Arzneipflanzen
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Synonyme: Heilpflanzen, medizinisch verwendete Pflanzen
Englisch: medicinal plants
Definition
Arzneipflanzen sind Pflanzen, deren Bestandteile bzw. daraus gewonnene Zubereitungen aufgrund ihrer pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffe zu medizinischen Zwecken verwendet werden. Sie können unmittelbar als pflanzliche Droge, als Ausgangsmaterial für Extrakte oder zur Herstellung von Phytopharmaka dienen.
Der Begriff überschneidet sich mit dem Begriff Heilpflanze. Im pharmazeutischen Kontext steht bei Arzneipflanzen insbesondere die definierte medizinische Verwendung sowie die Qualität und Verarbeitung des eingesetzten Pflanzenmaterials im Vordergrund.
Terminologie
Bei der medizinischen Verwendung von Pflanzen sind mehrere Begriffe voneinander abzugrenzen:
- Arzneipflanze: Pflanze, die Ausgangsmaterial für eine medizinisch verwendete pflanzliche Substanz oder Zubereitung liefert.
- Arzneidroge: meist getrockneter, definierter Pflanzenteil bzw. eine definierte pflanzliche Substanz.
- Pflanzliche Zubereitung: durch Verfahren wie Extraktion, Destillation, Pressung oder Fraktionierung aus einer pflanzlichen Droge hergestellte Zubereitung.
- Phytopharmakon: Arzneimittel, dessen wirksame Bestandteile ausschließlich pflanzlichen Ursprungs sind.
- Phytotherapie: medizinische Verwendung von Arzneipflanzen, pflanzlichen Drogen und daraus hergestellten Zubereitungen.
Die pharmakologische Wirkung einer Arzneipflanze lässt sich nicht ohne Weiteres auf jede daraus hergestellte Zubereitung übertragen. Art des verwendeten Pflanzenteils, Extraktionsverfahren, Extraktionsmittel, Drogen-Extrakt-Verhältnis und Standardisierung können die Zusammensetzung eines Präparats wesentlich beeinflussen.[1]
Von der Pflanze zum Arzneimittel
Zwischen einer Arzneipflanze und einem standardisierten pflanzlichen Arzneimittel liegen mehrere Verarbeitungsschritte.
Typischerweise umfasst der Herstellungsprozess:
- botanische Identifizierung und Kultivierung bzw. Sammlung
- Auswahl des verwendeten Pflanzenteils
- Ernte und Aufbereitung
- Trocknung bzw. Gewinnung der Arzneidroge
- Herstellung einer pflanzlichen Zubereitung, z.B. eines Extrakts
- Qualitätsprüfung und ggf. Standardisierung
- Herstellung einer geeigneten Darreichungsform
Die Qualität pflanzlicher Arzneimittel hängt unter anderem von der eindeutigen botanischen Identität, dem verwendeten Pflanzenteil, Anbau- und Erntebedingungen sowie der Verarbeitung ab. Eine standardisierte Zubereitung ermöglicht eine besser reproduzierbare Zusammensetzung als die unspezifische Verwendung einer Pflanze.
Verwendete Pflanzenteile
Je nach Arzneipflanze können unterschiedliche Pflanzenteile als Arzneidroge verwendet werden.
| Lateinische Bezeichnung | Pflanzenteil | Beispiel |
|---|---|---|
| Flos | Blüte | Kamillenblüten |
| Folium | Blatt | Pfefferminzenblätter |
| Herba | Kraut bzw. oberirdische Pflanzenteile | Thymiankraut |
| Fructus | Frucht | Fenchelfrüchte |
| Semen | Samen | Flohsamen |
| Radix | Wurzel | Baldrianwurzel, Süßholzwurzel |
| Rhizoma | Rhizom | Ingwerrhizom |
| Cortex | Rinde | Zimtrinde |
Bei einer Pflanze können verschiedene Pflanzenteile deutlich unterschiedliche Inhaltsstoffprofile besitzen. Daher ist die verwendete Droge für die medizinische und pharmakologische Einordnung von zentraler Bedeutung.
Inhaltsstoffe
Arzneipflanzen können eine Vielzahl pharmakologisch aktiver Inhaltsstoffe enthalten. Häufig handelt es sich nicht um einen einzelnen Wirkstoff, sondern um komplexe Stoffgemische.
