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Hämophagozytische Lymphohistiozytose

Synonyme: Makrophagen-Aktivierungsssyndrom (MAS), hämophagozytierendes Syndrom
Englisch: h(a)emophagocytic lymphohistiocytosis (HLH), h(a)emophagocytic syndrome

1 Definition

Die hämophagozytische Lymphohistiozytose, kurz HLH, ist eine lebensbedrohliche Funktionsstörung des Immunsystems, die mit Hyperinflammation, Zytokinsturm und unkontrollierter Aktivierung von Lymphozyten und Makrophagen einhergeht.

2 Ätiopathogenese

Man unterscheidet eine angeborene, primäre Form und eine erworbene, sekundäre Form der HLH.

2.1 Primäre Form

Die primäre Form der hämophagozytischen Lymphohistiozytose wird auch als familiäre hämophagozytische Lymphohistiozytose (FHL) bezeichnet. Sie ist durch Loss-of-Function-Mutationen in den Genen bedingt, welche die Aktivität von zytotoxischen T-Zellen und NK-Zellen steuern. Betroffen sind u.a. die Gene UNC13D, STX11, HPLH1, STXBP2 und PRF1. Man unterscheidet mehrere Subformen (FHL1-FHL5).

2.2 Sekundäre Form

Die Pathogenese der sekundären HLH ist nicht vollständig geklärt. Sie kann in der Folge von Krankheiten auftreten, bei denen das Immunsystem betroffen ist, z.B. bei Infekten (EBV), malignen Erkrankungen (u.a. B-Zell-Lymphom, ALL, AML und myelodysplastisches Syndrom) sowie Autoimmunerkrankungen (SLE, RA, Still-Syndrom).

Darüber hinaus kann eine HLH iatrogen ausgelöst werden, zum Beispiel durch Organ- oder Stammzelltransplantationen, Chemotherapeutika oder Immunsuppressiva.

Pathogenetischer Schlüsselmechanismus ist eine gesteigerte Aktivität von CD8-positiven T-Lymphozyten und Makrophagen. Sie führt zu einer überschießenden Ausschüttung von Zytokinen (Interferone, TNF-α), die wiederum eine Phagozytose der eigenen Immunzellen durch die Makrophagen in Gang setzt ("Hämophagozytose").

3 Klinik

Die Erkrankung führt zu hohem Fieber (> 38,5°C), das akut auftritt und über mehrere Tage anhält. Es geht mit einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustands einher. Typische Symptome sind:

Komplikationen im weiteren Verlauf sind unter anderem Krampfanfälle, Meningismus, Hirnnervenausfälle und Bewusstseinstrübung. Sie betreffen vor allem Kinder.

4 Diagnostik

Im Serum zeigen sich eine Leukopenie, eine Thrombozytopenie sowie eine Anämie. Weiterhin können Hypoproteinämie und Hyponatriämie bestehen. CRP, ESR, Ferritin, Transaminasen, Bilirubin und Triglyceride sind erhöht. Die Konzentration an Fibrinogen ist reduziert, die PTT verlängert.

Eine Knochenmarkpunktion mit Nachweis der Hämophagozytose sichert die Diagnose.

5 Therapie

Bei der hereditären Form kommt zur Zeit (2019) nur eine Stammzelltransplantation oder eine Behandlung mit dem monoklonalen IFN-γ-Antikörper Emapalumab als Therapie in Frage.

Bei sekundären Formen steht - wenn möglich - die Therapie der auslösenden Grunderkrankung im Vordergrund. Symptomatisch wird durch eine Immunsuppression mit hochdosierten Glukokortikoiden ud Etoposid behandelt, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Ciclosporin A.

Im Unterschied zur Sepsis spricht die HLH nicht auf eine antibiotische Therapie an.

6 Prognose

Die Krankheit weist eine hohe Letalität von etwa 50% auf. Patienten mit einer malignen Grunderkrankung haben die schlechteste Prognose.

Fachgebiete: Kinderheilkunde

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