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Atypischer Autismus

1 Definition

Atypischer Autismus ist ein nach neuerer (2019) Klassifikation obsoleter Subtyp der Autismus-Spektrum-Störung. Nach älterem Verständnis wurde der atypische Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet. Er unterschied sich vom frühkindlichen Autismus durch das Erkrankungsalter (> 3. Lebensjahr) und/oder durch das Fehlen von Auffälligkeiten in einem der drei Kernbereiche.

  • ICD10-Code: F84.1 Atypischer Autismus (tiefgreifende Entwicklungsstörungen)
  • DSM-5: 299.00 Autismus-Spektrum-Störung

2 Nomenklatur

Seit der Klassifikation nach DSM-5 und ICD-11 werden die einzelnen autistischen Unterformen nicht mehr als einzelne Diagnosen erfasst, sondern die Hauptdiagnose Autismus-Spektrum-Störung vergeben. Dies verdeutlicht, dass das autistische Spektrum fließend ist und zur Zeit (2019) keine klare Abgrenzung von Subtypen möglich ist.

3 Epidemiologie

Die Prävalenz des atypischen Autismus beträgt ca. 2 - 10/10.000. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

4 Ätiologie

Die genaue Ursache des atypischen Autismus ist unbekannt. Allen Autismusformen liegen neurobiologische Risikofaktoren zugrunde, welche die Entwicklung des Nervensystems beeinflussen. Weiterhin wird der Erkrankungsverlauf durch psychosoziale Faktoren modifiziert.

Bei Autismus-Spektrum-Störungen sind verschiedene genetische Risikofaktoren identifiziert, die teilweise vererbt, teilweise auch de novo entstehen. Die Heritabilität von Autismus-Spektrum-Störungen liegt vermutlich bei 40 bis 80 %. Weitere Risikofaktoren sind z.B.

Inzwischen ausgeschlossene Risikofaktoren sind Impfungen, gastrointestinale Erkrankungen des Kindes sowie Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft.

5 Klinik

Der atypische Autismus manifestiert sich erst nach dem dritten Lebensjahr in folgenden Kernbereichen:

  • Beeinträchtigung der sozialen Interaktion:
  • Beeinträchtigung der Kommunikation:
  • Stereotypes, repetitives Verhalten:
    • Zwanghhaftigkeit: gleichförmige motorische Bewegungen und ritualisiertes Verhalten
    • Angst vor Veränderung
    • kein symbolisches Spielen (z.B. mit Puppen), oft spezielle Sonderinteressen

6 Diagnose

Beim atypischen Autismus müssen Defizite in mindestens zwei Kernbereichen situationsübergreifend ab dem 3. Lebensjahr vorliegen. Mittels Untersuchungen in der psychiatrischen Praxis oder durch private Videoaufzeichnungen kann das Verhalten des Kindes in verschiedenen Situationen beobachtet und beurteilt werden. Des Weiteren existieren standardisierte Testverfahren, z.B. die diagnostische Beobachtungsskala für autistische Störungen (ADOS).[1] Außerdem muss der Entwicklungsstand, die Intelligenz und weitere neuropsychologische Funktionen eingeschätzt werden.

Die Diagnose des atypischen Autismus erfordert somit ein interdisziplinäres Vorgehen incl. ausführlicher Anamnese und körperlicher Untersuchung, Durchführung eines Elektroenzephalogramms, einer Hör- und Sehprüfung sowie einer genetischen Untersuchung zum Ausschluss anderer Erkrankungen (z.B. Rett-Syndrom, Fragiles-X-Syndrom).

Der atypische Autismus wird häufig vom Asperger-Syndrom abgegrenzt. Beide Erkrankungen ähneln sich in Aspekten der sozialen Interaktion und hinsichtlich des stereotypen Verhaltens. Patienten mit Asperger-Syndrom besitzen jedoch i.d.R. einen normalen bis hohen Intelligenzquotienten und zeigen keine Verzögerung der kognitiven Entwicklung oder der Sprachentwicklung.

7 Komorbiditäten

8 Therapie

Eine kausale Therapie ist derzeit (2019) nicht möglich. Je nach Auftreten von Komorbiditäten und individuellen Problemen existiert eine Vielzahl an möglichen symptomatischen Therapieansätzen:

9 Quellen

  1. ISBN 3-642-19845-7

Diese Seite wurde zuletzt am 12. November 2019 um 20:06 Uhr bearbeitet.

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