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Pilzvergiftung

1 Definition

Eine Pilzvergiftung, in der medizinischen Fachsprache Myzetismus, ist eine Intoxikation, die durch den Verzehr von Pilzen verursacht wird.

2 Einteilung

2.1 ...nach auslösendem Toxin bzw. Pilz

2.2 ...nach Kausalität

  • Primäre Pilzvergiftung: Vergiftung durch Giftpilze, "echte Pilzvergiftung"
  • Sekundäre Pilzvergiftung: Krankheitserscheinungen, die nach dem Verzehr von Pilzen auftreten, aber nicht auf Pilzgifte zurückzuführen sind, "unechte Pilzvergiftung"

3 Symptome

Die Symptomatik einer Pilzvergiftung hängt vom auslösenden Toxin bzw. Pilzgift ab. Die Palette möglicher Krankheitsanzeichen reicht von harmlosen Bauchschmerzen bis hin zum totalen Versagen mehrerer Organsysteme.

Viele Symptome, die im Rahmen einer Pilzvergiftung auftreten, können auch andere Gründe haben. Dennoch gilt: Hat die erkrankte Person in der näheren Vergangenheit Pilze zu sich genommen, sollte man immer von einer Pilzvergiftung ausgehen und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

4 Diagnostik

Zu den allgemein Diagnosemethoden im Rahmen einer Pilzvergiftung gehören

  • Genaue Befragung des Patienten (falls ansprechbar) und der Angehörigen über Pilzart, Ort des Sammelns, Sammelbehälter, Allergien des Patienten, Zeitpunkt des Verzehrs
  • Untersuchung und Identifikation von Pilzresten und/oder Erbrochenem
  • Fragen nach der Zeitspanne zwischen Mahlzeit und ersten Symptomen
  • Laboruntersuchung des Blutes zur Identifikation des aufgenommenen Giftstoffes, sowie zur Beurteilung von möglichen Organschäden (Leberwerte, Kreatinin, etc.)
  • Bildgebende Verfahren wie Abdomensonographie (evtl. vergrößerte Leber oder Niere)
  • Urinuntersuchung
  • Rücksprache mit einem Pilzkenner (Gesundheitsamt) oder sofortige Überweisung in eine Fachklinik

5 Therapie

Jeder Giftpilz löst eine individuelle Vergiftung aus, die einer auf die Schäden zugeschnittenen Therapie bedarf. Nicht nur die Frage nach der Art des Giftpilzes stellt eine unverzichtbar wichtige Information für die Diagnosefindung dar, auch die Latenzzeit sagt bereits viel über die Art und die Gefährlichkeit der Vergiftung aus. So gilt ganz grob die Regel: Je länger die Latenzzeit, desto lebensbedrohlicher ist die Vergiftung.

Diese Faustregel ist allerdings mit Vorsicht zu genießen; auch bei den drei tödlich giftigen Knollenblätterpilzarten (Phalloides spec.) und anderen hochtoxischen Fruchtkörpern kann es rasch zu den ersten Erscheinungen kommen. Diese sind allerdings meistens auf den Gastrointestinaltrakt beschränkt, weswegen leider viele den Gang zum Arzt vermeiden. In einem solch frühen Stadium wäre aber z.B. auch ein Amatoxin-Sydrom noch leichter zu therapieren. In jedem Fall gilt also folgender Satz: Je früher die Therapie beginnt, desto besser!

5.1 Erste Hilfe

  • Alarmieren eines Notarztes oder – wenn möglich – einer Giftnotrufzentrale. Eine Liste von Giftnotrufzentralen findet sich hier. Diese können unter Umständen schon am Telefon sagen, was nun am Besten zu tun ist, bevor ein Krankenwagen oder Hubschrauber eintrifft.
  • Pilzreste unbedingt aufheben und dem Fachpersonal vorlegen, um eine Bestimmung des Pilzes zu ermöglichen. In der Regel erfolgen die ersten Vergiftungserscheinungen so rasch, dass sich noch Reste im Hause befinden könnten – und seien es nur madige Reste oder Bruchstücke, die man vor der Zubereitung in den Mülleimer geworfen hat.
  • Auch eventuell vorhandenes Erbrochenes aufheben; so unappetitlich es auch sein mag.
  • Notieren Sie den Zeitraum zwischen der Pilzmahlzeit und den ersten Krankheitsanzeichen
  • Notieren Sie die Gegend, wo sie die Pilze gesammelt haben ebenso, wie den Zustand und den Transportbehälter, in dem sie die Pilze transportiert haben (unsachgemäßer Transport z.B. in einer Plastiktüte kann zum Denaturieren der Pilzeiweiße führen, was dann wiederum Vergiftungen auslösen kann
  • Versuchen Sie, das Erbrechen des Patienten herbeizuführen; anders als bei Säurevergiftungen ist dies hier angebracht
  • Versetzen Sie den Patienten in die stabile Seitenlage.
  • Laien sollten keinerlei Mittel auf eigene Verantwortung geben; dies kann den Zustand des Patienten weiter verschlimmern

Fachgebiete: Toxikologie

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