Wichtige Inhaltsstoffgruppen sind:
- ätherische Öle
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Saponine
- Alkaloide
- Anthranoide
- Schleimstoffe
- Bitterstoffe
- Terpene und Terpenoide
- Phenole und Polyphenole
- Glykoside
- Herzglykoside
Einzelne Inhaltsstoffe können als Leitsubstanzen zur Charakterisierung bzw. Standardisierung einer pflanzlichen Zubereitung dienen. Leitsubstanzen müssen nicht zwingend allein für die klinische Wirkung verantwortlich sein.
Darreichungsformen
Arzneipflanzen bzw. pflanzliche Drogen werden in unterschiedlichen Formen angewendet, beispielsweise als:
- Tee bzw. Infus
- Dekokt
- Tinktur
- Flüssigextrakt
- Trockenextrakt
- ätherisches Öl
- Kapsel
- Tablette
- Tropfen
- Salbe oder Creme
- Gel
Die pharmakologische und klinische Bewertung sollte sich möglichst auf die jeweils untersuchte bzw. zugelassene Zubereitung beziehen.
Medizinische Anwendungsgebiete
Arzneipflanzen werden in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzt. Die Evidenz unterscheidet sich dabei erheblich zwischen einzelnen Pflanzen und Zubereitungen.
Gastrointestinale Beschwerden
Zu häufig verwendeten Arzneipflanzen im Bereich des Gastrointestinaltrakts zählen beispielsweise:
Kamillenblüten enthalten unter anderem ätherisches Öl und Flavonoide. Pfefferminzöl wird unter anderem aufgrund spasmolytischer Eigenschaften gastrointestinal eingesetzt. Flohsamen und Flohsamenschalen wirken aufgrund ihres hohen Gehalts an quellfähigen Schleimstoffen stuhlregulierend.
Für Kombinationen aus Myrrhe, Kamillenblüten und Kaffeekohle liegen klinische Untersuchungen unter anderem bei Colitis ulcerosa vor. Die Ergebnisse einzelner Kombinationspräparate können jedoch nicht ohne Weiteres auf die einzelnen Arzneipflanzen oder andere Zubereitungen übertragen werden.[2]
Bei Aloe ist zwischen dem gelartigen Blattparenchym (Aloe-Gel) und anthranoidhaltigen Zubereitungen aus den äußeren Blattbereichen zu unterscheiden. Zusammensetzung, Wirkungen und Sicherheitsprofil sind nicht identisch.
Atemwege
Traditionell bzw. phytotherapeutisch verwendete Arzneipflanzen bei Erkrankungen der Atemwege sind unter anderem:
Je nach Zubereitung stehen sekretolytische, expektorierende, reizlindernde oder spasmolytische Eigenschaften im Vordergrund.
Schlaf, Unruhe und psychische Beschwerden
Hierzu zählen insbesondere:
Für einige standardisierte Johanniskrautpräparate besteht klinische Evidenz bei bestimmten depressiven Erkrankungen. Johanniskraut besitzt jedoch ein relevantes Wechselwirkungspotenzial, unter anderem durch Induktion von Arzneimittel-metabolisierenden Enzymen und Transportproteinen.
Haut und Bewegungsapparat
Beispiele sind:
Arnika wird überwiegend äußerlich eingesetzt. Zubereitungen aus Arnikablüten können bei empfindlichen Personen Kontaktreaktionen hervorrufen. Eine unkritische innerliche Anwendung von Arnika ist aufgrund möglicher toxischer Wirkungen nicht empfohlen.
Leber, Galle und Stoffwechsel
Zu den hier verwendeten Pflanzen zählen beispielsweise:
Bei diesen Pflanzen muss zwischen traditioneller Verwendung, experimentellen pharmakologischen Befunden und klinisch belegten Wirkungen unterschieden werden.
Herz und Kreislauf
Beispiele sind:
Arten der Gattung Strophanthus enthalten potente Herzglykoside. Aus Strophanthus gratus wurde beispielsweise Ouabain (g-Strophanthin) gewonnen. Strophanthus-Glykoside wurden historisch als Kardiotonika eingesetzt und hemmen wie andere Herzglykoside die Natrium-Kalium-ATPase.
Aufgrund der geringen therapeutischen Breite und möglicher schwerer kardialer Nebenwirkungen besitzen Strophanthus-Glykoside heute keine Bedeutung für eine unkritische pflanzliche Selbstmedikation.[3]
Für bestimmte standardisierte Ginkgo-Zubereitungen existiert eine europäische Pflanzenmonografie. Die Bewertung gilt dabei für die darin definierten Zubereitungen und darf nicht pauschal auf beliebige Ginkgo-Produkte übertragen werden.[4]
Traditionelle asiatische Arzneipflanzen
Einige heute international verwendete Arzneipflanzen entstammen unter anderem der traditionellen chinesischen bzw. asiatischen Medizin, beispielsweise:
- Ginseng (Panax ginseng)
- Ingwer (Zingiber officinale)
- Kurkuma (Curcuma longa)
- Astragalus (Astragalus membranaceus)
- Ginkgo (Ginkgo biloba)
- Süßholz (Glycyrrhiza spp.)
