Vom 12. bis 28. Juni steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
Bearbeiten

Zur Zeit steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Autoren, Wir sind gen Süden gefahren und machen eine Pause. Deswegen steht das Flexikon vom 12. bis 27. Juni 2021 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 28. Juni könnt ihr wieder mit voller Kraft losschreiben. Unser Tipp: Genießt die Sonne! Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr frisch erholt wiederkommt! Bis bald Euer Flexikon-Team

Amatoxin-Syndrom

(Weitergeleitet von Knollenblätterpilzvergiftung)

Englisch: amatoxin poisoning, amatoxin-syndrome

1 Definition

Amatoxin-Syndrom ist eine Form der Pilzvergiftung.

2 Hintergrund

Beim Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) handelt es sich um einen bis zu 20 cm hohen Lamellenpilz, dessen Hut eine Breite von 5 - 15 cm aufweisen kann. Die Farbe geht von einem extrem hellen grün (fast weiß) bis ins dunkel- bzw. Olivgrüne. Er kommt von Juni bis Oktober insbesondere in Laubwäldern (bes. Buchen) teilweise massenhaft vor. Der Grüne Knollenblätterpilz gehört - ebenso wie seine nahen Verwandten, der Weiße Knollenblätterpilz (Amanita verna) und der Kegelige Knollenblätterpilz (Amanita virosa) (beide enthalten Amatoxine) - zu den mit Abstand giftigsten Pilzen in Europa.

Die große Verwechslungsgefahr mit den Fruchtkörpern anderer Pilze erhöht die Gefahr einer Vergiftung.

Die genannten Knollenblätterpilze enthalten grundsätzlich zwei relevanten Giftarten:

3 Symptome bei Ingestion von Phallotoxinen

3.1 Gastrointestinale Phase

Diese Gifte gelangen sehr schnell aus dem Gastrointestinaltrakt in die Blutbahn und lösen bereits nach einer Latenzzeit von 1 - 10 Stunden typische Magen-Darm-Symptome aus.

Im Einzelnen sind dies:

Exsikkose und hypovolämischer Schock können die Folge sein. Meistens lassen sich die Symptome aber durch reichlich elekrolythaltige Getränke wieder lindern.

3.2 Hepatorenale Phase

Nach Stunden und Tagen scheinbarer Besserung der Symptome kommt es schließlich nach bis zu 4 - 7 Tagen zur Wirkung der lebensgefährlichen Amanitine, welche zahlreiche innere Organe, insbesondere die Leber, irreparabel schädigen.

Symptome sind hier:

4 Diagnose

  • Labordiagnostisch zeigt sich ein starker Abfall von Antithrombin III.
  • Histologisch finden sich in der Leber periportale entzündliche Infiltrate
  • zentrolobuläre Nekrosen im Lebergewebe
  • Begutachtung der Pilzreste durch einen Experten
  • Alpha-Amanitin-Bestimmung im Urin
  • Lignin-Test

5 Therapie

Die Vergiftung mit einem Knollenblätterpilz ist zweifellos ein absoluter Notfall, die sofortiger intensivmedizinischer Behandlung bedarf.

Indizierte Maßnahmen:

Bei totalem Leberversagen bleibt nur die Lebertransplantation

6 Molekulare Wirkung von Amanitinen

Amanitine hemmen die eukaryontische RNA-Polymerase II (Transkriptase), welche die Gene transkribiert, die für verschiedene RNA-Spezies kodieren (genauer: hnRNA, Teile der snRNA und snoRNA). Die RNA-Polymerase III, die für Prä-tRNA, sowie Teile der rRNA, snRNA und snoRNA kodiert, wird erst bei einer sehr hohen Giftkonzentration gehemmt. Besonders durch das Fehlen der hnRNA (Vorläufer der mRNA) kann keine Information mehr aus dem Zellkern ins Zellplasma gelangen. Dort würde normalerweise anhand des RNA-Stranges an den Ribosomen eine Aminosäuresequenz erstellt. Die Genexpression unterbleibt daher in den mit Amanitin vergifteten Zellen komplett und der gesamte Stoffwechsel der Zelle bricht zusammen.

Im Einzelnen bedeutet dies:

  • Enzyme können nicht mehr gebildet werden
  • Stillstand aller von Enzymen katalysierten Reaktionen
  • keine Nachbildung von Strukturproteinen
  • Zellalterung kann nicht mehr verlangsamt werden
  • sämtliche Hormone werden nicht mehr nachproduziert
  • Steuerung des Stoffwechsels fällt aus
  • Membranrezeptoren können nicht mehr gebildet werden (Proteine)

7 Giftzentralen in Deutschland

  • Berlin

Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen Tel.: 0 30 / 1 92 40

  • Göttingen

Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Tel.: 0 55 1 / 1 92 40

  • Mainz

Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66

Weitere Giftzentralen finden Sie hier

Diese Seite wurde zuletzt am 27. Juni 2018 um 09:01 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

12 Wertungen (4.17 ø)

46.851 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: