Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Neuroleptikum

Synonyme: Antipsychotikum, Neurophlegikum
Englisch: major tranquilizers, neuroleptic drugs

1 Definition

Neuroleptika sind Arzneistoffe, die psychotrope (z.B. antipsychotische, antiautistische, sedierende), neurologische (vor allem extrapyramidalmotorische), sowie andere (z.B. endokrine, kardiale, metabolische) Wirkungen und Nebenwirkungen hervorrufen. Die einzelnen Wirkkomponenten können bei verschiedenen Wirkstoffen erheblich variieren.

2 Indikation und Wirkung

Neuroleptika sind indiziert bei manischen Psychosen, Schizophrenie, psychomotorischen Erregungszuständen, chronischen Schmerzen (adjuvant), als Prämedikation, bei Neuroleptanalgesie und -anästhesie oder auch als Antiemetika.

Neuroleptika können Patienten mit psychischen Erkrankungen helfen, sich ihrer Krankheit bewusst zu werden und sich von ihr zu distanzieren.

Neuroleptika wirken über eine Blockade von zentralen Rezeptoren: dazu gehören Dopamin-Rezeptoren (v.a. D2-Rezeptor), m-Cholinorezeptoren, alpha-Rezeptoren, Histamin-Rezeptoren und Serotonin-Rezeptoren (5-HT2-Rezeptor).

3 Unterteilung

Man unterscheidet folgende Typen von Neuroleptika:

3.1 Konventionelle Neuroleptika

3.1.1 Trizyklische Neuroleptika

Es handelt sich um die Gruppe der Phenothiazine mit schwach antipsychotischer Wirkung. Dazu zählen z.B.:

sowie die stärker antipsychotisch wirksame Derivate, wie

Eine weitere Unterklasse der klassischen trizyklischen Neuroleptika sind die Thioxanthenderivate, wie

3.1.2 Butyrophenone

Diese verfügen über eine stark antipsychotische Wirkung. Dazu gehören z.B:

sowie die minderpotenten Derivate

3.1.3 Diphenylbutylpiperidine

Eine strukturchemisch sowie pharmakologisch mit den Butyrophenonen verwandte Gruppe der Neuroleptika sind die Diphenylbutylpiperidine. Sie verfügen über eine stark ausgeprägte und lange anhaltende antipsychotische Wirksamkeit, sowie in der Regel nur geringfügige sedierende Wirkungen. Hierzu zählen drei Wirkstoffe:

3.2 Atypische Neuroleptika

3.2.1 Dibenzepine

Die Dibenzepine besitzen eine dreidimensionale Molekülstruktur, die von den klassischen trizyklischen Neuroleptika abweicht. Zu dieser Gruppe gehören:

3.2.2 Benzisoxazol-, Benzisothiazol- und Indol-Derivate

3.2.3 Benzamide

3.2.4 Weitere

Beachte: Je ausgeprägter die antipsychotische Potenz ist, desto geringer ist die sedative Wirkung in vergleichbaren Dosierungen.

4 Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen sind abhängig von der jeweiligen Substanzklasse. Unter anderem umfassen sie irreversible Bewegungsstörungen, Apathie, Krampfanfälle, teilweise massive Gewichtszunahme und Sprachverarmung.

Die Behandlung mit Neuroleptika führt auch zu einer dosis- und zeitabhängigen Veränderung der Gehirnstruktur und einer Verringerung des Volumens verschiedener Strukturen des Gehirns und der Hirnrinde[1]. Auch die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu begreifen und neue Informationen zu verarbeiten, kann durch Neuroleptika negativ beeinflusst werden[2] [3][4]. Antipsychotika werden überdies mit der Entstehung von Diabetes und Hypophysentumoren in Verbindung gebracht[5].

5 Rechtliches

Nach einem, durch eine Verfassungsbeschwerde initiierten, Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März 2011 hat die bis dahin gängige Zwangsbehandlung mit Neuroleptika im Maßregelvollzug und geschlossenen Psychiatrien in Deutschland in weiten Teilen keine rechtliche Grundlage mehr [6].

6 Quellen

  1. Puri BK. (2011). "Brain tissue changes and antipsychotic medication.". Expert Rev Neurother.. PMID 21721911. 
  2. Wasserman JI, Barry RJ, Bradford L, Delva NJ, Beninger RJ. (2012). "Probabilistic classification and gambling in patients with schizophrenia receiving medication: comparison of risperidone, olanzapine, clozapine and typical antipsychotics.". Psychopharmacology (Berl).. PMID 22237855. 
  3. Harris MS, Wiseman CL, Reilly JL, Keshavan MS, Sweeney JA. (2009). "Effects of risperidone on procedural learning in antipsychotic-naive first-episode schizophrenia.". Neuropsychopharmacology... PMID 18536701. 
  4. Reilly JL, Harris MS, Keshavan MS, Sweeney JA. (2006). "Adverse effects of risperidone on spatial working memory in first-episode schizophrenia.". Arch Gen Psychiatry... PMID 17088499. 
  5. Wasserman JI, Barry RJ, Bradford L, Delva NJ, Beninger RJ. (2006). "Atypical antipsychotics and pituitary tumors: a pharmacovigilance study.". Pharmacotherapy. PMID 16716128. 
  6. http://www.bverfg.de/pressemitteilungen/bvg11-028

Fachgebiete: Pharmakologie

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

28 Wertungen (3.79 ø)

224.629 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2018 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: