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Fragiles-X-Syndrom

Synonyme: Syndrom des fragilen X-Chromosoms, Marker-X-Syndrom, Martin-Bell-Syndrom, fra(X)-Syndrom
Englisch: fragile X syndrome

1 Definition

Das Fragiles-X-Syndrom ist eine Erbkrankheit, die vor allem – jedoch nicht ausschließlich - bei Männern auftritt und bei den Betroffenen unter anderem zu geistiger Behinderung führt.

Ursache der Erkrankung ist eine Mutation auf dem X-Chromosom: das FMR1-Gen am Genlocus Xq27.3 ist hierbei mutiert.

2 Hintergrund

Beim Fragiles-X-Syndrom ist eine genetische Antizipation möglich. Das bedeutet, dass die Erkrankung im Lauf der nachfolgenden Generationen immer früher auftritt und schwerer verläuft.

Unter bestimmten Bedingungen kann eine Bruchstelle am X-Chromosom (fragiler Bereich) nachgewiesen werden, was dem Syndrom seinen Namen gab.

Des weiteren führt die Prämutation (55-200 Repeats) zu einem erhöhten Risiko für primäre Ovarialinsuffizienz und bei Männern zum sog. Fragiles-X-Tremor-Ataxie-Syndrom (FXTAS).

3 Epidemiologie

Für die Häufigkeit des Syndroms gibt es in der Literatur sehr unterschiedliche Angaben. Die Angaben zur Inzidenz schwanken zwischen 1:1.200 bis 1:4.000 bei Männern und 1:2.500 bis 1:6.000 bei Frauen. Damit ist es nach der Trisomie 21 die zweithäufigste Form von genetisch bedingter geistiger Behinderung.

Männer, die ein fragiles X-Chromosom haben, jedoch gesund sind, übertragen das Gen auf ihre Nachkommen: Söhne tragen hierbei kein Krankheitsrisiko, Töchter jedoch werden Trägerinnen der Prämutation, zum Teil auch der Vollmutation. Trägerinnen der Prämutation sind symptomfrei; liegt eine Vollmutation vor, kann eine unterschiedlich ausgeprägte Intelligenzminderung vorliegen.

4 Symptome

Leitsymptom des Fragiles-X-Syndrom ist eine Intelligenzminderung, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Dazu kommen häufig weitere Auffälligkeiten des Verhaltens und der Gehirnfunktion, von denen einige in der folgenden Auflistung genannt werden:

Darüber hinaus gibt es körperliche Auffälligkeiten beim Fragiles-X-Syndrom:

  • auffälliges Gesicht
    • lange, ovale Gesichtsform
    • große und abstehende Ohren
    • Progenie: Vorstehen des Kinns
    • hervorspringende Stirn
  • Hodenvergrößerung
  • gelegentlich Skoliose und Fußdeformitäten

All diese Symptome können, müssen aber nicht im Rahmen eines Fragiles-X-Syndroms auftreten.

Die Erkrankung kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten. Da bei Frauen jedoch eines der beiden X-Chromosomen in den Körperzellen inaktiviert wird, sind die Symptome bei betroffenen Frauen oft weniger schwer ausgebildet als bei Männern.

5 Diagnose

Zur Diagnose eines Fragiles-X-Syndroms kann die brüchige Stelle am X-Chromosom (fra(X)(q)) im Karyogramm nachgewiesen werden, was jedoch eine relativ unsichere Methode ist.

Oft wird der Nachweis einer Triplettexpansion zur Diagnostik herangezogen: hierbei testet man die Anzahl der Wiederholungen eines Cytosin-Guanin-Guanin-Basentripletts in der fraX-Gensequenz. Die Triplett-Repeats selbst liegen im Intron. Gesunde Personen haben ca. 50-200 Wiederholungen dieses Basentripletts, Erkrankte haben über 200 Wiederholungen.

Als Tests dienen heute vor allem PCR (Polymerasekettenreaktion) und immunhistochemische Methoden zur direkten Bestimmung der Proteinkonzentration des betreffenden FMR-Gens (Markierung mit monoklonalen Antikörpern).

Als pränatale Diagnosemethoden stehen heute die Chorionzottenbiopsie (10.-12. Schwangerschaftswoche) und die Amniozentese (16.-18. Schwangerschaftswoche) zur Verfügung.

6 Therapie

Das Fragiles-X-Syndrom ist eine angeborene Erkrankung, die an sich nicht geheilt werden kann. Die Therapie ist somit auf die Symptome beschränkt.

Wichtig ist die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen (z.B. Psychiatrie, Pädiatrie, Neurologie etc.) um eine optimale Behandlung des Patienten zu ermöglichen. Bestandteile der Therapie sind beispielsweise logopädische Förderung und Verhaltenstherapie.

Tags:

Fachgebiete: Genetik, Humangenetik

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