Sexualstörung
Synonyme: Sexuelle Dysfunktion, sexuelle Störung, sexuelle Funktionsstörung
Englisch: sexual disorder, sexual dysfunction
Definition
Eine Sexualstörung sind anhaltende Störungen der sexuellen Reaktion oder des sexuellen Erlebens, die zu individuellem Leidensdruck oder Partnerschaftsproblemen führen. Sie betreffen eine oder mehrere Phasen der sexuellen Reaktion (z.B. Verlangen, Erregung, Orgasmus) und bestehen in der Regel über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten.
Hintergrund
Nach der WHO wird sexuelle Gesundheit "als Zustand physischen, seelischen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität" definiert. Sie "erfordert einen positiven und respektvollen Umgang mit Sexualität und sexuellen Beziehungen sowie die Möglichkeit, lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen zu machen, die frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt sind".
Einteilung
Nach aktuellen Klassifikationssystemen (ICD-11, DSM-5-TR, ICSM) erfolgt die Einteilung nach Funktionsbereichen:
- Störungen des sexuellen Verlangens/Interesses (z.B. hypoaktive sexuelle Luststörung)
- Erregungsstörungen (z.B. erektile Dysfunktion, weibliche sexuelle Erregungsstörung)
- Orgasmusstörungen (verzögerter, ausbleibender oder belastender Orgasmus)
- Sexuelle Schmerzstörungen (z.B. Dyspareunie, genito-pelvine Schmerz-/Penetrationsstörung)
Ältere Klassifikationssysteme (z.B. DSM-IV) umfassten zudem Sexualstörungen aufgrund körperlicher Erkrankungen ("sexual dysfunction due to a general medical condition") und substanzinduzierte Sexualstörungen ("Substance-Induced Sexual Dysfunktion").
Ätiologie
Sexualstörungen sind meist multifaktoriell bedingt. Wichtige Einflussfaktoren sind:
- Somatische Ursachen
- Hormonelle Störungen
- Medikamente und Substanzen
- Psychopharmaka (z.B. SSRI)Alkohol
- Drogen
- Psychische Faktoren
- Partnerschaftliche Faktoren
- Konflikte
- sexuelle Unzufriedenheit
- Soziokulturelle Einflüsse
Diagnose
Zunächst werden organische Erkrankungen durch internistische, gynäkologische oder urologische Untersuchungen ausgeschlossen. Liegt ein psychische Ursache vor, werden im Gespräch mit dem Betroffenen vorsichtig die vorliegenden Störungen exploriert.
Therapie
Die Therapie organisch bedingter Sexualstörungen richtet sich nach der auslösenden Ursache. Genitalinfektionen werden medikamentös behandelt. Handelt es sich um eine psychisch bedingte sexuelle Funktionsstörung, wird der Patient – oft zusammen mit seinem Partner im Rahmen einer Paartherapie – von einem Sexualtherapeuten betreut. Hier werden in psychotherapeutischen Sitzungen die Ursachen besprochen.