoch sollte dieser Begriff nur bei Vorliegen von klar definierten Kriterien verwendet werden.

siehe Hauptartikel: Fieber unklarer Genese

4 Physiologie

Der Hypothalamus, vor allem die [[Regio praeoptica], reguliert die Körperkerntemperatur. Diese Nervenzellregion erhält afferente Signale von Thermorezeptoren der Haut und ist zusätzlich in der Lage, die Körperkerntemperatur selbst zu messen. Auf der Basis dieser Informationen wird der Sollwert in zwei verschiedene Richtungen gesteuert:

Substanzen, die Fieber hervorrufen, werden als Pyrogene bezeichnet. Exogene Pyrogene sind mikrobielle Toxine, Stoffwechselprodukte oder die Mikroorganismen selbst. Klassisches Beispiel ist das Lipopolysaccharid-Endotoxin von gramnegativen Bakterien. Auch die Superantigene von grampositiven Organismen (z.B. Enterotoxine von Staphylococcus aureus wie Toxic-Shock-Syndrome-Toxin) wirken pyrogen.

Als endogene Pyrogene wirken die Zytokine Interleukin-1 (IL-1), IL-6, TNF und CNTF. Die Synthese und Ausschüttung der Zytokine wird durch mikrobielle Erreger aber auch durch Entzündungen (z.B. Perikarditis) und andere Stresssitautionen (z.B. Trauma, Schlaganfall) ausgelöst. Sie werden insbesondere von Monozyten und Makrophagen sowie von Endothelzellen sezerniert.

Die Pyrogene bewirken im hypothalamischen Endothel und in der Peripherie eine vermehrte Bildung von Prostaglandin E2 (PGE2). Das periphere PGE2 ist für Myalgie und Arthralgie verantwortlich, die häufig das Fieber begleiten. Das zerebrale PGE2 bindet es an den EP3-Rezeptor auf benachbarte Gliazellen, die daraufhin cAMP ausschütten. Dieser Transmitter führt zur Erhöhung des thermoregulatorischen Stellwerts.

Zu starke Temperaturanstiege werden durch antiinflammatorische Moleküle sowie durch Stimulierung wärmesensitiver Neurone vermieden.

Fieber ist ein Teil der unspezifischen Immunantwort, da die Aktivität vieler Immunzellen (z.B. Granulozyten, Makrophagen oder Lymphozyten) in einem Temperaturbereich zwischen 38 und 41 °C gesteigert ist. Des Weiteren wird das Wachstum vieler Erreger gehemmt. Sehr höhe Temperaturen von über 41 °C können jedoch zur Denaturierung von Proteinen sowie zu Störungen der Blutgerinnung und von Enzymfunktionen führen.

5 Hyperthermie

Als Hyperthermie versteht man einen unkontrollierten Anstieg der Körpertemperatur ohne bzw. gegen die Steuerung der hypothalamischen Zentrums. Die Patienten mit Hyperthermie sprechen nicht auf Antipyretika an und die Haut ist typischerweise trocken und heiß.

Typische Ursachen sind:

6 Fieberformen

Man unterscheidet je nach Verlauf verschiedene Fieberformen, die zwar mit bestimmten Krankheiten assoziiert sind, jedoch keinen genauen Rückschluss auf die zugrundeliegende Ursache erlauben.

Je nach Tagesschwankung und Temperaturbereich unterscheidet man zwischen:

Anhand des langfristischen Verlaufs differenziert man zwischen:

7 Messung

Die Messung der Körpertemperatur (Fiebermessung) mit Hilfe eines Thermometers kann - abhängig vom verwendeten Gerät - an verschiedenen Orten erfolgen:

Weiterhin existieren invasive Messmethoden, z.B. durch eine Sonde im Ösophagus, durch einen Pulmonaliskatheter oder durch einen Blasenkatheter.

Bei der Beurteilung der Messergebnisse ist zu beachten, dass diese Körperstellen verschiedene Normaltemperaturbereiche besitzen. Zur Überwachung des Temperaturverlaufs sollte immer an derselben Stelle gemessen werden.

Anmerkung: Eine Temperaturdifferenz von mehr als 1,0 °C zwischen der axillären und der rektalen Messung kann ein Indiz für das Vorliegen einer Appendizitis sein.

8 Therapie

Fieber ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Die Therapie des Fiebers richtet sich daher primär gegen die auslösende Ursache, d.h. die Grunderkrankung.

Die symptomatische Behandlung des Fiebers, die Fiebersenkung, umfasst unter anderem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die medikamentöse Gabe von Antipyretika und wärmeableitende Maßnahmen (z.B. Wadenwickel, Ganzkörperwaschung). Als Antipyretika wirken Paracetamol, NSAR, Coxibe sowie Glukokortikoide.

Bevor Maßnahmen zur Fiebersenkung eingeleitet werden, sollte bedacht werden, dass Fieber Teil der physiologischen Immunantwort ist. Eine grundsätzliche medikamentöse Senkung des Fiebers kann sich ggf. negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken, jedoch finden sich hierzu in der Literatur widersprüchliche Aussagen. Weiterhin gilt es zu beachten, dass die Vermeidung einer antipyretischen Therapie die Beurteilung der Wirksamkeit einer Antiobiotikatherapie unterstützen kann.

Eine antipyretische Therapie ist zwingend indiziert bei Hyperpyrexie sowie bei besonderen Patientengruppen. Fieber erhöht den Sauerstoffbedarf und kann dann beispielsweise kardiale Insuffizienzen verstärken. Des Weiteren wird eine Antipyrese bei Kindern mit Fieberkrampf empfohlen, wobei die genaue Pathogenese hierbei ungeklärt ist.

9 Weblinks

10 Literatur

  • Suttorp N, Möckel M, Siegmund B et al., Hrsg. Harrisons Innere Medizin. 20. Auflage. Berlin: ABW Wissenschaftsverlag; 2019.

Diese Seite wurde zuletzt am 3. Juli 2020 um 15:29 Uhr bearbeitet.

Zungenbelag hat verschiedene Ursachen. Er kann bei Fieber auftreten, muss aber nicht. Siehe Artikel "Zungenbelag"
#4 am 30.07.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Ich hätte da eine Frage, warum bekommt man bei Fieber einen weißen Zungenbelag?
#3 am 29.07.2018 von Gast (Gesundheits- und Krankenpfleger/in)
Habe ich ergänzt. Danke für den Hinweis!
#2 am 11.06.2013 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Die Einteilungsgrade von Fieber scheinen mir sehr eng gewählt. Die Bezeichnung "Fieber" zieht natürlich auch immer therapeutische Konsequenzen nach sich; zu enge Einteilungsgrade bedeuten immer auch: erhöhtes Risiko für Übertherapie. Aus diesem Grund schlage ich vor die Definition nach dem Handbuich "Internistische Therapie", Wolff-Weihrauch vorzunehmen: subfebril < 38,5, febril >38,5. Damit ist das Risiko, individuelle Schwankungen bei der aktivitätsbezogenen Körpertemperatur irrtümlich zu therapieren, sicher sehr gering. Mit besten Grüßen Heiko Laufenberg
#1 am 14.03.2013 von Heiko Laufenberg (Arzt | Ärztin)

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