Prosodie
von altgriechisch: προσῳδία ("prosōdía") - Hinzugesang
Synonyme: Sprechmelodie, Sprachrhythmus, Intonation
Englisch: prosody, speech prosody, intonation
Definition
Als Prosodie werden komplexe Spracheigenschaften oberhalb der Lautebene bezeichnet. Darunter fallen alle rhythmischen, melodischen und akzentuierenden Aspekte der Sprache (z.B. Intonation, Lautstärke, Pausen), die sowohl Sprachverständnis als auch die soziale Interaktion beeinflussen. Es handelt sich um ein Teilgebiet der Phonologie und der Phonetik.
Einteilung
Linguistische Prosodie
Die linguistische Prosodie dient der Strukturierung und Gliederung von Sprache. Sie umfasst die Intonation, die Betonung von Wörtern und Silben, die beispielsweise zwischen Aussagen, Fragen oder Ausrufen unterscheidet. Gleichzeitig unterstützt sie die Hervorhebung neuer oder besonders wichtiger Informationen.
Emotionale Prosodie
Die emotionale Prosodie vermittelt Gefühle wie Freude, Ärger, Überraschung oder Traurigkeit und kann dabei nonverbale Signale wie Tonhöhe, Lautstärke und Sprechrhythmus modulieren, um die emotionale Bedeutung der Äußerung zu verstärken.
Sprechrhythmus und Pausen
Der Sprechrhythmus und die gezielte Verwendung von Pausen beeinflussen das Sprachverständnis unterstützen die Kategorisierung und Strukturierung von Satzkonstruktionen.
Physiologie
Die Prosodie wird durch Bewegungen von Kehlkopf, Zunge, Lippen, Atemmuskulatur und Resonanzräumen erzeugt. Dabei spielt das zentrale Nervensystem eine wichtige Rolle. Die linke Hemisphäre ist vor allem für sprachstrukturelle Aspekte wie Syntax und die Betonung von Wortsegmenten zuständig, während die rechte Hemisphäre emotionale und melodische Aspekte der Sprache steuert.
Klinik
Störungen der Prosodie können bei verschiedenen Erkrankungen auftreten, darunter:
Klinisch äußern sich diese Störungen durch eine monotone Sprache, fehlende Betonungen, unpassende Intonation, gestörten Rhythmus oder eine reduzierte Fähigkeit, emotionale Nuancen in der Sprache auszudrücken.
Die Psyche hat eine wichtigen Einfluss auf die Prosodie. Bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen wirkt die Sprache oft verlangsamt, die Sprachmelodie klingt wenig moduliert. Ähnliches gilt für das Asperger-Syndrom. Auch hier klingt die Stimme häufig verlangsamt, monoton und wenig lebendig. Umgekehrt kann im Rahmen einer Manie die Sprache beschleunigt und überakzentuiert wirken.
Diagnostik
Die Diagnostik prosodischer Störungen erfolgt durch eine Kombination aus objektiven und subjektiven Verfahren. Dazu gehören die akustische Analyse von Tonhöhe, Lautstärke, Dauer und Rhythmus sowie die perzeptive Beurteilung durch Logopäden oder Sprachtherapeuten.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach Ursache und Ausprägung der Störung. Sie umfasst logopädisches Training zur gezielten Modulation von Tonhöhe, Lautstärke, Rhythmus und Intonation sowie Übungsprogramme zur Wahrnehmung und Differenzierung prosodischer Muster.
Bei neurologischen Ursachen können ergänzend physiotherapeutische oder medikamentöse Maßnahmen erforderlich sein.
Literatur
- Kehrein, Prosodie und Emotionen, Walter de Gruyter, 2013
- Günther, Prosodie und Sprachproduktion, Walter de Gruyter, 2013
- Selting, Prosodie im Gespräch: Aspekte einer interaktionalen Phonologie der Konversation, Walter de Gruyter, 2012