Olanzapin
Handelsnamen: Zyprexa®, Zalasta® u.a.
Synonym: Olanzapinum
Englisch: olanzapine
Definition
Olanzapin ist ein atypisches Neuroleptikum, das zur Behandlung von Schizophrenie und manischen Episoden sowie zur Rückfallprophylaxe der bipolaren Störung eingesetzt wird. Verglichen mit anderen Neuroleptika hat es ein geringes Risiko für die Entwicklung extrapyramidalmotorischer Störungen (EPS).
Chemie
Olanzapin ist ein Thienobenzodiazepin-Derivat. Die chemische Bezeichnung ist 2-Methyl-10-(4-methylpiperazin-1-yl)-4H-3-thia-4,9-diazabenzo[f]azulen. Die Summenformel lautet C17H20N4S.
Wirkmechanismus
Olanzapin wirkt primär als Antagonist an zentralen D2-Rezeptoren und 5-HT2A-Rezeptoren. Darüber hinaus zeigt es eine antagonistische Wirkung an weiteren Rezeptoren, darunter 5-HT2C-, D1-, D4-, H1-, muskarinerge Acetylcholin- und α1-adrenerge Rezeptoren. Diese Interaktionen tragen wesentlich zu den sedierenden, anticholinergen und metabolischen Nebenwirkungen des Wirkstoffs bei.
Die vergleichsweise stärkere Blockade serotonerger gegenüber dopaminerger Rezeptoren gilt als wesentliche Ursache für das geringere Risiko extrapyramidalmotorischer Nebenwirkungen im Vergleich zu typischen Neuroleptika.
Strukturell und pharmakologisch ist Olanzapin mit Clozapin verwandt, weist jedoch ein deutlich geringeres Risiko für schwere hämatologische Nebenwirkungen auf. Fälle von Neutropenie oder Agranulozytose sind unter Olanzapin beschrieben, treten jedoch sehr selten auf.
Indikationen
Olanzapin ist zugelassen zur Therapie:[1]
- bei Schizophrenie zur Aufrechterhaltung der klinischen Besserung bei initialem Therapieansprechen, z.B. zur Behandlung von Psychosen, Wahnvorstellungen oderHalluzinationen
- bei mäßig schweren bis schweren manischen Episoden zur Phasenprophylaxe bipolarer Störungen bei Patienten, die initial auf eine Behandlung mit Olanzapin angesprochen haben
Darüber hinaus wird es off label u.a. eingesetzt bei:
Nebenwirkungen
Typische Nebenwirkungen sind z.B.:
Wechselwirkungen
Olanzapin wird durch CYP1A2 metabolisiert. CYP1A2-Induktoren können zu einem beschleunigten Abbau, CYP1A2-Hemmer zu Wirkspiegelerhöhungen führen. Auch Nikotinabusus und Carbamazepin beeinflussen den Olanzapin-Spiegel. Kombinationen mit Ziprasidon führen zu QT-Verlängerungen. Auch bei der Einnahme von Antiepileptika ist Vorsicht geboten, da Olanzapin die Krampfschwelle senken kann.
Kontraindikationen
Olanzapin darf nicht zusammen mit weiteren Medikamenten eingenommen werden, die eine Agranulozytose hervorrufen können (z.B. Carbamazepin). Weitere Kontraindikationen sind das Risiko eines Engwinkelglaukoms und eine Soja- oder Erdnussallergie.
Schwangerschaft und Stillzeit
Bisher liegen keine Hinweise auf teratogene Wirkungen beim Menschen vor. Bei Neugeborenen sind Anpassungsstörungen, selten auch Krampfanfälle möglich.
Im 1. Trimenon konnten vermehrt metabolische Störungen mit übermäßiger Gewichtszunahme und Gestationsdiabetes bei Schwangeren beobachtet werden.
Olanzapin tritt in die Muttermilch über (Milch/Plasma-Quotient 0,2-0,84). Ein sedierender Effekt sowie das Auftreten eines Tremors bei gestillten Kindern wurden berichtet.[2]
Therapeutisches Drug Monitoring
Die Referenzbereiche für das therapeutische Drug Monitoring (TDM) von Olanzapin im Blut bei Schizophrenie sind:[3]
- Schwellenwert: 20 ng/ml 12 Stunden nach der Verabreichung
- optimale Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren (65%-80%): 17 — 44 ng/ml
- Depotformulierung: 10 — 40 ng/ml
- orale Darreichungsform: 20 — 80 ng/ml, je nach Literatur auch 20 — 40 ng/ml
- Toxische Grenze: 100 ng/ml
ATC-Code
- N05AH03
Quellen
- ↑ Fachinformation Olanzapin, zuletzt abgerufen am 27.01.2026
- ↑ Olanzapin embryotox.de, abgerufen am 26.01.2026
- ↑ Wesner K et al. Therapeutic Reference Range for Olanzapine in Schizophrenia: Systematic Review on Blood Concentrations, Clinical Effects, and Dopamine Receptor Occupancy. J Clin Psychiatry. 2023