Für Ginseng existiert beispielsweise eine EU-Monografie des HMPC für Ginsengwurzel. Die dort bewertete traditionelle medizinische Anwendung bezieht sich auf Symptome von Asthenie wie Müdigkeit und Schwäche.[5]
Die traditionelle Verwendung einer Pflanze ist nicht mit einem Nachweis klinischer Wirksamkeit für sämtliche ihr zugeschriebenen Indikationen gleichzusetzen.
Weitere populäre Pflanzen
Moringa (Moringa oleifera) wird traditionell als Nahrungs- und Nutzpflanze sowie in verschiedenen Medizinsystemen verwendet. Untersucht werden unter anderem mögliche Effekte auf Stoffwechselparameter.
Die klinische Evidenz ist jedoch für viele postulierte therapeutische Anwendungen bislang begrenzt. Ergebnisse präklinischer oder kleiner klinischer Studien können nicht ohne Weiteres als Nachweis einer gesicherten therapeutischen Wirksamkeit interpretiert werden.
Auswahl wichtiger Arzneipflanzen
Die folgende Tabelle enthält eine Auswahl häufig verwendeter bzw. medizinisch relevanter Arzneipflanzen. Die Einordnung stellt keine vollständige Indikationsliste dar.
| Arzneipflanze | Verwendeter Pflanzenteil bzw. Droge | Wichtige Inhaltsstoffe | Medizinische Verwendung bzw. Einordnung | Besondere Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Kamille | Blüten | ätherisches Öl, Bisabolol-Derivate, Flavonoide | v.a. gastrointestinale und lokale entzündliche Beschwerden | Allergien gegen Korbblütler beachten |
| Myrrhe | Harz | Sesquiterpene, Triterpene u.a. | traditionelle gastrointestinale und lokale Anwendung | Evidenz ist präparate- und indikationsabhängig |
| Pfefferminze | Blätter bzw. ätherisches Öl | Menthol, Menton | gastrointestinale Beschwerden, spasmolytische Anwendung | Pfefferminzöl kann Refluxbeschwerden verstärken |
| Flohsamen | Samen bzw. Samenschalen | Schleimstoffe | Obstipation, Stuhlregulation | ausreichende Flüssigkeitszufuhr erforderlich |
| Süßholz | Wurzel | Glycyrrhizin, Flavonoide | traditionelle gastrointestinale und respiratorische Anwendung | Übermaß kann Hypertonie und Hypokaliämie verursachen |
| Aloe | je nach Zubereitung Blattgel oder anthranoidhaltige Blattbestandteile | Polysaccharide bzw. Anthranoide | je nach Zubereitung sehr unterschiedliche Verwendung | Aloe-Gel und anthranoidhaltige Aloe-Drogen nicht gleichsetzen |
| Thymian | Kraut | Thymol, Carvacrol, ätherisches Öl | v.a. Atemwege | Zubereitung und Konzentration beachten |
| Efeu | Blätter | Triterpensaponine | expektorierende Anwendung bei Husten | nur geeignete Zubereitungen verwenden |
| Baldrian | Wurzel | Valerensäuren, Sesquiterpene | Unruhe, Schlafstörungen | sedierende Effekte möglich |
| Johanniskraut | Kraut | Hyperforin, Hypericine, Flavonoide | bestimmte depressive Erkrankungen | zahlreiche klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen |
| Arnika | Blüten | Sesquiterpenlactone, u.a. Helenalin-Derivate | überwiegend äußerliche Anwendung | Kontaktallergien; innerliche Selbstmedikation vermeiden |
| Beinwell | Wurzel bzw. Kraut | Allantoin, Schleimstoffe u.a. | äußerliche Anwendung am Bewegungsapparat | Pyrrolizidinalkaloide und Präparatequalität beachten |
| Mariendistel | Früchte | Silymarin-Komplex | traditionell/hepatologisch verwendet | Evidenz abhängig von Präparat und Indikation |
| Artischocke | Blätter | Phenolcarbonsäuren, Flavonoide | dyspeptische Beschwerden, traditionelle hepatobiliäre Anwendung | bei Gallenwegsproblemen Vorsicht |
| Weißdorn | Blätter mit Blüten | Flavonoide, oligomere Procyanidine | kardiovaskuläre Verwendung bestimmter Präparate | nicht als Ersatz für notwendige kardiologische Diagnostik |
