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Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen

Englisch: somatic symptom and related disorder

1 Definition

Die Störungskategorie Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen ist eine relativ neue diagnostische Gruppe im DSM-5. In dieser Gruppe werden verschiedene Störungen subsumiert, wobei allen gemeinsam ist, dass körperliche Symptome im Vordergrund stehen.

2 Hintergrund

Die Idee dieser Störungskategorie ist, dass eine psychische Störung auch dann vorliegen kann, wenn körperliche Symptome im Vordergrund stehen. Es wird eine positive Diagnose gestellt, die zusätzlich zur körperlichen Ursache oder Diagnose besteht. Insbesondere qualifizieren der affektive, kognitive und verhaltensbezogene Umgang mit der Symptomatik die Diagnose.

Während in früheren DSM-Versionen die Bedeutung medizinisch unerklärter Symptome hervorgehoben wurde, fallen diese nun nur noch unter die Diagnose Konversionsstörung. Die früher angewendete Entscheidung zur Diagnosestellung einer psychischen Störung bei Personen, bei denen keine körperliche Ursache auffindbar ist, fördert den Leib-Seele-Dualismus. Davon wird sich mit dieser Störungskategorie abgewendet und für eine verlässliche Diagnose wird die Erklärung eines körperlichen Befunds gefordert.

Von der Einführung der Kategorie verspricht man sich eine Abnahme der Diagnose Hypochondrie (Krankheitsangststörung), die von vielen Betroffenen als stigmatisierend empfunden wird. Stattdessen werden diese Patienten nun mit einer Somatischen Belastungsstörung diagnostiziert.

3 Einteilung

Folgende psychische Störungen werden unterschieden nach der Kategorie:

Störung Beschreibung
Somatische Belastungsstörung
(ICD-Code: F45.1)
Ein/mehrere körperliche Symptome, die zu erheblichen Einschränkungen des Alltags führen und exzessive Gedanken/Gesundheitssorgen/Ängste bzgl. der Symptome.
Krankheitsangststörung
(ICD-Code: F45.21)
Übermäßige Beschäftigung damit, eine ernsthafte Krankheit zu haben. Körperliche Symptone nicht oder nur gering vorliegend. Ängste bzgl. der eigenen Gesundheit. Persistierend seit 6 Monaten.
Konversionsstörung
(ICD-Code: F44.x)
Veränderte motorische oder sensorische Funktionen. Nicht übereinstimmend zu neurologischer Symptomatik.
Psychologische Faktoren, die eine körperliche Krankheit beeinflussen
(ICD-Code: F54)
Ein/mehrere körperliche Symptome vorliegend. Psychologische Faktoren/Verhaltensfaktoren beeinflussen diese nachteilig, bspw. bei Manifestation, Verlauf oder Therapie.
Vorgetäuschte Störung
(ICD-Code: F68.10)
Vortäuschen körperlicher oder psychischer Symptome. Täuschungsverhalten ist offensichtlich.
Andere näher bezeichnete somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen
(ICD-Code: F45.8)
Kurze Somatische Belastungsstörung oder Krankheitsangststörung. Scheinschwangerschaft. Krankheitsangststörung ohne exzessives gesundheitsbezogenes Verhalten.
Nicht näher bezeichnete somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen
(ICD-Code: F45.9)
Keine vollständige Erfüllung der Kriterien.

4 Ätiologie

Als Ursachen der einzelnen Störungen in der Kategorie "Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen" gelten genetische und biologische Vulnerabilitäten (z.B. erhöhte Schmerzempfindlichkeit), traumatische Erfahrungen, Lernprozesse nach Krankheitserfahrungen sowie kulturelle und soziale Normen, die psychisches Leiden stigmatisieren und stattdessen physisches Leiden akzeptieren.

5 Differentialdiagnose

Auch bei anderen psychischen Störungen können körperliche Krankheiten auftreten. Es ist wichtig, diese von der Somatische Belastungsstörung abzugrenzen. Dazu zählen:

Zudem muss auch von Komorbiditäten der hier genannten Störungen mit affektiven Störungen ausgegangen werden.

6 Therapie

Zur Therapie aller Störungen in dieser Kategorie eignet sich eine kognitiv-behaviorale Verhaltenstherapie. Zudem sollte das Arzt-Patienten-Verhältnis durch Vertrauen und Akzeptanz geprägt sein. Weiterhin eignen sich Entspannungsverfahren und körperliche Aktivitäten als Form der Symptomprovokation.

7 Quellen

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