DSM-5
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LoslegenSynonym: DSM-V
Englisch: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders 5
Definition
DSM-5 ist die Abkürzung für die 5. Auflage des "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" (DSM). Es handelt sich um ein Klassifikationssystem für psychische Störungen, das von der American Psychiatric Association herausgegeben wird.
Der DSM-5 löste im Mai 2013 seinen Vorläufer, das DSM-IV, ab. Seit März 2022 liegt mit dem DSM-5-TR (Text Revision) eine überarbeitete Fassung vor.
Hintergrund
In der klinischen Psychologie sowie der medizinischen Psychiatrie gilt das DSM neben dem ICD-10 bzw. ICD-11 als Standardwerk zur Diagnose von psychischen Erkrankungen.
Veränderungen
Folgende Punkte wurden in der Aktualisierung vom DSM-IV auf das DSM-5 verändert:
- Veränderung der lateinischen Ausgabeziffer in eine arabische Ziffer
- Aufhebung des multiaxialen Systems
- Neuordnung verschiedener Störungskategorien und einzelner Störungen
- Einführung neuer Diagnosen (z.B. leichte kognitive Störung, Binge-Eating-Störung, prämenstruelle dysphorische Störung, Pathologisches Horten)
- Anpassung der Diagnosenanzahl: Die Zahl spezifischer Diagnosen wurde von 172 (DSM-IV) auf 157 reduziert; gleichzeitig wurden 15 neue Störungen eingeführt, zwei gestrichen und 22 zusammengefasst.
Aufbau
Das DSM-5 ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil gibt kurz grundlegende Informationen zum Gebrauch des Manuals. Danach folgen auf über 900 Seiten die diagnostischen Kriterien und Kodierungen (siehe dazu Punkt 4 Kategorien). Der dritte Teil schildert in Entwicklung befindliche Instrumente und Modelle zur Diagnostik von psychischen Störungen. Hierbei wird neben aktuellen Forschungsschwerpunkten psychischer Erkrankungen auch ein Überblick über kulturell gebundene Leidenskonzepte gegeben. Zudem wird für jeden DSM-Code der entsprechende ICD-Code zur Diagnosestellung bei den einzelnen Störungen sowie im Anhang beigefügt. Zusätzlich stellen die Autoren ein Glossar für Fachbegriffe im Anhang zur Verfügung.
Kategorien
Insgesamt werden im DSM-5 22 diagnostische Kategorien unterschieden:
- Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung
- Schizophrenie-Spektrum und andere psychotische Störungen
- Bipolare und verwandte Störungen
- Depressive Störungen
- Angststörungen
- Zwangsstörungen und verwandte Störungen
- Trauma- und belastungsbezogene Störungen
- Dissoziative Störungen
- Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen
- Fütter- und Essstörungen
- Ausscheidungsstörungen
- Schlaf-Wach-Störungen
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Geschlechtsdysphorie
- Disruptive, Impulskontroll- und Sozialverhaltensstörungen
- Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen und abhängigen Verhaltensweisen
- Neurokognitive Störungen (NCD)
- Persönlichkeitsstörungen
- Paraphile Störungen
- Andere psychische Störungen
- Medikamenteninduzierte Bewegungsstörungen und andere unerwünschte Medikamentenwirkungen
- Andere klinisch relevante Probleme
Angemerkt wird, dass sich die Bezeichnung sowie Zuordnung verschiedener psychischer Störungen zu bestimmten Störungskategorien vom ICD-10 unterscheidet.
Textrevision (DSM-5-TR)
Im März 2022 veröffentlichte die American Psychiatric Association eine Textrevision des DSM-5, das DSM-5-TR. Es stellt seither die aktuelle Version des Manuals dar. Die deutschsprachige Ausgabe erschien 2025 im Hogrefe Verlag.
Die wesentlichen Änderungen gegenüber dem DSM-5 von 2013 sind:
- Aufnahme einer neuen Diagnose: der anhaltenden Trauerstörung (engl. "prolonged grief disorder"), eingeordnet im Kapitel der Trauma- und belastungsbezogenen Störungen. Sie beschreibt eine über mehr als zwölf Monate nach dem Verlust einer nahestehenden Person fortbestehende, klinisch bedeutsame Trauerreaktion.
- Ergänzung neuer ICD-10-CM-Symptomcodes für suizidales Verhalten und nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten.
- Klarstellende Anpassungen der diagnostischen Kriterien bei über 70 Störungen.
- Aktualisierung der Beschreibungstexte der meisten Störungen auf Basis einer umfassenden Literaturauswertung unter Mitwirkung von über 200 Fachleuten.
- Überarbeitung der Texte hinsichtlich der Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung auf Diagnostik und Erscheinungsbild psychischer Störungen sowie sprachliche Anpassungen.
Die Kapitelstruktur und die diagnostischen Kategorien blieben gegenüber dem DSM-5 weitgehend unverändert.
Anwendung
Das DSM-5 kann zwar nicht in Deutschland zur Diagnosestellung verwendet werden, da psychische Störungen nach dem ICD-System kodiert werden, jedoch ist es insbesondere in der Forschung aufgrund seiner genaueren Kriterienbeschreibungen und vieler zusätzlicher Anmerkungen ein beliebteres Klassifizierungssystem als der ICD-10. Die Verwendung des SKID-5 (Strukturiertes klinisches Interview für DSM) ist zurzeit nur im englischsprachigen Bereich möglich.
Literatur
- Falkai und Wittchen, Diagnostische Kriterien DSM-5-TR, Hogrefe, Göttingen, 2025
- Ehret und Berking, DSM-IV und DSM-5: Was hat sich tatsächlich verändert?, Verhaltenstherapie, 2013
- Regier et al., The DSM‐5: Classification and criteria changes, World Psychiatry, 2013
- Psychiatry.org - DSM, abgerufen am 02.12.2025