| Strophanthus | Samen | Herzglykoside, insbesondere Strophanthine bzw. Ouabain | historisch als kardiotonische Arzneidroge verwendet | geringe therapeutische Breite; potenziell schwere kardiale Toxizität |
| Ginkgo | Blätter | Flavonglykoside, Terpenlactone | bestimmte standardisierte Extrakte bei definierten Indikationen | Wechselwirkungen bzw. Blutungsrisiko beachten |
| Ingwer | Rhizom | Gingerole, Shogaole | u.a. gastrointestinale Anwendungen | Zubereitung und Dosierung beachten |
| Kurkuma | Rhizom | Curcuminoide, ätherisches Öl | traditionelle gastrointestinale Verwendung; umfangreiche Forschung | experimentelle Daten nicht mit klinischer Wirksamkeit gleichsetzen |
| Ginseng | Wurzel | Ginsenoside | traditionelle Anwendung bei Müdigkeit und Schwäche | mögliche Interaktionen beachten |
| Astragalus | Wurzel | Saponine, Polysaccharide, Flavonoide | traditionelle asiatische Medizin | klinische Evidenz für konkrete Indikationen begrenzt |
| Moringa | vor allem Blätter, teilweise Samen | Polyphenole, Glucosinolate, Isothiocyanate | traditionelle Nutzung und Gegenstand metabolischer Forschung | klinische Evidenz für viele beworbene Anwendungen begrenzt |
Evidenz
Die wissenschaftliche Evidenz zu Arzneipflanzen ist heterogen. Sie reicht von gut untersuchten standardisierten Extrakten bis zu traditionell verwendeten Pflanzen mit begrenzten klinischen Daten.
Bei der Bewertung ist insbesondere zu unterscheiden zwischen:
- pharmakologischen In-vitro-Befunden
- tierexperimentellen Untersuchungen
- traditioneller medizinischer Verwendung
- Beobachtungsstudien
- randomisierten klinischen Studien
- systematischen Reviews und Metaanalysen
- regulatorisch bewerteten pflanzlichen Zubereitungen
Experimentelle Wirkmechanismen allein belegen keine klinische Wirksamkeit.
Regulatorische Einordnung
Der Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der EMA erstellt europäische Monografien für pflanzliche Substanzen und Zubereitungen.
Dabei wird unter anderem zwischen zwei Formen der medizinischen Verwendung unterschieden:
| Einordnung | Grundlage |
|---|---|
| Well-established use | ausreichende wissenschaftliche Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit einer definierten pflanzlichen Zubereitung |
| Traditional use | langjährige medizinische Verwendung, ausreichende Sicherheitsdaten und aufgrund der langjährigen Anwendung plausible Wirksamkeit |
Eine Einstufung als traditionelle Anwendung bedeutet daher nicht, dass für die betreffende Indikation dieselbe klinische Evidenz wie bei einem well-established use vorliegt.[6]
Die EU-Pflanzenmonografien enthalten unter anderem Angaben zu Anwendung, Zielgruppen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Interaktionen. Sie sind von den Monografien des Europäischen Arzneibuchs zu unterscheiden, die primär Qualitätsanforderungen definieren.[1]
Nebenwirkungen und Risiken
Auch pflanzliche Arzneimittel können Nebenwirkungen verursachen.
Mögliche Probleme umfassen:
- allergische Reaktionen
- gastrointestinale Beschwerden
- hepatotoxische oder nephrotoxische Wirkungen einzelner Inhaltsstoffe
- Beeinflussung von Elektrolyten und Blutdruck
- Beeinflussung der Blutgerinnung
- zentralnervöse Effekte
- kardiale Toxizität
- Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- variable Wirkstoffgehalte nicht standardisierter Produkte
Die Annahme, dass eine Substanz aufgrund ihrer pflanzlichen Herkunft grundsätzlich harmlos sei, ist daher falsch.
Beispiel Süßholz
Glycyrrhizin bzw. seine Metaboliten können die 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 hemmen und dadurch einen Pseudohyperaldosteronismus verursachen.
