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Intoxikation

Synonym: Vergiftung
Englisch: intoxication, poisoning

1 Definition

Als Intoxikation oder Vergiftung bezeichnet man die Aufnahme schädigender Substanzen (Toxine) in den Körper sowie die daraus resultierende Beeinträchtigung der Körperfunktionen.

2 Einteilung

Man unterscheidet akute und chronische Intoxikationen.

Bei akuten Intoxikationen kommt es zu einer einmaligen bzw. kurzdauernden Exposition gegenüber dem Toxin. Die Vergiftungserscheinungen können in kurzem zeitlichen Abstand auftreten, aber auch mit einer gewissen Latenz.

Bei der chronischen Intoxikation steht der wiederholte bzw. langdauernde Kontakt mit einem Toxin im Vordergrund. Die Toxinmengen können dabei auf eine einzelne Exposition bezogen unterschwellig sein – die Vergiftung tritt dann erst durch allmähliche Akkumulation der toxischen Substanz im Körper klinisch in Erscheinung. Der Kausalzusammenhang zwischen Symptomatik und Intoxikation ist dadurch häufig schlechter zu etablieren.

3 Formen

Intoxikationen werden nach dem auslösenden Toxin unterteilt. Man unterscheidet Vergiftungen...

3.1 ...durch Drogen

3.2 ...durch Medikamente

Vergiftungen durch Medikamente werden auch als Arzneimittelintoxikationen bezeichnet. Sie sind in Deutschland die häufigste Ursache für akute Intoxikationen. Beispiele sind:

3.3 ...durch Reinigungsmittel

3.4 …durch Lebensmittel

Lebensmittelintoxikationen entstehen durch Aufnahme für den menschlichen Verzehr ungeeigneter oder mit bakteriellen Toxinen kontaminierter Lebensmittel. Der Begriff überschneidet sich teilweise mit dem Terminus Lebensmittelinfektion, wobei eine Infektion die Aufnahme vermehrungsfähiger Mikroorganismen voraussetzt. Beispiele für Lebensmittelintoxikation im engeren Sinn sind:

3.5 ...durch giftige Tiere, Pflanzen oder Pilze

3.6 ...durch Metalle

3.7 ...durch Insektizide oder Rodentizide

3.8 ...durch Gase bzw. Dämpfe

3.9 ...durch giftige Chemikalien

Die Vergiftung durch körpereigene Stoffwechselprodukte, z.B. im Rahmen einer Koprostase, bezeichnet man als Autointoxikation. Die übersteigerte, irrationale Angst vor Vergiftungen ist kennzeichnend für den Vergiftungswahn.

4 Symptome

Die Art und Intensität der Symptome sind u.a. von der Art des Toxins, seiner Dosis und der Expositionsdauer abhängig. Sie werden daher unter den jeweiligen Intoxikationsformen abgehandelt. Das Spektrum reicht von leichten Befindlichkeitsstörungen bis hin zu schweren Verläufen mit tödlichem Ausgang.

Zusätzlich können bei einer Drogenintoxikation substanzinduzierte Psychosen (Drogenpsychosen) auftreten.

5 Diagnostik

Die genaue Erhebung der Anamnese spielt bei Vergiftungen eine wichtige Rolle, um den Kreis der möglichen Toxine einzuengen. Bei bewusstlosen Patienten sollte man neben der Fremdanamnese Hinweise in der Auffindesituation beachten, z.B. Arzneimittelverpackungen, Nahrungsmittelreste oder Erbrochenes. Bei Vergiftungen am Arbeitsplatz kann man die Sicherheitsdatenblätter einsehen.

Die weitere Diagnostik ist abhängig von der Art der Vergiftung und umfasst neben der körperlichen Untersuchung verschiedene Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren.

Fehlende oder geringe Symptome schließen eine klinisch relevante Vergiftung nicht aus. Daher ist im Verdachtsfall eine medizinische Überwachung erforderlich, bis anhand der Diagnostik eine sichere Risikobewertung der Intoxikation möglich ist.

6 Therapie

Die Erstmaßnahmen bei Intoxikationen entsprechen den allgemeinen Notfallmaßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen.

Neben der Stabilisierung des Patienten ist die Entgiftung, also die Beseitigung des Toxins und/oder seine Neutralisierung das wichtigste Therapieziel. Hier unterscheidet man

Bei einigen Toxinen ist darüber hinaus die Verabreichung eines Antidots möglich. Die Behandlung von Intoxikationen erfolgt aufgrund der Komplexität der notwendigen Maßnahmen in der Regel stationär, häufig auch intensivmedizinisch.

7 Rechtsmedizin

Intoxikationen haben eine erhebliche forensische Bedeutung. Sie treten u.a. im Zusammenhang mit Arbeitsunfällen, Suiziden oder Tötungsdelikten auf. Daher ist eine sorgfältige Dokumentation der Vergiftungserscheinungen und der Begleitumstände durch den behandelnden Arzt essentiell. Wenn möglich, sollten Giftproben, Urin-, Blut- oder Gewebeproben sichergestellt werden.

Fachgebiete: Toxikologie

Diese Seite wurde zuletzt am 20. Mai 2022 um 13:50 Uhr bearbeitet.

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