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Gyromitra-Syndrom

1 Definition

Beim Gyromitra-Syndrom handelt es sich um eine Form der Pilzvergiftung, die durch die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta) ausgelöst wird.

2 Hintergrund

Insbesondere in Russland und im skandinavischen Raum wird die Frühjahrslorchel bis heute gerne verspeist, obwohl sie lebensgefährliche Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann. Zwei Stunden abgekocht stellt sie immer noch ein extrem großes Gesundheitsrisiko dar, weswegen in den genannten Regionen bis zu jede zweite Pilzvergiftung auf diese Pilzart zurückzuführen ist. Ähnlich wie die Vergiftung mit den Knollenblätterpilzen (Amatoxin-Syndrom) kommt es auch beim Gyromitra-Syndrom zu starken Schädigungen an Leber und Niere, sowie zu neurologischen Symptomen.

3 Beschreibung des auslösenden Pilzes

Die Fruchtkörper von Gyromitra esculenta sind dunkelbraun und weisen hirnartige Windungen auf. Der Hut und später der Stiel sind hohl. Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen, die erst im späteren Verlauf eines Jahres zum Vorschein kommen, gehört die Frühjahrslorchel – wie der Name schon sagt – zu den ersten Pilzen, die im Zeitraum von März bis Mai aus dem Boden schießen. Man findet sie insbesondere in Kiefernwäldern und allgemein auf sandigem Boden.

4 Relevantes Gift

Der Hauptgiftstoff der Frühjahrslorchel ist das Gyromitrin. Bei der Zubereitung, spätestens aber im Magen-Darm-Trakt wird diese organische Verbindung zu wasserlöslichem Monomethylhydrazin abgebaut. Dies kann auf Grund seines Siedepunktes bei ca. 86 – 87 °C beim Kochen entweichen, weswegen sogar beim Einatmen der Dämpfe schon Vergiftungserscheinungen möglich sind. Interessanterweise gibt es immer wieder Menschen, die den Pilz völlig unbeschadet überstehen. Eine Begründung dafür ist bisher nicht bekannt. Es ist aber dringendst davon abzuraten, die eigene Verträglichkeit mit einer Pilzmahlzeit dieser Fruchtkörper zu testen!

5 Pathophysiologie

Wie erwähnt, zerfällt die Ursprungssubstanz Gyromitrin in das wasserlösliche Monomethylhydrazin. Dessen Hauptwirkung besteht in einer Hemmung des Pyridoxins im ZNS. Pyridoxin ist aber essentiell für den Aufbau des hemmenden Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Dessen Konzentration im ZNS wird reduziert, wodurch starke Krampfanfälle ausgelöst werden. Die Hemmung von Pyridoxin ist außerdem die Ursache für die starke Leberschädigung, das es wichtige Funktionen im Aminosäurestoffwechsel einnimmt.

6 Symptome

Ebenso wie beim Amatoxin-Syndrom teilen sich die Symptome in eine gastrointestinale und eine hepatorenale Phase. Auch mit den Latenzzeiten verhält es sich ganz ähnlich. Die ersten Krankheitszeichen treten in der Regel sechs bis zwölf, im Extremfall auch bei bis zu 25 Stunden nach dem Verzehr auf. Es kommt dann im Rahmen der gastrointestinalen Phase zu

Die Krankheitszeichen klingen nach 2 bis 6 Tagen ab und es kommt – wie bei einer Knollenblätterpilzvergiftung – zu einer scheinbaren Genesung des Patienten. Nach einem kurzen symptomlosen Intervall tritt er in die lebensbedrohliche hepatorenale Phase ein, die sich wie folgt äußert:

7 Diagnose

Bei den ersten Anzeichen dieser Pilzvergiftung muss sofort gehandelt werden. Hinweise auf die Diagnose ergeben folgende Maßnahmen:

  • Palpation: Abtasten der stark vergrößerten und erhärteten Leber
  • Labordiagnostisch zeigt sich ein stark erhöhter Bilirubin-Anteil
  • im Gegensatz zum Amatoxin-Syndrom sind die Leberwerte NICHT erhöht.

8 Therapie

Es handelt sich um einen Giftnotfall, der sofortiger medizinischer Behandlung bedarf.

9 Giftnotrufzentralen in Deutschland

  • Berlin: Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen Tel.: 0 30 / 1 92 40
  • Göttingen: Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Tel.: 0 55 1 / 1 92 40
  • Mainz: Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66

Weiter Giftzentralen finden Sie hier.

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