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Autismus

Englisch: autism

1 Definition

Autismus ist eine psychische Entwicklungsstörung unbekannter Ursache. Sie wird als angeborene Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben, die sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Autismus ist keine Behinderung.

2 Begriffsdefinition

Das aus dem medizinischen Bereich stammende Wort "Autismus" leitet sich vom griech. "autos" ab, was soviel wie "selbst", "für sich" oder "allein" bedeutet.

3 Hintergrund

Alle Autisten sind in drei übergeordneten Lebensbereichen mehr oder weniger beeinträchtigt:

  • Sie kapseln sich von ihrer Umwelt ab, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen sind gestört.
  • Ihre Sprachentwicklung und/oder ihre Fähigkeit mit anderen Menschen zu kommunizieren sind beeinträchtigt.
  • Sie neigen dazu, ein bestimmtes Verhalten immer wieder zu zeigen (sog. Stereotypien) und ihre Interessen und Aktivitäten sind im Vergleich zu ihren Altersgenossen begrenzt.

4 Autistisches Spektrum

Das autistische Spektrum bezeichnet einen theoretischen Erklärungsansatz für Autismus, der im Wesentlichen davon ausgeht, dass es statistisch gesehen in der Bevölkerung einen fließenden Übergang von Nichtautismus zu Autismus gibt. Folglich gäbe es keine natürlich eindeutige Grenze von Nichtautismus zu Autismus, sondern eine menschlich definierte. Demnach wäre Autismus eine Eigenschaft, die jeder Mensch in mehr oder weniger großer Ausprägung aufweist.

Die beiden häufigsten benannten Formen des Autismus sind frühkindlicher Autismus (auch Kanner-Syndrom) und Asperger-Syndrom / HFA

4.1 Frühkindlicher Autismus

Im Sinne heutiger diagnostischer Untergruppen eine angenommene Untergruppe im Autismus, die aufgrund ihres Autismus früh im Sinne der Diagnosekriterien auffällt. Bedeutungsgleich mit Kanner-Autismus. Dieser Typ manifestiert sich zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat.

4.2 Asperger-Autismus

Im Sinne heutiger diagnostischer Untergruppen eine angenommene Untergruppe des Autismus, die erst nach dem dritten Lebensjahr im Sinne der jeweiligen Diagnosekriterien auffällt. Heute gibt es fundierte Zweifel an der realen Existenz eines grundlegenden Unterschieds, der solche systematische Untergliederung rechtfertigen würde. Ein aktueller Theorieansatz ist der des Autismusspektrums. Benannt nach Hans Asperger. Früher auch entsprechend damaliger falscher theoretischer Annahmen als autistische Psychopathie bezeichnet.

Hochfunktioneller Autismus (HFA) ist nach der Theorie eines Autismusspektrums derjenige Bereich von Autismus, der zwischen willkürlich gesetzter Grenze zum Nichtautismus und MFA oder LFA angesetzt wird. Dieser Begriff ist zumindest als Zuschreibung auf konkrete Personen kritisch zu betrachten, weil heute oft die Folgen von Ausgrenzung und Falschbehandlung von Autisten in ihrem konkreten Umfeld fälschlich ihrem Autismus an sich zugerechnet werden. Darum ist hier eine Abgrenzung schwierig.

Leichtere Fälle von Autismus werden im Englischen auch als "Little Professor Syndrome", "Geek Syndrome" oder "Nerd Syndrome" bezeichnet.

4.3 Atypischer Autismus

Atypischer Autismus unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus dadurch, dass Kinder entweder nach dem dritten Lebensjahr erkranken ("atypisches Erkrankungsalter") oder nicht alle typischen Symptome zeigen ("atypische Symptomatik"). Autistische Kinder mit atypischem Erkrankungsalter weisen alle Symptome eines frühkindlichen Autismus auf, die sich bei ihnen aber nach dem 3. Lebensjahr manifestieren. Autistische Kinder mit atypischer Symptomatik legen nur einen Teil der autistischen Auffälligkeiten an den Tag und erfüllen die Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus nicht vollständig. Dabei können sich die Symptome sowohl vor als auch nach dem 3. Lebensjahr verfestigen.

5 Therapie

5.1 Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie will übermäßige Stereotypien abbauen und andererseits soziale und kommunikative Fähigkeiten aufbauen. Im Prinzip wird dabei so vorgegangen, dass erwünschtes Verhalten durchgängig und erkennbar belohnt wird. Verhaltenstherapien können entweder ganzheitlich oder auf einzelne Symptome gerichtet sein.

Die Applied Behavior Analysis (ABA) ist eine ganzheitlich ausgerichtete Therapieform, die auf die Frühförderung ausgerichtet ist. Zuerst wird festgestellt, welche Fähigkeiten und Funktionen das Kind bereits besitzt und welche nicht. Hierauf aufbauend werden spezielle Programme erstellt, die das Kind befähigen, die fehlenden Funktionen zu erlernen. Außerdem werden die Eltern mit in die Therapie einbezogen. Das Verfahren der ABA basiert hauptsächlich auf den Methoden des operanten Konditionierens. Man motiviert die Betroffenen bei richtigem Verhalten und versucht das falsche Verhalten auszulöschen. Als Belohnung werden primäre Verstärker (z.B. Nahrungsmittel) und materielle Verstärker (z.B. Spielzeug) eingesetzt, um erwünschtes Verhalten zu belohnen.

5.2 Elterntraining

Dass Elterntraining versucht, den Stress der Eltern zu reduzieren, der durch die Krankheit ihres Kindes ausgelöst wird. Es wurde nachgewiesen, dass eine Stressreduktion zu deutlichen Verbesserungen im Verhalten autistischer Kinder führt, egal wie schwer die Störung ausgeprägt ist.

5.3 Soziales Kompetenztraining

Erwachsene Autisten mit ausgeprägten sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten können hier soziale und kommunikative Fähigkeiten trainieren. Beim sozialen Kompetenztraining finden sich Menschen, die vergleichbare Auffälligkeiten haben, und mit Hilfe von Fachleuten ihre Sozialkompetenz verbessern.

5.4 Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie

Bei der Ergotherapie werden handwerkliche, gestalterische sowie spielerische Übungen ausgeführt, um eine Verbesserung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten zu erzielen. Ziel dieser Therapieform ist es, eine weitgehende Handlungsfreiheit im Alltag zu erreichen. Die Physiotherapie versucht motorische Defizite abzubauen. Bei der Logopädie liegt der Fokus auf der Normalisierung von Sprachauffälligkeiten - z.B. in der Lautstärke, Tonlage oder Sprachgeschwindigkeit.

5.5 Medikamentöse Behandlung

Es gibt keine kausal wirksamen Medikamente gegen Autismus. Begleitsymptome wie Angst, Depressionen, Aggressivität oder Zwänge können jedoch mit Psychopharmaka wie Antidepressiva, Neuroleptika oder Benzodiazepinen behandelt werden.

5.6 Ergänzende Maßnahmen

Zur Therapie des Autismus werden auch Musik-, Kunst-, Reit- und Delfintherapien sowie Massagen eingesetzt. Die Wirksamkeit dieser Therapien ist zum Teil umstritten. Sie können die Lebensqualität steigern, indem sie positiv auf Stimmung, Ausgeglichenheit und Kontaktfähigkeit wirken.

6 Weblinks

Begriffslexikon zum Thema Autismus

Tags:

Fachgebiete: Kinderheilkunde

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