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Tic-Störung

1 Definition

Unter einer Tic-Störung versteht man das wiederholte Auftreten unwillkürlicher Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen (Tics) oder wiederholte, unwillkürliche vokale Äußerungen.

2 Epidemiologie

Zwischen fünf und fünfzehn Prozent aller Kinder sind im Laufe ihrer Kindheit von einer Tic-Störung betroffen. Bei Erwachsenen tritt die Erkrankung deutlich seltener auf. Jungen erkranken häufiger und schwerer als Mädchen.

3 Ätiopathogenese

Die Ätiopathogenese der Tic-Störung ist noch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass eine genetische Komponente eine Rolle spielt, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt.

Vermutlich liegt der Tic-Störung eine Störung im serotonergen und dopaminergen Neurotransmittersystem zugrunde, die insbesondere den motorischen Cortex und das Mesencephalon betrifft.

Psychoanalytiker gehen davon aus, dass im Rahmen einer Tic-Störung Affekt- und Triebspannungen reduziert werden. In Tic-Störungen werden seelische Konflikte körperlich dargestellt.

Bei erwachsenen Menschen führen Stress und Belastungen häufig zur Verstärkung von Tic-Störungen.

4 Klinik

Man unterscheidet zwischen motorischen und vokalen Tics. Zu den motorischen Tics gehören die einfachen Tics (z.B. das Blinzeln mit den Augen) und die komplexen Tics (z.B. das Anfassen von Gegenständen). Vokale Tics können ebenfalls einfach sein (z.B. Grunzen) oder komplex (z.B. ganze Sätze).

Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom imponiert durch mehrere motorische und vokale Tics.

Unterschieden wird zwischen den vorübergehenden Tics, die über weniger als zwölf Monate bestehen, und den chronischen Tics bei einer Dauer von mehr als zwölf Monaten.


5 Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch sollte an Dyskinesien, Zwangshandlungen, an eine Epilepsie sowie an Stereotypien (z.B. bei Autismus) gedacht werden.

6 Diagnostik

Die Diagnose wird in der Regel anhand von Anamnese und Klinik gestellt. Wenn andere Erkrankungen nicht eindeutig ausgeschlossen werden können, erfolgen weitergehende neurologische Untersuchungen. Zu diesen gehören z.B. ein EEG oder ein Computertomogramm oder ein Magnetresonanztomogramm des Schädels.

7 Therapie

Die Tic-Störung wird pharmakologisch und nicht-pharmakologisch behandelt.

Wenn die Tic-Störung sehr ausgeprägt ist, kann das Medikament Tiaprid oder atypische Neuroleptika eingesetzt werden.

Bei der nicht-pharmakologischen Therapie stehen eine Psychotherapie, in der vor allem aktuelle Probleme geklärt werden sollten, und Entspannungsübungen im Vordergrund.

8 Prognose

Bei Tic-Störungen liegt die Spontanremissionsrate bei ca. sechzig Prozent. Wenn die Erkrankung im Kindesalter aufgetreten ist, nimmt ihre Intensität häufig im Laufe der Zeit ab.

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