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Medizinische Umgangssprache

Synonym: Medizinische Alltagssprache

1 Definition

Die medizinische Umgangssprache ist eine abgewandelte, vereinfachte Form der medizinischen Fachsprache. Sie ist die Kommunikationsform, die von Ärzten und Angehörigen anderer Heilberufe im klinischen Alltag verwendet wird.

2 Hintergrund

Viele medizinische Fachbegriffe sind zu lang und zu kompliziert, um sie im klinischen Alltag zu verwenden. Anstelle der systematischen Bezeichungen werden daher häufig vereinfachte oder "nachlässigere" Ausdrücke verwendet. So werden lateinische Bezeichnungen eingedeutscht oder verbreitete Produktnamen statt der korrekten Gattungsnamen verwendet. Begriffe werden verkürzt und griffige Abkürzungen verwendet.

Typisch ist auch die persistierende Verwendung von alten Begriffen, die inhaltlich überholt, aber gut bekannt und weit verbreitet sind, zum Beispiel "Mycosis fungoides" statt "kutanes T-Zell-Lymphom" oder "AT III" statt "Antithrombin".

3 Beispiele

Fachausdruck Umgangssprache
Musculus biceps brachii Bizeps
Urinkultur Uricult®
Suprapubischer Blasenkatheter Cystofix®
Peripherer Venenkatheter Braunüle® oder Viggo®
Sonografie Sono
Echokardiographie Echo
Koloskopie Kolo
Endoskopie Endo
Cholezystektomie Gallen-OP oder "Galle"
Orale Antikoagulation Marcumarisierung
Molekulargenetische Untersuchung Gentest oder PCR
labordiagnostisch laborchemisch

4 Anmerkungen

Wie alles in der Medizin hat auch die Umgangssprache Risiken und Nebenwirkungen. Häufig sind Begriffe nicht eindeutig:

Für Uneingeweihte kann die Umgangssprache den Zugang zu Fachwissen erschweren oder sie als "Neulinge" abstempeln. Die Begriffsbildung ist oft tradiert und nicht logisch ableitbar:

Die medizinische Umgangssprache wandelt sich wie jede lebendige Sprache. Was gestern noch allgemeinverständlich war, kennt heute niemand mehr. Zum Beispiel wurde in den 1990er Jahren, als das Buch "House of God" Kult war, im Krankenhaus ständig "geturft" und "gewarpt" und die Notaufnahme war voller "Gomer". Dieser Trend ist stark rückläufig. Der Begriff "dottern" für die Durchführung einer Ballonangioplastie ist praktisch verschwunden, ebenso der "Astrup" als Synonym für die Blutgasanalyse.

Die dunkle Seite der Umgangssprache sind Begriffe, die die Arzt-Patient-Beziehung beschädigen können, weil sie Krankheitsbilder oder Untersuchungen ins Lächerliche ziehen oder von Ärzten benutzt werden, um sich ohne Wissen der zuhörenden Patienten über sie auszutauschen, wie "C2-Abusus" für die Alkoholsucht, "Fumator maximus" für Kettenraucher, "mediterraner Ganzkörperschmerz" für eine aus soziokulturellen Gründen veränderte Schmerzwahrnehmung oder "Hafenrundfahrt" für eine rektale Untersuchung.

5 Weblinks

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