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Acromelalga-Syndrom

1. Überblick

Das Acromelalga-Syndrom ist eine erst seit rund 10 Jahren in Europa näher bekannte Pilzvergiftung. Während sie im Asien-Pazifik-Raum (speziell in Japan) schon seit 1918 bekannt ist, trat der erste nennenswerte Fall in Europa erst im Jahr 2001 in Frankreich auf. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese Form der Pilzintoxikation im gesamten europäischen Raum unbekannt. Der Begriff Acromelalga verrät bereits, welche Hauptsymptome nach Verzehr der weiter unten genannten Giftpilze auftreten: Unter „Akren“ versteht man die äußersten Körperteile wie Finger, Zehen, Ohren, Nase, Beine und Arme, während „Algie“ der Fachbegriff für Schmerzen ist. Insgesamt handelt es sich – auch im asiatischen Raum – um eine eher seltene Form der Pilzvergiftung.

2. Verursachende Pilze

  • Wohlriechender Trichterling, auch Parfümierter Trichterling genannt (Clitocybe amoenolens)
  • der japanische Bambustrichterling (Clitocybe acromelalga)

3. Latenzzeit

Nach ca. 1 – 2 Tagen nach Genuss der Fruchtkörper kommt es für gewöhnlich zum Ausbruch des Acromelalga-Syndroms. In Extremfällen kann es aber auch bis zu eine Woche dauern, bis sich die ersten Krankheitszeichen einstellen. Die eigentliche Erkrankung ist äußerst langwierig und kann sich im schlimmsten Fall über mehrere Monate hinziehen.

4. Symptome

Unter Wärmeeinfluss verschlimmern sich die Symptome weiter.

5. Relevanter Giftstoff

Für die Vergiftung verantwortlich ist eine Substanz mit dem Namen Acromelsäure. Es handelt sich dabei um einen hochwirksamen Glutamat-Antagonisten.

6. Diagnose

  • Identifikation von Pilzresten bzw. Erbrochenem
  • ausführliche Befragung von Patient und Angehörigen über die Pilzart, Sammelort, Sammelbehälter, Zeitpunkt der Mahlzeit, Auftreten der ersten Symptome
  • Laboruntersuchung (Nachweis von Acromelsäure im Serum)

7. Therapie

Da die ersten Krankheitszeichen meist erst nach einem oder zwei Tagen auftreten, ist ein Herbeiführen von Erbrechen nicht mehr unbedingt von Erfolg. Dennoch sollte man es auf jeden Fall versuchen, um die eingenommene Giftmenge unter Umständen doch noch etwas zu reduzieren. Ein konkretes Gegengift oder eine spezifisch gegen Acromelsäure wirkendes Medikament gibt es nicht. Da das Acromelalga-Syndrom in der Regel keine bleibenden Organschäden hinterlässt, jedoch äußerst quälend und schmerzhaft ist, gelten die Therapiebemühungen hier eher der symptomatischen Verbesserung. Hierzu sollten – wenn notwendig – starke Analgetika (z. B. Metamizol hoch dosiert) und Beruhigungsmittel gegeben werden.

8. Giftzentralen in Deutschland

  • Berlin

Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen Tel.: 0 30 / 1 92 40

  • Göttingen

Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Tel.: 0 55 1 / 1 92 40

  • Mainz

Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66

Weiter Giftzentralen finden Sie [hier].

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15.01.2016, 11:40
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