Mögliche Folgen sind:
- Arterielle Hypertonie
- Hypokaliämie
- Natrium- und Wasserretention
- Suppression von Renin und Aldosteron
- in ausgeprägten Fällen Herzrhythmusstörungen
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zeigte bei chronischer Glycyrrhizinsäure-Aufnahme einen dosisabhängigen Blutdruckanstieg und eine Abnahme der Kaliumkonzentration.[7]
Beispiel Johanniskraut
Johanniskraut kann den Metabolismus verschiedener Arzneimittel beschleunigen und dadurch deren Wirksamkeit vermindern. Klinisch relevante Interaktionen können unter anderem Arzneimittel mit engem therapeutischem Bereich betreffen.
Beispiel Strophanthus
Die in Strophanthus-Arten vorkommenden Herzglykoside wirken über eine Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase. Eine Überdosierung kann unter anderem zu Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, gastrointestinalen und neurologischen Symptomen führen.
Die historische Verwendung solcher Pflanzen zeigt exemplarisch, dass pflanzliche Inhaltsstoffe hochpotente Pharmaka darstellen können und eine geringe therapeutische Breite besitzen können.[8]
Qualität und Standardisierung
Die Qualität pflanzlicher Arzneimittel hängt unter anderem ab von:
- botanischer Identität
- verwendeter Pflanzenart und ggf. Unterart
- Pflanzenteil
- Standort und Anbaubedingungen
- Erntezeitpunkt
- Trocknung und Lagerung
- Extraktionsverfahren
- verwendeten Lösungsmitteln
- Drogen-Extrakt-Verhältnis
- Gehalt definierter Inhalts- bzw. Leitsubstanzen
- Kontrolle auf Verunreinigungen und Kontaminanten
Deshalb sind Ergebnisse klinischer Studien zu einem definierten Extrakt nicht zwangsläufig auf andere Extrakte, Nahrungsergänzungsmittel oder selbst hergestellte Zubereitungen derselben Pflanze übertragbar.
Abgrenzung zu Nahrungsergänzungsmitteln
Nicht jedes pflanzliche Produkt ist ein Arzneimittel.
Pflanzliche Inhaltsstoffe können auch Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln, Lebensmitteln oder Kosmetika sein. Für diese Produktgruppen gelten andere regulatorische Anforderungen als für zugelassene bzw. registrierte Arzneimittel.
Die Verwendung einer bekannten Arzneipflanze in einem Nahrungsergänzungsmittel bedeutet daher nicht automatisch, dass das Produkt die Qualität, Dosierung oder Evidenz eines geprüften Phytopharmakons besitzt.
Geschichte
Arzneipflanzen gehören zu den ältesten therapeutisch verwendeten Mitteln der Medizin. Traditionelle Medizinsysteme verschiedener Kulturen entwickelten umfangreiche Kenntnisse zur Verwendung pflanzlicher Stoffe.
Hierzu zählen unter anderem:
- europäische traditionelle Pflanzenheilkunde
- Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
- Ayurveda
- arabisch-persische Medizinsysteme
Die moderne Pharmakognosie untersucht Arzneidrogen und deren Inhaltsstoffe mit naturwissenschaftlichen Methoden. Zahlreiche pharmakologisch aktive Substanzen wurden ursprünglich aus Pflanzen isoliert oder nach pflanzlichen Naturstoffen weiterentwickelt.
Siehe auch
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Herbal medicinal products. European Medicines Agency (EMA), abgerufen am 28.08.2026.
- ↑ Langhorst J et al. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis. Aliment Pharmacol Ther. 2013;38(5):490-500.
- ↑ Orhan IE et al. Adonis sp., Convallaria sp., Strophanthus sp., Thevetia sp., and Leonurus sp. - Cardiotonic Plants with Known Traditional Use and a Few Preclinical and Clinical Studies. Curr Pharm Des. 2017.
- ↑ Ginkgo folium - herbal medicinal product. EMA/HMPC, abgerufen am 28.08.2026.
- ↑ Ginseng radix - herbal medicinal product. EMA/HMPC. Abgerufen am 28.08.2026.
- ↑ European Union monographs and list entries. EMA, abgerufen am 28.08.2026.
- ↑ Penninkilampi R et al. The association between consistent licorice ingestion, hypertension and hypokalaemia: a systematic review and meta-analysis. J Hum Hypertens. 2017;31:699-707.
- ↑ Orhan IE et al. Adonis sp., Convallaria sp., Strophanthus sp., Thevetia sp., and Leonurus sp. - Cardiotonic Plants with Known Traditional Use and a Few Preclinical and Clinical Studies. Curr Pharm Des. 2017.