Paraphilie
von altgriechisch: παρά ("pará") - abseits, neben; φιλία ("philía") - Freundschaft, Liebe
Synonym: sexuelle Devianz (veraltet)
Englisch: paraphilia
Definition
Eine Paraphilie ist ein anhaltendes Muster sexueller Erregung bzw. sexuellen Interesses, das sich auf ungewöhnliche Objekte, Situationen oder Zielpersonen bezieht. Sie stellt für sich genommen keine psychische Störung dar, kann aber in eine solche übergehen.
Abgrenzung
Nach neueren Klassifikationen (ICD-11, DSM-5-TR) wird die Paraphilie von der paraphilen Störung (engl. paraphilic disorder) abgegrenzt. Für eine paraphile Störung müssen zusätzlich klinisch relevante Kriterien erfüllt sein, insbesondere:
- ausgeprägter Leidensdruck
- Einbeziehung nicht einwilligungsfähiger bzw. nicht einwilligender Personen
- erhebliches Risiko der Schädigung anderer Personen
In der klinischen Alltagssprache werden beide Begriffe häufig synonym verwendet.
Klassifikation
In der ICD-10 wurden Paraphilien als „Störungen der Sexualpräferenz“ (F65) eingeordnet, auch bei einvernehmlichen Verhaltensweisen. Die ICD-11 unterscheidet klar zwischen Paraphilien und paraphilen Störungen. Paraphilien ohne Leidensdruck oder Gefährdung werden nicht als Erkrankung klassifiziert und gelten als Normvarianten menschlicher Sexualität.
Beispiele
Beispiele für paraphile Ausprägungen sind:
- Fetischismus
- Sadomasochistische Praktiken (bei Einvernehmlichkeit)
- Rollenspiele mit spezifischen Erregungsmustern
Klinische Relevanz
Eine Paraphilie ist nur dann behandlungsbedürftig, wenn sie die Kriterien einer paraphilen Störung erfüllt.
Quellen
- Krueger et al., Proposals for Paraphilic Disorders in the International Classification of Diseases and Related Health Problems, Eleventh Revision (ICD-11), Arch Sex Behav, 2017