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Akutes Abdomen

Synonym: "akuter Bauch"
Englisch: acute abdomen

1 Definition

Beim akuten Abdomen handelt es sich nicht um eine eigene Krankheitsentität, sondern vielmehr um einen Symptomenkomplex, der sich durch starken abdominellen Schmerz und mögliche Lebensbedrohlichkeit auszeichnet. Das akute Abdomen kann durch verschiedene Baucherkrankungen ausgelöst werden und ist eine vorläufige Alarmdiagnose.

2 Einordnung

Superakutes Abdomen Akutes Abdomen Unklares Abdomen
Unmittelbare Lebensbedrohung Potenzielle Lebensbedrohung Regelmäßige Kontrollen erforderlich

3 Ursachen

Das akute Abdomen kann durch verschiedene intra- oder extraabdominelle Erkrankungen ausgelöst werden. Dazu zählen unter anderem:

4 Symptome

Zu den Leitsymptomen eines akuten Abdomens zählen (neben einem schlechten Allgemeinzustand) plötzliche, heftige abdominelle Schmerzen, Paralyse sowie Schock. Des Weiteren findet sich häufig eine Abwehrspannung des Abdomens. In vielen Fällen wird der Schmerz von Erbrechen begleitet, dabei kann Konsistenz und Aussehen des Erbrochenen Hinweise auf die Ätiologie des Schmerzes geben.

Klinik bei Darmverschluss:

5 Differentialdiagnose

Da sich hinter dem akuten Abdomen Erkrankungen verschiedenster Art verbergen können, muss eine weitere Differenzierung erfolgen. Diese erfolgt über Typ, Dauer und Lokalisation des Schmerzes.

5.1 Schmerztypen

5.1.1 Viszeraler Schmerz

Der sogenannte viszerale Schmerz zeichnet sich durch einen plötzlichen, krampfhaften, kurzfristig gut lokalisierbaren Schmerz aus, welcher dann diffus, also schwer lokalisierbar wird und als brennend und dumpf bezeichnet wird. Der Patient versucht sich durch Krümmen Erleichterung zu verschaffen und verhält sich dem entsprechend sehr unruhig. Dieser Schmerz ist bei Entzündungen der Hohlorgane oder einer Ulkusperforation zu finden.

5.1.2 Kolikschmerz

Der Kolikschmerz ist dem viszeralen Schmerz untergeordnet und findet sich beim Ileus, sowie bei Gallensteinen und Uretersteinen. Er ist durch einen an- und abschwellenden, intermittierenden, krampfhaften Schmerzverlauf und ein Krümmen des Patienten gekennzeichnet.

5.1.3 Somatischer Schmerz

Der somatische Schmerz ist durch einen schneidenden, sich bei Bewegung stark verschlimmernden Schmerz gekennzeichnet, weshalb der Patient verhältnismäßig ruhig liegt. Zunächst ist auch er noch gut lokalisierbar, wird aber mit zunehmender Ausbreitung der Reizung bzw. Entzündung des Peritoneum parietale zunehmend diffus. Appendizitis, Pankreatitis und Cholezystitis sind typische Auslöser eines solchen Schmerzes.

5.2 Lokalisationen des Schmerzes

Gezieltes Abtasten des Abdomens lässt eine Orientierung über die genauere Schmerzlokalisation zu, was für eine weitere Differentialdiagnose unerlässlich ist. Zu unterscheiden sind hierbei:

Klinisch wird die Differentialdiagnose weiter von endoskopischen, laborchemischen und anderen Methoden unterstützt und vervollständigt.

6 Diagnostik

Zur Abklärung eines akuten Abdomens kommen folgende diagnostische Maßnahmen in Betracht:

6.1 Klinische Untersuchung

Bei der klinischen Untersuchung sollte man die o.a. Reihenfolge dieser Maßnahmen beachten, da die Auskultation immer vor der Palpation erfolgen muss, um eine iatrogene Induzierung von Abwehrspannung zu verhindern.

6.2 Bildgebende Verfahren

6.3 Labor

Diese Aufzählung ist nicht vollständig und umfasst nur die Primärdiagnostik. Je nach Verdachtsdiagnose können weitere Untersuchungsverfahren (z.B. EKG, Endoskopie) zum Einsatz kommen.

7 Therapie

7.1 Sofortmaßnahmen

Grundsätzlich beginnt die Therapie mit der Stabilisierung der Vitalparameter. Beim akuten Abdomen ist es für den Patienten sehr erleichternd, mit dem Oberkörper leicht erhöht und mit den Beinen angewinkelt in Rückenlage zu liegen, solange er nicht in den Schock fällt. Diese Lagerung führt zu einer Entspannung der Bauchmuskulatur und so zu einer Minderung des abdominalen Drucks.

Proaktiv sollten zwei großlumige i.v.-Zugänge gelegt werden, um mit einer Volumengabe auf einen hypovolämischen Schock reagieren zu können.

Gegen die kolikartigen Schmerzen können dem Patienten leichte Spasmolytika und Analgetika verabreicht werden. Hier bietet sich unter den Opioiden aufgrund der geringen GI-Tonuserhöhung vor allem Pethidin an. Die Analgetikagabe sollte in Abhängigkeit von der Schmerzstärke, der Schmerzcharakteristik und der voraussehbaren Zeitspanne bis zur klinischen Untersuchung begonnen werden. Eine prädiagnostische Analgesie hat klinischen Studien zufolge keinen Einfluss auf den Diagnoseprozess bei akuten Abdominalschmerzen.[1] Sie wird jedoch kontrovers diskutiert, da eine zu frühe Gabe von Analgetika im Einzelfall die Symptomatik kaschieren kann.

7.2 Weitere Therapie

Die weitere Therapie ist abhängig von der auslösenden Ursache und kann chirurgisch oder konservativ sein.

8 Quellen

  1. S3-Leitlinie Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen (AWMF-Register Nr. 041/001) Stand: 21.05.2007 inkl. Änderungen vom 20.04.2009, abgerufen am 29.5.2022

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Juli 2022 um 19:15 Uhr bearbeitet.

Hm, ganz so eindeutig ist das nicht. Auch die Leitlinie spricht da von "Kontroversen" - vor allem da die Bildgebung nicht immer eindeutige Befunde liefert. Selbst erlebt, Kollegin wurde schlampig untersucht, mit Ibu i.v. analgesiert, und mit gebesserter Schmerzsymptomatik nach Hause geschickt. Keine 24 Stunden später Notfall-OP wg. Darmperforation.
#3 vor 43 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Vielen Dank für die Anmerkung. Wir haben den Abschnitt angepasst.
#2 vor 43 Tagen von Fiona Lorenzen (DocCheck Team)
Zu 7.1. ist zu berichtigen, dass die Analgetikagabe so schnell wie möglich zu erfolgen hat. Dies natürlich nach Untersuchung und Dokumentation von Schmerzstärke, -Lokalisation und -Qualität. Eine Verzögerung der Schmerztherapie aus diagnostischen Gründen erfüllt im Zeitalter der bildgebenden Diagnostik den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung!
#1 vor 43 Tagen von Armin Eisewicht (Arzt | Ärztin)

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