Physiologie
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Loslegenvon altgriechisch: φύσις ("physis") - Natur
Englisch: physiology
Definition
Die Physiologie ist eine Wissenschaft, die sich mit den natürlichen Lebensvorgängen und den normalen biochemischen und biophysikalischen Funktionen des Organismus beschäftigt.
Abgrenzung
Die Physiologie hat starke Überschneidungen mit anderen Wissenschaften, u.a. mit der Biochemie, Biophysik und Biologie. Krankhafte Veränderungen der Körperfunktionen sind Gegenstand der Pathophysiologie.
Bedeutung
Die Physiologie ist gemeinsam mit Anatomie und Biochemie eine zentrale Säule der vorklinischen Ausbildung. Das Verständnis physiologischer Abläufe ist die Voraussetzung für das Verständnis von Krankheiten, diagnostischen Verfahren und therapeutischen Maßnahmen.
Geschichte
Die Physiologie entwickelte sich aus der Anatomie und der Naturphilosophie. Erste Anfänge reichen bis in die Antike zurück. Hippokrates von Kos erklärte Körperfunktionen im Rahmen der Humoralpathologie. Aristoteles untersuchte vergleichend zahlreiche Tiere und beschrieb viele physiologische Vorgänge. Erasistratos von Keos untersuchte experimentell das kardiovaskuläre System. Er erkannte die Herzklappenfunktion und entwickelte frühe Vorstellungen über den Kreislauf und das Nervensystem. Galen war der einflussreichste Physiologe der Antike. Durch Tierexperimente beschrieb er die Funktionen von Nerven, Rückenmark, Herz und Atmung.
In der Neuzeit stellte die Beschreibung des Blutkreislaufs durch William Harvey (1578–1657) im Jahr 1628 einen Meilenstein dar. Albrecht von Haller (1708–1777), Claude Bernard (1813–1878) und Carl Ludwig (1816–1895) gelten als Begründer der experimentellen Physiologie.
Teilgebiete
Wichtige Teilgebiete der Physiologie sind u.a.:
- Atmungsphysiologie
- Elektrophysiologie
- Endokrinologie bzw. Endokrinphysiologie
- Entwicklungsphysiologie
- Gastrointestinalphysiologie
- Herz-Kreislauf-Physiologie
- Membran- bzw. Transportphysiologie
- Molekulare Physiologie
- Muskelphysiologie
- Neurophysiologie
- Nierenphysiologie
- Reproduktionsphysiologie
- Sinnesphysiologie
- Sportphysiologie (Leistungsphysiologie)
- Stoffwechselphysiologie
- Vegetative Physiologie
- Zellphysiologie
Forschungsmethoden
Die Physiologie untersucht Körperfunktionen mit experimentellen und beobachtenden Methoden auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene. Zu den wichtigsten Verfahren zählen elektrophysiologische Messungen, bildgebende Verfahren, biochemische und molekularbiologische Analysen sowie tierexperimentelle und klinische Untersuchungen. Ergänzend gewinnen computergestützte Simulationen und systembiologische Ansätze zunehmend an Bedeutung. Sie erleichtern die Analyse und Vorhersage komplexer physiologischer Prozesse.
Weiterbildung
Nach einem abgeschlossenen Medizinstudium ist in Deutschland eine Weiterbildung zum Facharzt für Physiologie möglich. Die Weiterbildungszeit beträgt 4 Jahre. Auf die Weiterbildung kann ein Jahr in einem anderen medizinischen Fachgebiet angerechnet werden.
Auszeichnungen
Als eine der renommiertesten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Physiologie wird seit 1901 jährlich von der Nobelversammlung des Karolinska-Instituts der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen.