Rigor
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Loslegenvon lateinisch: rigor - Starre
Englisch: rigidity, lead-pipe rigidity
Definition
Als Rigor bezeichnet man eine gesteigerte Grundspannung der Skelettmuskulatur, die sich bei der passiven Bewegung einer Extremität als konstanter Widerstand bemerkbar macht. Rigor ist ein Kardinalsymptom der Parkinson-Krankheit.
Abgrenzung
Vom neurologischen Rigor abzugrenzen ist der Rigor mortis.
Epidemiologie
Rigor tritt bei einem Großteil der Patienten mit Parkinson-Syndrom auf und kann bereits in frühen Krankheitsstadien nachweisbar sein.
Pathogenese
Der Rigor gehört zu den Kardinalsymptomen des hypokinetisch-rigiden Parkinson-Syndroms und ist Ausdruck einer Störung des extrapyramidalen Systems (EPMS). Die genauen pathophysiologischen Vorgänge, die zu einem Rigor führen, sind bislang (2026) nicht vollständig geklärt. Aktuelle Übersichtsarbeiten heben eine veränderte Aktivität langer Reflexbögen sowie eine kombinierte Funktionsstörung von Basalganglien und kortikalen Zentren als wesentliche Faktoren hervor.[1]
Eine mögliche Ursache des Rigors ist die erhöhte Erregbarkeit langer Reflexbögen. Die schnelle Dehnung eines Muskels führt zu Reizantworten mit unterschiedlicher Latenzzeit. Die schnellste Antwort ist der monosynaptische Dehnungsreflex, der beim Schlag mit dem Reflexhammer auf eine Sehne ausgelöst wird. Reizantworten mit längerer Latenz beziehen kortikale Zentren ein und werden transkortikale Reflexe oder Long-Loop-Reflexe genannt. Es wird vermutet, dass eine Hyperaktivität dieser transkortikalen Reflexe sich klinisch als Rigor bemerkbar macht.[2] Da Willkürbewegungen der kontralateralen Körperseite einen Rigor verstärken oder aufdecken, geht man davon aus, dass Rigor kein einfaches Phänomen ist, sondern durch das komplexe Zusammenwirken mehrerer Gehirnzentren entsteht.[2]
Klinik
Häufig besteht eine Seitendifferenz mit initial asymmetrischer Ausprägung.
Der Rigor ist unabhängig von der Geschwindigkeit der passiven Bewegung und kann bereits bei sehr langsamer Bewegung in beide Richtungen ausgelöst werden. Die englische Bezeichnung "lead-pipe rigidity" vergleicht den Eindruck, den der Untersucher dabei hat, mit dem Biegen eines Bleirohrs. Im Gegensatz dazu nimmt die dem Rigor verwandte Spastizität mit der Geschwindigkeit der Bewegung zu. Klinisch können beide Phänomene gleichzeitig auftreten und sind nicht einfach voneinander zu differenzieren.
Eine Sonderform des Rigors ist das Zahnradphänomen, bei dem es im Verlauf der passiven Bewegung immer wieder zu einem kurzen, ruckartigen Nachgeben des Muskeltonus kommt. Dadurch verläuft die Bewegung abgehackt ("sakkadierend") wie beim Einrasten eines Zahnrads.
Klinische Tests
- Kopffalltest: Wird beim liegenden Patienten der Kopf angehoben, lässt der Patient ihn nicht in das Kopfkissen fallen, sondern hält ihn in der Schwebe. Ein Rigor tritt frühzeitig im Schulter- und Nackenbereich auf.
- Armpendeltest: Beim passiven Hin- und Herbewegen des Arms im Schultergelenk wird die Pendelbewegung vorzeitig abgebremst.
- Froment-Manöver: Latente Rigorphänomene können durch aktive Willkürbewegungen der kontralateralen Extremität verstärkt werden. Während der Patient beispielsweise mit der Gegenseite wiederholt die Faust öffnet und schließt, untersucht der Untersucher den passiven Bewegungswiderstand des betroffenen Arms.
- Handgelenkstest: Der Untersucher bewegt das Handgelenk passiv in Flexion und Extension. Ein gleichmäßiger, geschwindigkeitsunabhängiger Widerstand spricht für einen Rigor. Beim Zahnradphänomen zeigt sich ein ruckartiges Nachgeben des Widerstands.
Differentialdiagnosen
Verschiedene Formen der pathologischen Tonuserhöhung sind vom Rigor abzugrenzen:
- Spastizität: geschwindigkeitsabhängiger Dehnungswiderstand mit Taschenmesserphänomen, Ausdruck einer Läsion des pyramidalen Systems
- Gegenhalten (Paratonie): unwillkürlicher, wechselnder Widerstand gegen passive Bewegungen, v.a. bei frontalen Hirnschädigungen
- Rigor mortis: postmortale Muskelstarre ohne neurologische Ursache
Ein Rigor ist nicht spezifisch für die idiopathische Parkinson-Krankheit, sondern tritt auch bei atypischen und sekundären Parkinson-Syndromen sowie beim medikamentös induzierten Parkinsonismus auf.
Quellen
- ↑ Kumar S, Goyal L, Singh S. Tremor and Rigidity in Patients with Parkinson's Disease: Emphasis on Epidemiology, Pathophysiology and Contributing Factors. CNS Neurol Disord Drug Targets. 2022;21(7):596-609.
- ↑ 2,0 2,1 Baradaran N, Tan SN, Liu A, et al. Parkinson's Disease Rigidity: Relation to Brain Connectivity and Motor Performance. Front Neurol. 2013;4:67.